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Von Ulf Buschmann 09.04.2010 / Inland

Krieg vor der Tür

Heute Trauerfeier für die in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten

Im niedersächsischen Selsingen findet heute die Trauerfeier für die in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten statt – mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Elke Twesten machte am vergangenen Wochenende einen sichtlich niedergeschlagenen Eindruck. Kein Wunder, die niedersächsische Landtagsabgeordnete der Grünen sah sich unvermittelt mit einem bewaffneten Konflikt konfrontiert – nämlich dem in Afghanistan, bei dem am Karfreitag drei Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 getötet wurden. Hauptfeldwebel Niels B., der Stabsgefreite Robert H. und der Hauptgefreite Martin A. waren in Seedorf bei Zeven im Landkreis Rotenburg/Wümme stationiert. Vor diesem Hintergrund wird die Region für einige Stunden zum Mittelpunkt der großen Politik. Denn heute findet in der St. Lamberti-Kirche im Nachbarort Selsingen die offizielle Trauerfeier statt.

Dazu hat sich nicht nur Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt. Sie ließ über Regierungssprecher Christoph Steegmann verlauten, dass die Teilnahme ihr ein »persönliches Anliegen« sei. Damit reiht sich die Kanzlerin in die lange Reihe derer ein, die den Angehörigen in den vergangenen Tagen ihr Mitgefühl bekundet hatten.

Dass die Trauerfeier ausgerechnet in dem kleinen Ort zwischen Hamburg und Bremen stattfindet, hat einen Grund: Einer der getöteten Soldaten lebte dort. Kein Wunder also, dass die Menschen umso schockierter sind. »Er ist einer von uns gewesen«, sagt ein Passant auf der Hauptstraße. Natürlich habe er sich in das in der St. Lamberti-Kirche ausliegende Kondolenzbuch eingetragen. Nicht nur in Selsingen selbst sitzt der Schock tief. In den vergangenen Tagen scheint es im gesamten Landkreis Rotenburg kaum noch ein anderes Thema zu geben.

Seit Jahrzehnten lebt der Landkreis mit dem Militär. Seine Strukturen sind nachhaltig von der Präsenz der Bundeswehr geprägt worden. Doch dass der Krieg »so unvermittelt vor der eigenen Haustür ist«, wie die Grüne Twesten sagt, hat wohl keiner erwartet. Ein junges Pärchen in der Rotenburger Innenstadt hält auf Befragen der Lokaljournalisten nachdenklich inne. »An die Toten werden wir uns wohl gewöhnen müssen«, ist die Frau überzeugt.

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