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Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro 23.03.2010 / Umwelt

Globales Problem Verstädterung

»World Urban Forum« der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro eröffnet

Eines der Hauptprobleme der weltweiten Verstädterung ist die enge Verbindung mit dem überproportionalen Wachstum der Armenviertel. Deshalb passt das am Montag eröffnete fünfte »World Urban Forum« der Vereinten Nationen perfekt an seinen Tagungsort, die brasilianische Metropole Rio de Janeiro.
Heute gibt es bereits 500 solcher Favelas in Rio de Janeiro.
Heute gibt es bereits 500 solcher Favelas in Rio de Janeiro.

Rund elf Millionen Einwohner, davon etwa vier Millionen, die in über 500 Armenvierteln leben, und eine in der Welt konkurrenzlose Mordrate: Der Großraum Rio de Janeiro ist längst über seine ökologischen und sozialen Grenzen hinausgewachsen. Idealer Veranstaltungsort also für das fünfte »World Urban Forum« des Wohn- und Siedlungsprogramms der UNO »Habitat«. Die Vereinten Nationen schufen das alle zwei Jahre tagende Forum, um die rasch zunehmende Verstädterung der Welt – eines der dringendsten Probleme der Menschheit – und deren Folgen für Bevölkerung, Wirtschaft und globales Klima zu untersuchen sowie Lösungen für die entstandenen Probleme zu finden. Laut UN-Habitat lebt bereits heute mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, insgesamt 3,49 Milliarden Menschen. In 50 Jahren werden zwei Drittel der Menschheit verstädtert sein. Der »Homo sapiens« werde zum »Homo urbanus«, so die UN-Habitat-Direktorin Anna Tibaijuka zur Eröffnung des Forums in Rio de Janeiro. Das Anwachsen der Armenviertel sei dabei eines der Hauptprobleme.

Der zur »World Urban Forum 5« veröffentlichte UN-Habitat-Bericht »State of the World Cities 2010/2011: Bridging the Urban Divide« spricht zwar davon, dass sich während der vergangenen zehn Jahre weltweit 227 Millionen Menschen aus ihren städtischen Armutsverhältnissen befreien konnten. »Diese Entwicklung verteilt sich aber nicht überall gleich«, sagte Tibaijuka. »Der Erfolg ist verschoben zugunsten der moderneren, wirtschaftlich schnell wachsenden Nationen, während die armen Länder nach wie vor große Probleme haben.« Wenn die Regierungen nicht gegensteuern, sei jedes Jahr mit sechs Millionen Menschen mehr zu rechnen, die unter unwürdigen Bedingungen hausen müssten. Und so ist die absolute Zahl der Slum-Bewohner in dieser Zeit von 776,7 Millionen auf 827,6 Millionen weiter angewachsen. »Im Jahr 2020 würde sich die Zahl der Slumbewohner um die 900 Millionen bewegen«, sagte die aus Tansania stammende höchste afrikanische UN-Mitarbeiterin. Zwei Drittel der heutigen Armen wohnten in den Ländern um die Sahara. UN-Habitat schätzt, dass trotz aller Verbesserungsbemühungen die in Slums wohnende Weltbevölkerung bis 2020 um weitere sechs Millionen Menschen pro Jahr zunehmen wird.

Nach Auskunft von Anna Tibaijuka leben mehr als 60 Prozent der städtischen Bevölkerung Afrikas schon heute in Slums, das sind reichlich 210 Millionen Menschen. In Südasien sind es 35 Prozent der Stadtbevölkerung, in Lateinamerika und der Karibik 24 Prozent.

Der UN-Habitat-Report hat aber auch Positives zu berichten. So konnten die beiden Länder Argentinien und Kolumbien ihre Slums in den vergangenen zehn Jahren um zwei Fünftel reduzieren – durch Programme zur Verbesserung der Infrastruktur wie Wasser- und Abwasserentsorgung. Brasiliens Armensiedlungen in den Städten schrumpften um 16 Prozent.

Die Verbesserung der Situation der weltweiten Slumbevölkerung ist auch in Rio de Janeiro eines der Hauptthemen. Bis zum Freitag werden Hunderte von Politikern und Wissenschaftlern während des »World Urban Forums« unter dem Motto »Das Recht auf Stadt« auch dieses Problem diskutieren. Die Debatten, Podiumsdiskussionen, Runden Tische und Workshops reichen von Klimawandel, nachhaltiger Stadtentwicklung bis hin zur Situation von in Städten lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen, die oft schlichtweg ignoriert werden. Insgesamt haben sich über 18 000 Repräsentanten von Staaten, Städten, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen aus 140 Ländern angemeldet.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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