Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Gerhard Dilger, Porto Alegre 04.03.2010 / Ausland

»Wir sind ein Dritte-Welt-Land«

Chiles Regierung blockierte nach dem Beben zahlreiche Hilfsangebote / Lage leicht entspannt

Der Nationalstolz der chilenischen Regierung behindert rasche Hilfe aus dem Ausland. Nach der Entsendung von 12 000 Soldaten ins Krisengebiet sind die Plünderungen abgeflaut.
Am fünften Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Chile hat sich die Lage leicht entspannt. Alle Orte seien mittlerweile auf dem Landweg zu erreichen, sagte Infrastrukturminister Sergio Bitar. Auch zu massiven Plünderungen wie in den ersten Tagen kam es wegen der Präsenz von mittlerweile 12 000 Soldaten im Krisengebiet nicht mehr. In Concepción verlängerte die Armee die Ausgangssperre auf 18 Stunden bis zwölf Uhr mittags. Wasser und Strom gab es nur in wenigen Bezirken.

Die amtlich bestätigte Zahl der Toten lag am Mittwoch bei 799, Hunderte werden weiter vermisst. Betroffen sind zwei Millionen Menschen. Vielerorts trafen erst am Dienstag die ersten Hilfslieferungen ein. Die erste Hilfe aus dem Ausland, die die Regierung offiziell entgegennahm, waren 62 Satellitentelefone, die US-Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag im Gepäck hatte – und das, obwohl erste Hilfsangebote aus aller Welt bereits wenige Stunden nach der Katastrophe eingetroffen waren. Etliche Regierungen und die UNO wurden mit der Auskunft hingehalten, man müsse erst eine Liste mit den benötigen Gütern ausarbeiten. So habe Israel schon am Samstag Feldlazarette, mobile Brücken und Wasserreinigungsanlagen angeboten, doch die Antwort war: »Alles unter Kontrolle.« Der Botschafter in Washington verkündete derweil, Chile sei eher mit Japan als mit Haiti zu vergleichen. Dennoch lobte die stellvertretende UNO-Nothilfekoordinatorin Catherine Bragg die »klare Führung« der Regierung.

Streit gab es auch darüber, ob durch konkrete Tsunamiwarnungen nicht Hunderte vor den Sturmwellen hätten gerettet werden können, die eine halbe Stunde nach dem Beben der Stärke 8,8 über die Küstenorte hereinbrachen. Die ersten Informationen der Marine seien so ungenau gewesen, dass exakte Anweisungen unmöglich waren, sagte Zivilschutz-Chefin Carmen Fernández. Die Bevölkerung sei nicht ausreichend auf derartige Katastrophen vorbereitet, räumte sie ein, »dafür haben wir keinen Etat«. Luftwaffenchef Ricardo Ortega meinte knapp: »Wir sind ein Dritte-Welt-Land.«

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
nd-Probeabo

Jetzt »nd« testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.