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Von Dieter Klein 06.04.2010 / Inland

Die Linke und das Eigentum

Wie kann die Dominanz des Profits überwunden werden?

Die Partei DIE LINKE hat mit der Debatte um ihr Grundsatzprogramm begonnen, das sie im Herbst 2011 beschließen will. Einen ersten Höhepunkt soll die Diskussion im November dieses Jahres mit einem Programmkonvent erreichen. Neues Deutschland begleitet die Debatte mit einer eigenen Artikelserie. In einer ersten Staffel geben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Rosa-Luxemburg-Stiftung einen Diskussionseinstieg zu sechs »Offenen Fragen«: Der Kapitalismusfrage, der Eigentumsfrage, der Klassenfrage, der Frage des Parlamentarismus und der Regierungsbeteiligung, der Militär- und Sicherheitsfrage und der Frage politischer Kultur. Im Anschluss daran, ab Anfang Mai, geht es quer durch die Themen, auch zu Lücken, die die sechs Fragen hinterlassen – mit eingeladenenen Autorinnen und Autoren und mit freien Wortmeldungen. Professor Dieter Klein, Mitarbeiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, schreibt in der vorliegenden Ausgabe über die Eigentumsfrage.
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Foto: Robert Michel

Ein alternatives Gesellschaftsprojekt fordert der Linken neue eigene Antworten auf die alte Eigentumsfrage ab. Im Entwurf für ein neues Parteiprogramm der LINKEN heißt es dazu: »Wir wollen eine radikale Erneuerung der Demokratie, die sich auch auf wirtschaftliche Entscheidungen erstreckt und sämtliche Eigentumsformen emanzipatorischen, sozialen und ökologischen Maßstäben unterwirft.«

Erneuerung der Demokratie

Eine weitgehende Erneuerung der Demokratie ist die erste Antwort der LINKEN auf die Eigentumsfrage. Nur dies kann alle Formen des Eigentums in einer solidarischen Mehrsektorenwirtschaft nach Maßstäben des Gemeinwohls unterwerfen – wenn auch stärker durchsetzbar bei öffentlichem Eigentum als bei transnationalen Konzernen. Aber Demokratie an sich ist kein ausreichender Maßstab einer funktionsfähigen Wirtschafts- und Eigentumsordnung. Diese muss die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger befriedigen und vor allem die Lage der sozial Schwächeren verbessern. Sie muss ökologisch nachhaltig wirken, hohe Ressourcenproduktivität sichern und innovativ auf neue Herausforderungen reagieren. Das staatssozialistische Eigentum konnte diesen Anforderungen nicht entsprechen. Aber auch das Kapitaleigentum stößt an soziale und ökologische Grenzen. Die kapitalistische Innovationskraft im technologischen Bereich findet keine Entsprechung, wenn es um die großen Menschheitsfragen der Zukunft geht.

Für deren Bewältigung bedarf es internationaler Kooperation, einer gesetzlichen Rahmengebung, gerechter Steuer- und Finanzpolitik, strategischer Struktur- und Forschungspolitik. Dafür ist eine Wirtschaftsdemokratie erforderlich, die den Gewerkschaften und Belegschaften realen Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen sichert. Generell können Runde Tische oder Wirtschafts- und Sozialräte die parlamentarische Struktur auf allen Ebenen ergänzen und Gewerkschaften, Kommunen, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie sozialen und ökologischen Bewegungen Einfluss auf wichtige Wirtschaftsentscheidungen ermöglichen.

Öffentliches Eigentum

Die zweite Antwort der LINKEN auf die Eigentumsfrage ist, dass Gerechtigkeit und Demokratie erheblicher Stärkung des Öffentlichen bedürfen:

Öffentliche Daseinsvorsorge: Dort, wo für jede Bürgerin und jeden Bürger gleiche Teilhabe an Gütern und Leistungen unabhängig von individueller Zahlungsfähigkeit verwirklicht werden soll, versagt das private Kapitaleigentum. Das Kapital flieht seiner innersten Natur gemäß unrentable Sphären. Deshalb zielt die neoliberale Politik im Rahmen des Allgemeinen Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen (GATS) und in der Europäischen Union auf Privatisierungen in Bildung, Gesundheitswesen und insgesamt 155 Teilsektoren von Daseinsvorsorge und Dienstleistungen. DIE LINKE tritt für die Verteidigung und Auswertung der öffentlichen Daseinsvorsorge in Bildung und Gesundheit, Mobilität und Versorgungsinfrastruktur, für Energie, Wasser und Entsorgung und für öffentliches Eigentum in diesen Bereichen ein. Das ist auch in der Wohnungswirtschaft für die Begrenzung des Profitstrebens privater Immobilieneigentümer durch eine soziale Wohnungspolitik unverzichtbar.

Als eine der Bedingungen für Regierungsbeteiligungen der LINKEN wird daher im Programmentwurf die Ablehnung von Privatisierungen genannt. Dis Ablehnung jeglicher Privatisierung ist nach der Interpretation mancher Linker ein kategorischer Imperativ ohne Wenn und Aber. Doch Eigentumspolitik ist nicht Dogmenvollzug. Ein kommunales Grundstück zur Ansiedlung eines kleinen oder mittleren Unternehmens zu verkaufen, um damit dem Ort Beschäftigung und Steuereinnahmen zu sichern, ist keine Privatisierungspolitik. Auch der Verkauf verstreut gelegener kommunaler Wohnhäuser beispielsweise, für deren aufwendige Verwaltung und Sanierung die Gemeinde die Mittel nicht hat, kann sinnvoll sein. An wichtigen Aufgaben der Daseinsvorsorge werden auch künftig Privatunternehmen beteiligt sein. Der Staat hat dann ihre Leistungen zu sozial und ökologisch akzeptablen Bedingungen zu gewährleisten.

Finanzsektor: Das spektakuläre, verlustreiche und auch für die breite Öffentlichkeit unübersehbare Versagen der großen Finanzakteure in der jüngsten Krise hat die Vergesellschaftung von Großbanken als Gebot der Erfahrung und Vernunft deutlich erkennbar gemacht.

Energiewirtschaft: Das Versagen der Energiekonzerne zeichnet sich nicht so abrupt wie das der Banken in der Finanzkrise ab, wohl aber umso gefährlicher in der Bedrohung der Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen durch ihre fossilistisch-atomare Energie- und Klimapolitik. Es fordert auch in der Energiewirtschaft gesellschaftliches Eigentum insbesondere an den Netzen heraus.

Bundesweite Netze der Stromversorgung, der Telekommunikation, des Eisenbahnverkehrs und anderer Dienste bilden natürliche Monopole. In privater Hand tendiert solches Monopol zu Preiswucher und Vernachlässigung von Wartung und Instandhaltung mit negativen Langzeitfolgen. Netzgebundene Dienstleistungen sollten daher in öffentlicher Hand bleiben oder in öffentliches Eigentum überführt werden. Netze dürfen nicht genutzt werden, um den allgemeinen Zugang zu Wissen und Information zu beschränken.

Sicher wird die Überwindung der Dominanz des Profits in der Gesellschaft öffentliches Eigentum in weiteren Sphären erfordern. Nicht überall etwa und nicht aus Gründen einer DDR-Nostalgie, sonden als Erfordernis der Gerechtigkeit und ökonomischer, sozialer und ökologischer Rationalität. Es sind die gegenwärtigen Eigentumsverhältnisse, von denen das Investment-Serviceunternehmen Merrill Lynch und der Management-Dienstleiter Capgemini in ihrem 13. Weltreichtumsbericht erwarten, dass die derzeit 8,6 Millionen Multi-Millionäre ihren Reichtum von 32,8 Billionen US-Dollar im Jahr 2008 auf 48,5 Billionen im Jahr 2013 steigern werden. Deutschland liegt auf dem dritten Platz nach der Zahl seiner Milliardäre – und nach dem Umfang seiner Rüstungsexporte. 2,5 Millionen Kinder leben in der Bundesrepublik in Armutsverhältnissen. Die Bundesregierung bereitet im Gesundheitswesen die Einführung einer gleichen Pro-Kopf-Pauschale für alle vor, für Millionäre wie für Niedrigverdienende – bei voraussehbar niedrigem Sozialausgleich. Weltweit ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2009 auf über eine Milliarde gestiegen. Im Programmentwurf heißt es angesichts solcher sozialen Klüfte, dass »strukturbestimmende Großbetriebe« in »demokratische gesellschaftliche Eigentumsformen« überführt werden sollen.

Wie dies jedoch aufzufassen ist, bedarf weiterer Diskussionen. Für eine Strömung in der LINKEN ist demokratischer Sozialismus vor allem eine Eigentumsordnung, bestimmt durch öffentliches Eigentum – und zwar so umfassend wie möglich. Doch die skandalöse Verstrickung von staatlichen Landesbanken in spekulative Finanzgeschäfte mit Milliardenverlusten zu Lasten der SteuerzahlerInnen oder das Herunterwirtschaften der Berliner S-Bahn zugunsten von Profiten der Muttergesellschaft Deutsche Bahn, um den Staatskonzern attraktiv für seine Teilprivatisierung in einem Börsengang zu machen, zeigen deutlich: Allein die Form des Eigentums, ob öffentlich oder privat, entscheidet nicht über die soziale und ökologische Qualität der Entwicklung.

Möglichst viele Großunternehmen in öffentliche Hand zu übernehmen, würde nicht selbstläufig eine sozialökologisch funktionsfähige flexible Wirtschaftsregulierung hervorbringen, ganz abgesehen von dem durch die Kräfteverhältnisse gebotenen Realismus programmatischer Eigentumskonzepte. Deshalb wird im Programmentwurf der Überlegung zur Vergesellschaftung von weiteren Großbetrieben hinzugefügt: »Auf welche Bereiche, Unternehmen und Betriebe sich die demokratische Vergesellschaftung erstrecken und in welchen öffentlichen oder kollektiven Eigentumsformen sie sich vollziehen soll, muss im demokratischen Prozess entschieden werden.«

Einer anderen Strömung in der LINKEN gilt als die erste Leitidee des demokratischen Sozialismus individuelle Freiheit, Entfaltung der Persönlichkeit jeder und jedes Einzelnen durch soziale Gleichheit der Teilhabe an den Grundbedingungen eines selbstbestimmten Lebens in Solidarität mit anderen. Als zweite gleichrangige Leitidee muss die Unterordnung von Wirtschaft und Lebensweisen unter den Erhalt der Natur betrachtet werden – zu verwirklichen durch einen sozial-ökologischen Umbau zu nachhaltiger Entwicklung. Und abgeleitet davon ist zu fragen, welche Eigentumsformen welchen spezifischen gesellschaftlichen Aufgaben am meisten gemäß sind.

Solidarische Mischwirtschaft

Die dritte Antwort der LINKEN auf die Eigentumsfrage lautet im Programmentwurf: »In einer solidarischen Wirtschaftsordnung, wie DIE LINKE sie anstrebt, haben verschiedene Eigentumsformen Platz, staatliche und kommunale, gesellschaftliche und private, genossenschaftliche und andere Formen des Eigentums.«

Sie werden so zu einer Mischwirtschaft zu kombinieren sein, dass sie eine funktionsfähige Regulierung durch das Zusammenwirken von staatlicher Wirtschaftpolitik, zivilgesellschaftlichem Einfluss und Marktmechanismen ermöglichen. Sie sollten 1. auf einem starken Gewicht öffentlichen Eigentums beruhen, 2. auf privatem Eigentum unter strikter Wettbewerbskontrolle, 3. auf wirksamen Mitbestimmungsrechten, auf Belegschaftseigentum, das in überbetriebliche Gemeinwohlinteressen eingebunden werden muss, auf Genossenschaftseigentum und 4. auf demokratischer sozialökologischer Rahmengebung für alle Eigentumsformen und strategischer Strukturpolitik des Staates.

Transformatorischer Prozess

Doch der Herausbildung einer sozialökologischen Mischwirtschaft unter demokratischer Kontrolle stehen die realen Machtverhältnisse entgegen. Wahrscheinlich wird ein Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen selbst in wenigen zentralen Bereichen der Wirtschaft kaum als ein einziger großer Akt vor sich gehen – auch wenn »jähe Wendungen« nicht auszuschließen sind. Viel eher ist dieser Bruch als ein längerer transformatorischer Prozess vorstellbar, in dem Schritt für Schritt die Verfügung destruktiv handelnder kapitalistischer Großeigentümer über ihr Eigentum derart eingeengt und umgelenkt wird, dass dies zu einer Veränderung des Eigentums selbst führt. Wie dies geschieht, wird in den vor uns liegenden außerparlamentarischen, parlamentarischen und betrieblichen Kämpfen entschieden.

Die Verfügung über Eigentum wird sich durch das Zusammenwirken vieler Faktoren verändern: durch wachsende Gewerkschaftsmacht und erweiterte Mitbestimmung; durch die Verwandlung von staatlichen Hilfen für Unternehmen in Staatsanteile am Betriebsvermögen und öffentlichen Einfluss; durch Sozial- und Umweltgesetze, die die Profitdominanz zurückdrängen; durch Gebote und Verbote; durch öffentliche Finanzaufsicht und -kontrolle; durch Institutionen staatlicher Energiepolitik; durch staatliche Sanktionen bei Missbrauch; durch die Re-Kommunalisierung von privatisierten Kommunalunternehmen und nicht zuletzt durch die Verstaatlichung beispielsweise von Großbanken – wie in den USA und Großbritannien in jüngster Zeit bereits geschehen –, die allerdings nur ein Ausgangspunkt wirklicher Vergesellschaftung ist.

Selbst die Ausweitung von öffentlichem Eigentum ist aber nicht die ganze Lösung. Zur realen Vergesellschaftung von Eigentum gehört, die Wirtschaftstätigkeit von Unternehmen tatsächlich am Gemeinwohl zu orientieren, eine neue Balance von ökologischen Standards, betriebswirtschaftlicher Effizienz, guter Arbeit für die Belegschaft, Geschlechtergerechtigkeit, betrieblicher Mitbestimmung sowie Interessen der Kommunen oder Regionen zu finden sowie Transparenz und öffentliche Kontrolle herzustellen.

Für den notwendigen Wandel der Eigentumsverhältnisse gilt also wie insgesamt für den Übergang zu einem alternativen Gesellschaftsprojekt einer solidarischen Gesellschaft oder des demokratischen Sozialismus, dass dieser Wandel als ein voraussichtlich langer transformatorischer Prozess vieler kleiner und größerer Schritte und Brüche zu erwarten ist. DIE LINKE wird in möglichst breiten Allianzen dafür kämpfen, in eine solche sozialökologische Reformalternative zunehmend Elemente des demokratischen Sozialismus hineinzuholen, um sie für die Überwindung des Kapitalismus zu öffnen. Die große Transformation des 21. Jahrhunderts wird nach dieser Erwartung Reformen im Kapitalismus mit weiterreichenden Brüchen von revolutionärer Tiefe verbinden, die zu einer solidarischen Gesellschaft, zu einem demokratischen Sozialismus führen.

Nächster Montag:

Christina Kaindl – Die Klassenfrage

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Offene Fragen der Linken

    Der erste Entwurf eines Grundsatzprogramms der Partei DIE LINKE liegt seit vergangener Woche vor. Die nun begonnene Diskussion wird im November mit einem Programmkonvent ihren ersten Höhepunkt haben, eine Beschlussfassung des LINKEN-Programms ist für Herbst 2011 geplant.

    Neues Deutschland begleitet diese Debatte – in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung – mit einer eigenen Artikelserie. Sie erscheint jeweils in der Montagausgabe des ND.

    Nun ist angerichtet für eine streitfreudige Diskussion quer durch die Themen – auch zu Lücken, die die bisherigen Texte hinterlassen: in den kommenden Ausgaben des ND, jeweils montags, mit weiteren eingeladenen Autorinnen und Autoren und mit freien Wortmeldungen. Mehr

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6 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Ravenbird, 08. Okt 2010 10:09

    Gedanken zum Thema Eigentum

    Ich bin auch wenn ich mich ein gutes Stück links der SPD sehe für privates Eigentum. Sowohl was das eigene Haus als auch das private Eigentum am Produktivpotential betrifft. Allerdings muss der Staat dahingehend Regeln, Kontrollinstrumente und auch Eingreifmöglichkeiten schaffen, dass Eigentum so zu kontrollieren das es der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt.

    Für mich bedeutet das das der Staat dafür sorgen muss das jeder die Möglichkeit hat eine Wohnung zu haben - Und ich rede von Wohnung und nicht von Dreckloch - das er sich mit seinen Gehalt auch gut leisten kann. Für mich bedeutet das auch das der Staat sich entsprechende Möglichkeiten schafft auf dem Wohnungsmarkt direkt einzugreifen. Dazu braucht es neben staatlichen bzw. besser kommunalen Wohnungen auch weitere staatlicher Einflußmöglichkeiten.

    Was das Eigentum an Produktionsmitteln betrifft habe ich kein Problem mit privaten Eigentum. Jedoch muss auch hier weiterhin gelten 'Eigentum verpflichtet'. Und der Staat muss das kontrollieren und gegebenenfalls auch eingreifen können. Wohin eine solch fehlende Kontrolle führt sehen wir z. B. bei der HRE und anderen Banken. Dort haben sich zwar Immense Werte angesammelt und es wurde hoch riskant spekuliert bis zum umfallen, aber der Staat hat erst eingegriffen als es zu spät war.

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  • williuebelherr, 12. Apr 2010 18:46

    wie wollen wir leben

    in dem text von dieter klein wird alles dem bestehenden ordnungswahn unterworfen und so ist auch kein platz für perspektiven, wie es hh. schon angedeutet hat. schon die darlegung des methodenvorrats zum transformatorischen prozess zeigt seine fixierung auf die vorgegebenen pfade.

    nur mit der anwendung von begrifflichkeiten ist es eben nicht getan, wenn dann doch unter der hand die bestehenden grundlagen erhalten werden sollen. sich im von außen bestimmten käfig auf die innere optimierung zu konzentrieren, hat wenig mit den grundfragen unserer menschlichen gemeinschaften zu tun.

    entlang der diskussion um den programmentwurf müssen wir uns die frage stellen, wie wollen wir leben und welche umgebungen wollen wir unseren kindern und enkeln übergeben. das hat etwas mit den grundbedingungen menschlicher existenz zu tun, die für die einzelnen immer mit konkurrenz und verwertbarkeit erlebt wird.

    nur sind tatsächlich ausschließlich die natur und unsere tätigkeiten die säulen unserer lebensgrundlagen. der überbau, entwickelt aus den letzten 2000 jahren elitär-repräsentativer konstruktionen, hat sich nicht wesentlich verändert, nur unterschiedliche ausdrucksformen angenommen.

    privateigentum an erdfläche ist völliger unsinn, weil wir an der erschaffung der erde nicht beteiligt waren. privateigentum an wissen ist ebenfalls unsinn, weil keine person ohne konsumtion gesellschaftlicher und historischer tätigkeiten zu irgend einem vernünftigen ergebnis käme. privateigentum an den ergebnissen der tätigkeit vieler ist ebenso völliger unsinn. es reduziert sich also auf das enge persönliche umfeld, das jede person frei gestalten kann.

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  • williuebelherr, 12. Apr 2010 18:45

    wie wollen wir leben

    teil 2

    eine politische bewegung kann auf der grundlage des denkens von dieter klein nichts bewirken, außer sich selbst zu fesseln. unsere aufgabe ist es, die menschen dazu zu ermuntern, über die sinnhaftigkeit bestehender strukturen nachzudenken, die eigentlich nur nutzlosen aufwand produzieren.

    vordergründig stellt sich doch die eigentumsfrage nicht, weil sie ergebnis konstruktiver instanzen ist, die jederzeit anders gestaltet werden können, wenn die menschen dies wollen. vielmehr steht die frage im mittelpunkt, brauchen wir überhaupt den ganzen bürokratischen firlefanz, um unsere lebensformen entwickeln zu können.

    es steht uns jederzeit frei, alle entscheidungen demokratischer beschlussfassung zu unterwerfen. damit rücken unsere vorstellungen ins zentrum, wie wir eine vernünftige, auf rationalen grundlagen beruhende gesellschaft gestalten wollen. und die kriterien sind mit sicherheit diejenigen, die den gesamtaufwand für jeden einzelnen minimieren.

    die unterwerfung unter finanzsysteme ist nicht zwingend, ebenso nicht die unterwerfung unter bürokratische monsterinstanzen. der aufwand für militärische verbände und deren ausrüstung ist über unsere lebensfragen nicht begründbar. der tausch von tätigkeiten, direkt oder indirekt, muss nicht zwingend über spekulative wertzuordnung geschehen.

    insofern ist die loslösung von allen existierenden konstruktionen die erste vorraussetzung, um über die zukunft zu sprechen. übrig bleiben die tatsächlichen notwendigkeiten, die sich aus unserer existenzform ergeben.

    durch die fragmentierung der fragen, wie sie die redaktion vollzog, ist die diskussion um den programmentwurf eher blockiert als befördert. hier werden nebenfragen zu hauptfragen stilisiert und die eigentlichen, aus dem leben gegriffenen anforderungen, in den hintergrund gedrängt.

    mit lieben grüßen, willi übelherr

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  • miwendl, 07. Apr 2010 17:18

    Der öffentliche Sektor muss reformiert werden

    Die begründete Kritik an der Privatsierung öffentlichen Eigentums hat eine Schwachstelle. Innerhalb der LINKEN exisitiert ein völlig unzureichendes Problembewusstsein über die Steuerung und die demokratische Kontrolle des Bereichs der öffentlichen Wirtschaft, aber auch der öffentlichen Hoheitsverwaltung. Oft agieren öffentliche Unternehmen im Wettbewerb mit privaten Unternehmen nicht anders als private Unternehmen (Energiewirtschaft, Nahverkehr, Krankenhäuser). Aber auch dort, wo es keinen Wettbewerb mit privaten Unternehmen gibt (also im Bereich der Hoheitsverwaltung) erfolgt innerhalb des öffentlichen Dienstes eine strikte Orientierung an den betriebswirtschaftlichen Regeln der kapitalistischen Wirtschaft (Stichwort: Neues Steuerungsmodell). Die Linke argumentiert mit den Begriffen öffentlich und privat als handele es sich um Begriffe aus der Morallehre politischen Handelns. Sie müsste aber zunächst materialistisch analysieren, was unter diesen moralisch überhöhten Begriffen tatsächlich abläuft. Erst dann kommen wir zu einer sinnvollen Abgrenzung des Verhältnisses von öffentlich und privat. Die politische Linke in Westdeutschland ist Ende der 1970er Jahre auch gescheitert, weil sie ein zu unkritisches Verhältnis zum öffentlichen Sektor hatte. Das hing auch damit zusammen, dass in Folge einer unkritischen Interpretation der Marxschen Theorie davon ausgegangen wurde, dass sich bereits im Kapitalismus die materiellen Bedingungen einer sozialistischen Gesellschaft entwickeln würden. Das hat eine wenig kritische Sicht auf den kapitalistischen Staat und seine Unternehmen befördert. Heute wissen wir in diesen Fragen mehr. Deshalb unterstütze ich den Beitrag von Dieter Klein ausdrücklich.
    Michael Wendl

    • Permalink

    • hh, 07. Apr 2010 18:01

      Re: Der öffentliche Sektor muss reformiert werden

      Teile Ihre Kritik an einer moralistisch aufgeladenen Unterscheidung von "privatem" und "öffentlichem Eigentum" bei der die konkreten Behauptungsbedingungen außer Acht gelassen werden. Behördliches aber auch "Öffentlich Rechtliches" wie die soziale Kontrolle von Funk und Fernsehen gehören auf dem Prüfstand - und zwar in einer Perspektive permanenter Dialog- und Beteiligungsprozesse in Richtung einer "nachhaltigen Entwicklung". Die Ursachen dafür liegen aber gewiss nicht im Anerkennen der marx/engelschen Erkenntnis, dass die neue Gesellschaft sich im Schoß der alten entwickeln muss. Das muss man schon sehr (sehr!) weitgehend missverstehen um kapitalistische Staaten zu Keimformen des Sozialismus zu machen. Zu achten ist allerdings auf Prozesse, in denen sich "die Gesellschaft" die Kompetenz zur (ökologisch reflektierten) Bestimmung der Entwicklung und Anwendung ihrer Produktivkräfte aneignet.

      Gruß hh

      • Permalink

  • hh, 07. Apr 2010 17:02

    Dem Gemeinwohl unterwerfen?

    Die hier formulierte Perspektive einer Unterwerfung unterschiedlicher "Eigentumsformen" unter "Maßstäben des Gemeinwohls" zeigt, wie sehr die Debatte noch Ausdruck von Entfremdung (zu den wesentlichen Gestaltungsbedingungen) ist - und wie weit weg von einer selbstbewussten Sozialismus-Diskussion. Vor der erwarte ich, dass Wege zur Überwindung sozialer Ohnmacht gegenüber den desaströsen Wirkungen und Antrieben des Weltwirtschaftens im Vordergrund stehen. Ich will keine "Wirtschafts- und Eigentumsordnung, die die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger befriedigen und vor allem die Lage der sozial Schwächeren verbessern muss". Ich will Befreiung! Mehr Möglichkeiten, gemeinsam (!) (d.h. auch weltweit) soziale Stärke zu entwickeln. Kein paternalistisches System der "Bedürnisbefriedigung" sondern die Möglichkeit, (und auch Notwendigkeit) Bedürfnisse gemeinsam (also auch weltweit) zu hinterfragen, gegebenenfalls neu zu bestimmen und mit Möglichkeiten zu ihrer ökologisch nachhaltigen Erfüllung abzustimmen. Ich will - ganz und gar fröhlich - mehr (Öko-)Sozialismus wagen ;-).

    Gruß hh

    • Permalink

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