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Von Mark Wolter, München 05.03.2010 / Sport

Hausaufgaben von Maradona

Der 1:0-Testsieg der Argentinier deckt Probleme im Team von Joachim Löw auf

Die neue deutsche Nummer 1, René Adler (links oben), wirkte
Die neue deutsche Nummer 1, René Adler (links oben), wirkte nicht besonders souverän gegen Argentinien. Fotos: dpa

Erst wollte Diego Maradona gar nichts sagen. Irritiert und genervt verließ der argentinische Fußballnationaltrainer das Podium der Pressekonferenz, weil er den neben ihm Platz nehmen wollenden Mann nicht kannte: Thomas Müller, seit diesem Abend immerhin deutscher Nationalspieler. Nach kurzer Aufklärung kam Maradona dann doch zurück, ohne Müller. Der Unberechenbare setzte sich mit selbstgefälligem Grinsen und wollte plötzlich gar nicht mehr aufhören, zu reden. Das Niveau sei hoch gewesen, sein Team in allen Belangen besser als die Deutschen und Offensivkünstler Lionel Messi Gott sei Dank Argentinier. »Das ist die Mannschaft, die nach 24 Jahren wieder Weltmeister werden kann. Entgegen allen kritischen Journalistenmeinungen, mit der Unterstützung des Volkes und – natürlich – so Gott will«, sprudelte es aus Maradona ohne Punkt, Komma und Nachfragen heraus.

Der 1:0-Erfolg im ersten Test des WM-Jahres bescherte den Argentiniern die erhoffte Selbstbestätigung nach der erzitterten Qualifikation in Südamerika. Dem deutschen Trainer Joachim Löw stellten Maradona und sein Team im letzen Länderspiel vor den Nominierungen der WM-Kader Anfang Mai noch einige Hausaufgaben. »Das Gerüst habe ich im Kopf, aber die eine oder andere Baustelle gibt es noch«, sagte Löw nach der Partie in der Münchner Arena.

Die von beiden Teams vorsichtig und diszipliniert geführte Partie konnte kaum Fragen beantworten. Nicht die vorher viel diskutierte nach dem besten Hilfssheriff für Kapitän Michael Ballack im defensiven Mittelfeld, wo sich Bastian Schweinsteiger solide, aber ideenlos versuchte. Noch viel weniger die nach dem gefährlichsten Angriff, wo die in der Liga schwächelnden Miroslav Klose und Lukas Podolski bemüht, aber blass blieben. Auch nicht die Frage nach der sichersten Formation in der Abwehr, wo sich Jerome Boateng, Per Mertesacker und Serdar Tasci manchmal zu leicht von den leichtfüßigen Argentiniern ausdribbeln ließen. Selbst der vorher als Nummer eins für Südafrika bestätigte Torwart René Adler wirkte nicht souverän, als er kurz vor der Halbzeitpause bei einem langen Pass auf Gonzalo Higuain zu spät herausstürmte und dem Stürmer von Real Madrid einen einfachen Schuss ins verwaiste Tor ermöglichte. »Der Gegentreffer geht auf mich. Ich war sicher, dass ich ihn noch kriege«, sagte Adler.

»Die Argentinier haben uns sehr gut gestört und uns laufen lassen«, lobte Bundestrainer Löw den Gegner, der jederzeit quirliger, aggressiver, ballsicherer war und bei einer minutenlangen Ballstafette kurz vor Ende sogar von allen 65 000 Zuschauern bejubelt wurde. »Etwas mehr Mut hätte uns gut getan. So ist es uns nicht gelungen, Druck aufzubauen«, sagte Löw. Erst der eingewechselte Cacau konnte in der Schlussphase für etwas Torgefahr sorgen. Der derzeit formstarke Stuttgarter Stürmer konnte als einziger neben Debütant Thomas Müller Werbung in eigener Sache machen. »Ich muss mich noch weiter in der Liga empfehlen, aber ich habe hier bestimmt keinen schlechten Eindruck gemacht«, sagte der Offensivmann von Bayern München. Da störte den 20-Jährigen auch nicht, dass seine Leistung vom gegnerischen Trainer offensichtlich nicht wahrgenommen wurde.

Maradona entschuldigte sich noch bei Thomas Müller. »Ich habe ihn nicht gleich erkannt.« Normalerweise sitze neben ihm ja auch der andere Trainer. Und wer ist ihm dafür in seinem Team besonders aufgefallen? »Ich könnte jetzt viele Namen nennen.« Wollte er aber nicht. Die mit Einzelkönnern gespickte Mannschaft soll der Star sein. Oder besser eine funktionierende Einheit, denn Star ist der Trainer. Lionel Messi, Weltfußballer des Jahres, schlüpfte dann auch wie seine Mitspieler wortlos an den Fragenden vorbei hinaus in den Mannschaftsbus, um dort Dutzende Minuten zu warten. Drinnen redete immer noch Maradona.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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