Von Fabian Lambeck
25.03.2010
kommentiert

Schiefe Formel

Mit Statistiken ist das so eine Sache. Wenn der Innenminister vermeldet, die Straftaten mit linksextremem Hintergrund hätten im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen, dann ist Vorsicht geboten. Zumal verzerrende Effekte in der Statistik nicht gesondert ausgewiesen werden. So haben die Bundestags- und Europawahlen die registrierten Sachbeschädigungen in die Höhe schnellen lassen – um beinahe 50 Prozent! Dies zeigt auch, wie verschroben die Statistik des Innenministers die Realität abbildet. Wenn das Beschmieren eines Wahlplakats in derselben Statistik auftaucht wie der Mord an einem Menschen, dann scheint irgendwas nicht zu stimmen. Auch die Zunahme linker Gewalt gegen Polizisten bleibt zu hinterfragen. Die Stein- und Flaschenwürfe vom 1. Mai sind nicht zu entschuldigen, doch bilden diese schweren Krawalle immer noch die Ausnahme – und nicht die Regel. Die Statistik passt der Regierung gut ins Konzept. Sie zeigt dem Bürger, wie gefährlich die Extremisten für unsere Grundordnung sind. Es gilt die Formel: links gleich rechts. Der Minister nutzte die Veröffentlichung der Statistik deshalb auch, um vor der lange unterschätzten Gefahr des Linksextremismus zu warnen. Durch diese Warnung dürften sich auch jene in ihrem Tun bestätigt fühlen, die seit Jahren dafür sorgen, dass es in ostdeutschen Provinzstädten national befreite Zonen gibt. Denn die Nazis wissen, dass links nicht gleich rechts ist.

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