Paolo Guerrero gab sich reumütig: »Ich möchte mich zuerst bei der Person entschuldigen, die ich mit der Flasche getroffen habe. Es ist total schlecht, was ich gemacht habe, ich weiß, dass ich damit kein Vorbild für die Jugend bin«, sagte er. Der 26-jährige Fußballer vom Hamburger SV hatte am Sonntag einem Fan, der ihn beschimpft hatte, eine Trinkflasche an den Kopf geworfen. Sein Verein hat den Torjäger für die Torheit hart bestraft – mit einer Geldstrafe im »hohen fünfstelligen Eurobereich«. Der von manchen geforderte Rauswurf blieb aus: weil Guerrero sich in vier HSV-Jahren nie auffällig verhalten und somit eine zweite Chance verdient habe. Allerdings ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung
Im September 2002 war der in Lima geborene José Paolo Guerrero Gonzales von Alianza Lima zum FC Bayern gekommen. Als Torschützenkönig in der Regionalliga Süd 2004 empfahl er sich bei den Bayern-Amateuren schon bald für höhere Aufgaben. Der Durchbruch gelang ihm aber erst nach seinem Wechsel zwei Jahre später in Hamburg. Für die Norddeutschen erzielte er schon 39 Tore und wurde peruanischer Nationalspieler.
Er schien angekommen zu sein, doch der Erfolg stieg ihm zu Kopf. Im Juni 2008 beschimpfte er im Länderspiel gegen Uruguay den Schiedsrichter und wurde für sechs Spiele gesperrt. Kaum durfte er wieder für seine Nationalelf auflaufen, drohte er Fans Prügel an.
Nach einem überragenden Saisonstart im Sommer 2009 mit sechs Toren für den HSV verärgerte er seinen Arbeitgeber mit der Forderung nach Gehaltsverdopplung. Kurz darauf riss ihm das Kreuzband. Er flog nach Peru und blieb monatelang weg – wegen Flugangst. In dieser Zeit verpflichtete der HSV den Weltklassestürmer Ruud van Nistelrooy, der auf Anhieb Publikumsliebling wurde.
Am Sonntag kämpfte Guerrero nach sieben Monaten Pause nicht nur gegen Hannovers Abwehr, sondern auch um einen Stammplatz, um die Zuneigung der Fans und um einen neuen Vertrag. Eine zu große Aufgabe scheinbar. »Ein Fan würde zwei Jahre Stadionverbot bekommen«, sagt Ralf Bednarek, oberster HSV-Fan, zu Guerreros Flaschenwurf. Entschuldigung und Geldstrafe sind jedenfalls zu wenig.
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