Die ersten Saurier lebten vor rund 235 Millionen Jahren auf dem Kontinent Laurasia. Diese gewaltige Landmasse, die den nördlichen Teil des einstigen Urkontinents Pangäa bildete, bestand aus den heutigen Kontinenten Europa, Asien und Nordamerika. Von hier aus traten die imposanten Reptilien ihren Siegeszug um die Welt an, der erst endete, als die Erde vor 65 Millionen Jahren von einem etwa 15 Kilometer großen Meteoriten getroffen wurde.
So lautet, kurz gesagt, die gängige Lehrmeinung über die Herkunft der Saurier, die von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg jetzt zumindest in einem Punkt angezweifelt wird. Denn das Team um den Paläontologen Jörg Schneider entdeckte in Marokko Spuren von Ursauriern, die deutlich älter sind als alle bislang freigelegten Spuren dieser Art.
Im Februar hatten die Freiberger Forscher gemeinsam mit marokkanischen Kollegen im Hohen Atlas verschiedene Grabungen durchgeführt. Die Saurierspuren, die sie dabei fanden, stammen zum Teil von Arten, von denen zuvor noch nie eine Fährte entdeckt worden war. Insgesamt sind Schneider und seine Kollegen auf über 500 versteinerte Abdrücke und 60 Saurierspuren gestoßen. Wie eine darauf basierende Rekonstruktion ergab, waren die Ursaurier etwa 30 Zentimeter groß und lebten in Höhlen, die man in ähnlicher Form nur an zwei Orten weltweit findet. In Marokko hingegen stießen die Forscher gleich auf Dutzende solcher Höhlengänge, die nur wenige Meter voneinander entfernt liegen.
Die neuen Funde nähren die Vermutung, dass die Ursaurier, die Vorfahren der berühmten Dinosaurier, vor rund 230 Millionen Jahren in Nordafrika lebten. Ihre ursprüngliche Heimat war demnach nicht Laurasia, sondern Gondwana, der südliche Teil des Superkontinents Pangäa, der damals noch sämtliche Kontinente umfasste. So blieb den Dinosauriern genug Zeit, sich über den gesamten Globus auszubreiten. Denn erst vor rund 150 Millionen Jahren brach Pangäa auseinander, und Laurasia und Gondwana trennten sich voneinander.
Fast 170 Millionen Jahre dominierten die Dinosaurier das irdische Leben. Dann starben sie relativ rasch aus. Die meisten Wissenschaftler machen dafür einen Meteoriten verantwortlich, der beim Einschlag so viel Staub und Ruß aufwirbelte, dass auf der Erde jahrelang nicht die Sonne schien und kaum noch etwas wuchs. Folglich gab es kein Futter für Pflanzenfresser, von denen sich wiederum Fleischfresser wie die Dinosaurier ernährten.
Die alternative Erklärung, wonach das Sauriersterben durch verstärkte vulkanische Aktivitäten ausgelöst worden sei, darf nach einer jüngst veröffentlichten Studie als widerlegt gelten. Denn bei einem stetigen Anstieg des Vulkanismus, heißt es dort, hätte das Verschwinden der Dinosaurier erheblich länger gedauert als die fossilen Daten nahe legen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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