Mathias Wedel
Foto: ND/Burkhard Lange
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Zu Ostern, spätestens jedoch im Mai, kommt die D-Mark wieder. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Nur in den Zeitungen steht es nicht (höchstens »zwischen den Zeilen« – doch wer kann das noch lesen?). Und im ND, dem Erstinformationsblatt kritischer Bürger? Kein Wort von dem großen Coup! Mit Recht: Solange nicht Schlangen vor den Sparkassen stehen, ist die D-Mark keine Tatsache. Und über Nichttatsachen berichtet ein Qualitätsmedium nicht. Wie sollte das denn aussehen: »Für den Fall, dass – wie es die Spatzen von den Dächern pfeifen – die D-Mark wiederkommt, hier Tipps für unsere Leser, wie sie ihr Vermögen in Schweizer Franken umtauschen können.«
Das geht nicht! Außerdem: Eine Währungsreform muss eine faustdicke Überraschung sein, damit die Kleinsparer ihre Kröten nicht in Sicherheit bringen können. Bei der Aktion muss ja für den Staat was übrig bleiben. So wie bei der Einführung des Euro die Preise nicht halbiert wurden, sondern gut zwei Jahre später D-Mark-Niveau erreicht hatten (aber nicht die Löhne!), so werden sich, wenn die D-Mark wiederkommt, die Euro-Preise nicht nur verdoppeln (aber nicht die Löhne!).
Diese Überraschung darf das ND natürlich dem Finanzminister nicht verderben. Das heißt, es dürfte vielleicht, wenn es sich traute. Doch das wäre Sabotage – das gehört sich für eine Linke nicht, der die Bundesrepublik ans Herz gewachsen ist. Nur gut, dass es den »Flattersatz« gibt, der den ND-Lesern einen Spekulationsvorsprung vor den Abonnenten bürgerlicher Medien sichert.
Die Indizien, die für die Rückkehr der D-Mark sprechen, kann man natürlich als Gerücht abtun. Wahrscheinlich werden in den außerplanmäßig erneuerten Maschinenparks der Bundesdruckereien Leipzig und Berlin keine Banknoten, sondern Scherzartikel für Silvester gedruckt. Und das Spezialpapier für Geldscheine, das mit irrem Tempo und in großen Mengen in einem sächsischen Werk hergestellt wird? Das fressen die Kühe, denn es macht die Milch fetter.
Erinnern wir uns noch, warum es den Euro überhaupt gibt? Er wurde erfunden, um dem deutschen Kapital extraordinäre Verwertungsbedingungen auf dem amerikanischen und asiatischen Markt und in den »neuen« Euroländern Osteuropas zu erobern. Er »verlangte« gleichwertige Bedingungen in den Mitgliedsländern, nämlich Absenkung der Sozialstandards und das Verschwinden von Arbeitnehmerrechten. Und er ist die Währung des Eurorassismus – Abschottung vor den Armen aus allen Richtungen. Das war Helmut Kohls Drei-Punkte-Plan, und der ist aufgegangen. Nur dumm, dass die Spanier, Portugiesen und Griechen bei Lohndumping und Rentenklau nicht freudig genug mitgezogen haben. Jetzt sitzen sie in der Tinte und weichen unseren schönen Euro auf.
Vorige Woche hat die »Berliner Zeitung« gesagt, wo jetzt der Hammer hängt: »Es geht in Europa nicht mehr um Krieg und Frieden, sondern um Bimbes, wie das Helmut Kohl nannte. Man darf das getrost als Fortschritt verbuchen.« Buchenswert auch der Fortschritt im Auftreten der Kanzlerin. Zu Hause ist sie kaum fähig, sich in der Bundestags-Kantine zwischen Graupen und Linsen zu entscheiden. Beim EU-Gipfel jedoch drohte sie, mehr gerülpst als gesprochen, mit finanzpolitischem Blitzkrieg.
Auch aus der Griechen-Krise (auch »Spanische Pest« oder »Das Erdbeben von Lissabon« genannt) wird Deutschland gestärkt hervorgehen. Wenn sie sonst nichts kann, die Frau Merkel, Endsieg schaffen ohne Waffen, das kann sie. Vor 20 Jahren riefen nur die Ossis nach der D-Mark, heute sehnt sich nach ihr das ganze Volk. Das lässt dem Angel Flügel wachsen. Die Probleme zu Hause – Steuern, Gesundheit, Unterschichten, Westerwelle – wie weggeblasen! Merkel wird die Kanzlerin der zweiten friedlichen Revolution. Mit der D-Mark gibt sie den Deutschen ihren Frohsinn zurück. Mehr noch: Sie wird uns von den albernen europäischen Kreisverkehren befreien, die inzwischen selbst auf Wanderwegen gelten, und von der lästigen Umstellung auf Sommerzeit.
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