Die amtlich bestätigte Zahl der Toten lag am Mittwoch bei 799, Hunderte werden weiter vermisst. Betroffen sind zwei Millionen Menschen. Vielerorts trafen erst am Dienstag die ersten Hilfslieferungen ein. Die erste Hilfe aus dem Ausland, die die Regierung offiziell entgegennahm, waren 62 Satellitentelefone, die US-Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag im Gepäck hatte – und das, obwohl erste Hilfsangebote aus aller Welt bereits wenige Stunden nach der Katastrophe eingetroffen waren. Etliche Regierungen und die UNO wurden mit der Auskunft hingehalten, man müsse erst eine Liste mit den benötigen Gütern ausarbeiten. So habe Israel schon am Samstag Feldlazarette, mobile Brücken und Wasserreinigungsanlagen angeboten, doch die Antwort war: »Alles unter Kontrolle.« Der Botschafter in Washington verkündete derweil, Chile sei eher mit Japan als mit Haiti zu vergleichen. Dennoch lobte die stellvertretende UNO-Nothilfekoordinatorin Catherine Bragg die »klare Führung« der Regierung.
Streit gab es auch darüber, ob durch konkrete Tsunamiwarnungen nicht Hunderte vor den Sturmwellen hätten gerettet werden können, die eine halbe Stunde nach dem Beben der Stärke 8,8 über die Küstenorte hereinbrachen. Die ersten Informationen der Marine seien so ungenau gewesen, dass exakte Anweisungen unmöglich waren, sagte Zivilschutz-Chefin Carmen Fernández. Die Bevölkerung sei nicht ausreichend auf derartige Katastrophen vorbereitet, räumte sie ein, »dafür haben wir keinen Etat«. Luftwaffenchef Ricardo Ortega meinte knapp: »Wir sind ein Dritte-Welt-Land.«
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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