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Von Anouk Meyer 24.03.2010 / Berlin / Brandenburg

An der Belastungsgrenze

Anne Wodtcke in der Galerie en passant

Klack, klack, klack: Rhythmisch hallt der Sound eines kippelnden Holzhockers durch die kleine Galerie en passant. Der Blick des Besuchers wandert auf der Suche nach der Geräuschquelle automatisch zur Empore, wo sich ein Video als Urheber entpuppt. Darin balanciert die Performancekünstlerin Anne Wodtcke minutenlang auf einem umgedrehten Hocker, kippelt und wackelt und erzeugt so das andauernd klackernde Geräusch.

»how long (is) now«, was man mit »wie lange (ist) jetzt« oder »wie lange noch« übersetzen könnte, heißt die Ausstellung, in der die Münchner Künstlerin erneut Alltagsgegenstände auf ihre Belastbarkeit untersucht, wobei sie auch den eigenen Körper einsetzt. Nachdem sie vor zwei Jahren viel mit einfachen braunen Papiertüten arbeitete, experimentiert sie nun mit Lkw-Reifenschläuchen sowie den erwähnten Holzhockern. In ihren Performances schafft sie vor den Augen der Zuschauer zeitlich begrenzte Skulpturen und dokumentiert diese per Foto, Dias oder Videos. Dabei gilt ihr Interesse weniger dem Objekt an sich, sondern vielmehr dem Prozess, der zwischen und mit Dingen und Menschen stattfindet. Wenn man auf dem großen Bildschirm sieht, wie sie mit ihren beweglichen Händen und Füßen auf den starren Hockerbeinen balanciert und das Möbel zum Wackeln bringt, beeindruckt vor allem der Kontrast zwischen Geschmeidigkeit und Masse, lebendem Körper und totem Objekt; andererseits hat das störrische Geklacker auf Dauer auch einen nervtötenden Effekt.

Unter den drei Videos, die in Dauerschleife auf der Empore laufen, ist auch eines, in dem Anne Wodtcke auf aufgepumpten Reifenschläuchen herumspringt, bis im wahrsten Sinne des Wortes die Luft raus ist. Das Material liegt auf dem Boden der Galerie herum, ebenso zwei der Hocker, die die Künstlerin bei der Eröffnung benutzte. Weitere Performances hat die Künstlerin per Fotoapparat dokumentiert: Ein großes Foto zeigt sie, wie sie, in einen Lkw-Reifen geschmiegt, eine Auffahrt in Pittsburgh entlang rollt, im Nebenraum laufen drei Diashows, in denen die gebürtige Berlinerin und Wahlmünchnerin auf und an einem Hocker herumturnt bzw. an, auf und vor einem großen verschnörkelten Holzsarg posiert – sitzend, stehend, turnend, kauernd. »restless«, also ruhelos, nennt sie diese Aufnahmen, die in ihrer Unruhe an Filmausschnitte erinnern, in denen ein Zeitraum des Wartens und der Langeweile verdeutlicht werden soll. Für Liebhaber museal dokumentierter Performances haben diese Aufnahmen sicher ihren Reiz, alle anderen sollten bis zur Finissage am 26. März ab 19 Uhr abwarten, um Anne Wodtcke live zu erleben. Ein Videoscreening mit anschließender Diskussion zum Thema Performance, Körper, Markt und Öffentlichkeit schließt sich am 27.März ab 19 Uhr an, außerdem gibt es am 27. und 28.3., jeweils von 10 bis 17 Uhr, einen Workshop zum Thema mit abschließender Performance am Sonntag.

Schau noch bis 26.3., geöffnet Di.-Fr. 14-18 Uhr, sa. 12-16 Uhr; Galerie en passant, Brunnenstr. 169, Mitte, Infos unter 70 22 12 18

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