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Von Sarah Liebigt 18.03.2010 / Berlin / Brandenburg

Erinnerung an 1848 in der Zukunft

Friedhof der Märzgefallenen soll als nationaler Gedenkort Bedeutung erlangen

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Noch ist der Blick auf den Gedenkstein unverstellt.

Noch steht der Stein mit der großformatigen Inschrift zwischen kahlen Bäumen. Der zentrale Gedenkstein auf dem Friedhof der Märzgefallenen soll jedoch in einigen Monaten Mittelpunkt einer Ausstellung sein – und dazu hinter einer gut mannshohen Plakatwand verschwinden.

Um aus dem eher kleinen Friedhof eine Nationale Gedenkstätte zu machen, hat der Paul Singer Verein in Berlin eine Ausstellung auf den Weg gebracht. Diese soll gleichermaßen auf den Friedhof aufmerksam machen und die Öffentlichkeit zur Beteiligung an der weiteren Planung anregen.

Am 18. März 1848 wurden 183 Menschen während der Märzrevolution durch das preußische Militär umgebracht. In vielen Ländern Europas stehe die Revolution für Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und Demokratie, sagt Susanne Kitschun, Projektleiterin beim Paul Singer Verein, anlässlich der Vorstellung der »maerz_baustelle«. »Um diese Werte zu bewahren brauchen wir Orte positiver Erinnerungskultur, die die Geschichte unserer Demokratie zeigen.« Denn die Ereignisse um die Revolution 1848 sind in Vergessenheit geraten. Jüngere Geschehnisse der deutschen Geschichte nehmen wesentlich mehr Raum im kulturellen Gedächtnis – der Berliner – ein.

Auch in diesem Jahr findet eine Gedenkstunde auf dem Platz des 18. März am Brandenburger Tor statt, gefolgt von einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof. Um jedoch die alltägliche Aufmerksamkeit auf den Gedenkort mitten in Berlin und seine mögliche Zukunft zu lenken, soll nun die zunächst temporäre Ausstellung errichtet werden. Sie dreht sich rund um die Ereignisse um den 18. März 1848 sowie seine geschichtliche Einordnung. Neben der Plakatwand, die den Gedenkstein wie eine Schnecke umgibt, soll es eine Dauerausstellung geben, die in einem umfunktionierten 30 Meter langen Seecontainer untergebracht ist.

Dieser Ort sei bewusst gewählt, solle zum einen Aufmerksamkeit erregen und zum andern bewusst den provisorischen Charakter der »maerz_baustelle« unterstreichen, sagt Leonie Bauman, Vorsitzende der Jury, die dem Büro Sinai Freiraumplanung und Projektsteuerung GmbH den Auftrag erteilte.

Aus vier eingereichten Vorschlägen für die Ausführung der »Gedenkstätte Friedhof der Märzgefallenen« gewann somit der Vorschlag, der Ereignisgeschichte, Erinnerungsgeschichte und Beteiligung voneinander trennt. In dem langen Container, der von der Straße aus gut zu sehen sein wird, ist eine multimediale Ausstellung untergebracht, die allgemein und anhand von Einzelschicksalen über den 18. März 1848, die Aufstände und den späteren Trauerzug zum Friedhof und mehr informiert. Die Plakatwand, die den Gedenkstein umgibt, kann auf der Innenseite beschrieben werden. Hier sollen Interessierte ihre Vorschläge und Ideen für eine weitere Gestaltung des Gedenkfriedhofes mitteilen können. Auf der Außenseite sind chronologisch Themen rund um den Werdegang des Friedhofes dargestellt – von 1848 bis 2010.

An diesem Freitag findet zudem ein Kongress statt, der unter dem Titel »Am Grundstein der Demokratie« Erinnerungskultur am Beispiel des Friedhofs der Märzgefallenen auf- und erarbeiten möchte. In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung will der Paul Singer Verein hier Antworten finden auf die Frage, wie der Friedhof als Bildungsstätte und nationales Denkmal entwickelt werden kann. Die Ausstellung soll im September eröffnet werden.

Termine am 18. März

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Visualisierung der künftigen maerz_baustelle | Grafik: Sinai. Freiraumplanung + Projektsteuerung GmbH

15 Uhr Gedenkstunde auf dem Platz des 18. März, Grußworte u.a. von Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen, und Graham Watson, Mitglied des Europäischen Parlaments.

17 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Märzgefallenen in Berlin-Friedrichshain, Grußworte u.a. von Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses, und Klaus Lederer, Berliner Vorsitzender der LINKEN.

Ausstellungsinfo und Veranstaltungsprogramm unter: www.friedhof-der-maerzgefallenen.de

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