Dr. Isa Ducke und Natascha Thoma 06.03.2010 / Reise

Pilgern auf Japanisch mit Bus und Rad

Unterwegs auf dem 88-Tempel-Weg quer über die japanische Insel Shikoku

Tempel Nr. 70, der Motoyamaji-Tempel, mit Statue des Kb Daishi und Pilgerbuch (oben)
Der kleine Vorortzug zuckelt durch sattgrüne Reisfelder. Am anderen Ende des einzigen Waggons vergleichen drei Schülerinnen lautstark ihre Hello-Kitty-Stiftedosen. Wir schnüren noch mal die Wanderschuhe nach, bevor wir am Bahnhof Naruto aussteigen. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum Ryzenji-Tempel. Hier beginnt der buddhistische Pilgerrundweg, der uns in den nächsten Wochen an 88 Tempeln vorbei um die Insel Shikoku führen wird, die kleinste der vier japanischen Hauptinseln. Der in Japan hochverehrte Mönch Kbo Daishi wurde auf dieser Insel geboren, und jeder der 88 Tempel hat zumindest einen legendären Bezug zu dem wundertätigen Heiligen.

Täglich acht Tempel und hunderte Kilometer

»Wir befinden uns in Tempel Nr. 3, dem Konsenji-Tempel. Die Haupthalle ist hier vorne, die Kbo-Daishi Halle dort drüben links, die Toiletten rechts.« Von einer Bank im Schatten beobachten wir, wie sich die zwanzigköpfige Pilgergruppe zum Rezitieren des Herzsutras (buddhistisches Lehrstück in Versen) vor der hölzernen Haupthalle formiert. Die meisten sind noch nicht ganz textsicher, und am lautesten klingt die tiefe Stimme der Reiseleiterin durch, die mit einem Hand-Schlagstock den Takt vorgibt. Noch atemlos vom schnellen Beten entzünden die weiß gekleideten Pilger eilig Kerzen und werfen ein osame-fuda, ein Kärtchen mit einem Bild des Kbo Daishi und der Aufschrift »Shikoku 88-Tempel-Pilgerfahrt« in eine Holzkiste. Sie haben ihren Namen mit Adresse darauf vermerkt, denn auch der buddhistische Heilige benötigt wohl bei so vielen Pilgern eine kleine Gedächtnisstütze. Danach bleibt gerade noch Zeit für ein paar Fotos und einen Blick in den Andenkenladen, bevor der Reisebus zur Weiterfahrt hupt. An das flotte Tempo werden sich die meist schon älteren Pilger gewöhnen müssen, denn in den nächsten Tagen stehen täglich mindestens acht Tempel und hunderte Buskilometer auf dem Programm.

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