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Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg 01.04.2010 / Wirtschaft

Rendite trotz Krise

Hamburger Hafen AG richtet sich aber auf längerfristige Flaute ein

Der Hamburger Hafen wirft trotz Weltwirtschaftskrise Gewinn ab. Obgleich der Containerumschlag einbrach, erwirtschaftete die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Geschäftsjahr 2009 eine deutlich zweistellige Rendite. Für die Zukunft stellt sich der börsennotierte Konzern auf eine Flaute ein. Neue Strategien sollen dafür sorgen, dass auch in Zukunft Gewinne erwirtschaftet werden.
Containerterminal im Hamburger Hafen – noch stimmt der Pro
Containerterminal im Hamburger Hafen – noch stimmt der Profit.

Auf ihrer gestrigen Bilanzpressekonferenz funkte die HHLA eigentlich SOS: Die Zahl der angelandeten Container nahm im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent ab, der Umsatz sank um 25,3 Prozent auf 990,7 Millionen Euro – und eine wesentliche Besserung scheint zumindest für 2010 nicht in Sicht zu sein. Dennoch freute sich Vorstandssprecher Klaus-Dieter Peters über »die sehr gute Rentabilität«. Zwar hat auch der Ertrag unter der globalen Konjunkturschwäche gelitten, aber unterm Strich blieb eine zweistellige Rendite übrig. Zum Nutzen des Hauptaktionärs, der Stadt Hamburg. Sie kassiert fast 100 Millionen Euro an Dividende und Steuern.

Zum zweistelligen Gewinn mitten in der tiefsten Weltwirtschaftskrise trugen mehrere Entscheidungen des Vorstands bei, vor allem die schon im vierten Quartal 2008 eingeführte, staatlich bezuschusste Kurzarbeit. Zugleich wurden weit weniger Leiharbeiter vom »Gesamthafenbetrieb« eingesetzt. Wie in anderen großen Häfen auch stellt der Gesamthafenbetrieb den Unternehmen in Spitzenzeiten leistungsfähige Fachleute zur Verfügung. Für Unmut sorgt aber, dass der HHLA-Betriebsrat trotzdem an einigen Kais massig Überstunden zustimmt, heißt es aus der Belegschaft. Außerdem soll es bei einem HHLA-eigenen Dienstleister im Nachbarland Tschechien zu Kündigungen gekommen sein.

Für 2010 macht die HHLA, über die etwa 70 Prozent des Umschlags des Hamburger Hafens läuft, wenig Hoffnung. HHLA-Boss Peters warnt sogar vor einem »Rückschlagsrisiko«. Weder die Weltwirtschaft noch die Schifffahrt seien bereits aus dem Wellental unwiderruflich heraus. Zudem bestehen auf der sogenannten Nordrange, den wichtigen Häfen an der Nordsee zwischen Antwerpen und Hamburg, riesige Überkapazitäten. Über die Nordrange wird der Großteil des europäischen Im- und Exports abgewickelt. Doch Hamburg – in Europa die Nummer drei – könnte schon heute 20 Millionen Containerstandardboxen (TEU) im Jahr abfertigen; tatsächlich dürften es in diesem Jahr kaum mehr als sieben Millionen TEU werden. Obendrein baut Rotterdam vor der niederländischen Küste den Außenhafen »Maasvlakte 2« und der neue Jade-Weser-Port dürfte 2011 in Wilhelmshaven starten.

Als Antwort will der HHLA-Vorstand einen von drei großen Containerterminals in Hamburg stilllegen, in den vor Kurzem noch in erheblichem Umfang investiert worden war. Damit gleichzeitig die Renditen auch in Zukunft stimmen, werden ein neues IT-System eingeführt und noch leistungsfähigere Containerbrücken aufgestellt. Finanziert werden die Investitionen aus den eigenen Erträgen der HHLA.

Gleichzeitig soll das Geschäft des Hafenbetreibers unabhängiger von der Schifffahrt werden. So werden beispielsweise zusammen mit der Bremer Eurokai-Gruppe bahnfreundliche Logistikterminals in Bayern, dem Ruhrgebiet oder Tschechien hochgezogen. Die HHLA richtet sich auf eine längere Flaute im Hamburger Hafen ein.

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