Jetzt wird's bunt beim Bund. Altgediente Schleifer schütteln den Kopf, weil sie nicht wissen, wie sie in nur sechs statt bisher neun Monaten Menschen zu Rekruten veredeln sollen. Vorgesetzte mit mehr Hirn fragen sich, warum die Politik nicht auf wichtigeren Baustellen buddelt. Klar, dass die Absenkung der Wehrdienstzeit von W 9 auf W 6 kommen wird, schließlich ist die Union der FDP im Koalitionsvertrag so weit entgegengekommen. Dass zu Guttenberg den Zeitpunkt vorziehen will, ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass er sich schon zu lange nicht mehr in großen Schlagzeilen wiedergefunden hat.
Doch warum schafft die Regierung den antiquierten »Männerulk« nicht generell ab? Dafür gibt es mehrere Gründe, die nicht nur mit dem Hinweis auf den angekoppelten Zivildienst zu tun haben. Erstens fängt man so arbeitslose Jugendliche von der Straße. Das ist gut für die Statistik. Zweitens bekommt man so einen Gutteil der für die Aufrechterhaltung der normalen Kasernentätigkeit notwendigen Leute zum Billigsttarif. Das unbestritten wichtigste Pro-Wehrpflicht-Argument ist mit dem Begriff »freiwillig Längerdienender« beschrieben. Diesen Typ Soldat braucht man für Auslandseinsätze. In der Mehrzahl entscheiden sich junge Männer während des normalen Wehrdienstes, eine Kohle mehr aufzulegen, um Kohle zu machen. Denn was wäre die Alternative? Nur zu oft der dröge Alltag eines Arbeitslosen mit Aufstiegschancen zu Hartz IV.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Viel »heiße Luft« um Hartz IV Union kritisiert Westerwelle / Neue Zuverdienstgrenzen gefordert
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