Von Lucía Tirado
25.03.2010

»Nicht ganz dicht, aber näher dran«

Das Weite Theater zeigt seit bald 18 Jahren Aufführungen mit Puppen und Menschen

König aus der Kiste
König aus der Kiste

Das Weite Theater (DWT) wird 18. Am 27. März ist es soweit. Und weil man als Volljähriger nicht nur rund um die Uhr arbeiten, sondern auch feiern darf, geht es schon am Abend zuvor los. Die Chose beginnt um 20 Uhr mit dem Puppentheater für Jugendliche und Erwachsene »Der kleine König Dezember« nach dem gleichnamigen Buch von Axel Hacke. Es handelt sich keineswegs um ein Weihnachtsstück. Vielmehr geht es um das Leben eines traurigen »Ins-Büro-Gehers«, der von dem im Bürobücherregal wohnenden kleinen König getröstet wird. In dessen Reich geht es anders lang. Man wird groß geboren und mit den Jahren kleiner. So ein Stück zum 18.? Das ist wohl mal wieder typisch für das Weite Theater, dessen Humor in Inszenierungen für Erwachsene nicht schwärzer sein kann. Aber in diesem Stück geht es vor allem um Träume, und davon haben sich die Theatermacher viele als Menschen mit Puppen erfüllt.

Am Anfang sah es nicht so aus, als würde das für lange Zeit klappen. Das DWT öffnete am 27. März 1992 in Hellersdorf als »soziokulturelle und künstlerische Oase«. Ein Jahr zuvor hatten sechs Puppenspieler und drei Musiker – allesamt mit Diplom in der Tasche – einen Freundeskreis für das Projekt gegründet. Aber die damalige Bezirksverwaltung konnte dem Kulturort kein Domizil bieten. Das DWT zog 2003 nach Lichtenberg an die Parkaue 23. Seither sagen die Theaterleute, sie seien zwar »nicht ganz dicht, aber näher dran«, denn sie stellten kopfschüttelnd fest, dass für viele die kulturelle Welt hinter dem Bahnhof Frankfurter Allee aufhört. Sie bezogen das »dicht« auf die Zentrumsnähe, nehmen sich aber auch selbst damit hoch. Ihr gutes Theater für Kinder lockt längst Besucher von weiter her an. Nur die Erwachsenen zieren sich mitunter noch etwas. Dabei besitzt das DWT als einziges Theater der Stadt sogar eine schöne Terrasse.

200 Aufführungen mit Puppen und Menschen zeigt das DWT jährlich. Was für Freude bei den Zuschauern sorgt, ist nach künstlerischer Beschreibung darstellende Kunst verschiedener Formen unter einem Dach. Menschen und Puppen spielen zusammen, meistens mit Live-Musik. 70 eigene Stücke und Koproduktionen kamen hier bereits für Groß und Klein auf die Bühne – ohne Berührungsängste vor großen Autoren. Aufgeführt wurden unter anderem William Shakespeare, Bertolt Brecht, Christa Wolf, Friedrich Dürrenmatt. Einige gute Stücke schrieben die Spieler selbst.

Nur acht engagierte Leute arbeiten im DWT. Die drei Spieler Irene Winter, Torsten Gesser und Martin Karl sind nicht nur auf der Bühne aktiv, sondern gleichzeitig fürs Management zuständig. Um Technik, Beleuchtung und Bühne kümmern sich Franz Wurm und Steffen Süß. Darum, dass die Buchhaltung funktioniert, dass an die Öffentlichkeit kommt, was sich hier abspielt und dabei Grafik und Layout stimmen, sind Anna Haase, Elke Holzberger und Peter Koppatsch zuständig. Bei 80 Gastspielen jährlich gibt es einiges zu organisieren.

Das DWT ist viel herumgekommen. Außer zu den Festivals im Inland fuhren die Künstler auch in die Niederlande, nach Ungarn, Österreich, Italien, Bosnien und Serbien. Beim Internationalen Puppentheaterfestival Synergura in Erfurt gewannen sie zwei Mal den Hauptpreis. Vor acht Jahren gleich mit den zwei Inszenierungen »Du musst Schwein sein oder Padulidu und Lorelei« und »Bin im Keller – ein blutiges Intermezzo«. Die nächste Premiere im Juni soll ein entstaubter »Faust« sein. Endlich soll dann geklärt werden, ob Faust wirklich Mythos ist oder doch nur »ein sich selbst bemitleidender alter Sack«.

Der 18. ist fürs DWT also keine Zäsur. Sie hätten früh lernen müssen, auf eigenen Beinen zu stehen, meint Torsten Gesser. Das hätte nicht geschadet. »So meistern wir weiterhin das Leben auf der Suche nach der Seelenverwandtschaft von Puppe und Mensch und dem Verwirrspiel zwischen scheinbarem Subjekt und der eigenen Objektivierung.« Das sei der Plan, denn sie seien nun mal »nicht ganz dicht, aber näher dran«.

26.3., 20 Uhr, DWT-Geburtstag, Parkaue 23, Lichtenberg, Tel.: 991 79 27, www.das-weite-theater.de

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