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Bald ein Park: Das Areal Tempelhof aus der Luft
Foto: ND/Wolfgang Frotscher
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Ab dem 8. Mai um 10 Uhr können die Berliner eine neue Parkanlage in ihrer Stadt nutzen. Mit Sport-, Tanz- und Musikveranstaltungen soll dann das Flugfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof eröffnet werden. Das zweitägige Fest startet mit dem »IGA-Lauf«, einem Wettlauf der Internationalen Gartenbauausstellung, die 2017 hier stattfinden wird. Zu den Feierlichkeiten werden bis zu 200 000 Besucher erwartet.
Die Eröffnung werde unter dem Motto »Bewegungsfreiheit« stattfinden, erklärte am gestrigen Donnerstag Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). »Die Berliner können nun erstmals seit 100 Jahren wieder auf diese Fläche«, sagte sie. Nach der feierlichen Eröffnung wird der neue Tempelhofer Park täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für alle Besucher geöffnet sein.
Die Parkanlage südlich vom Stadtzentrum ist über 300 Hektar groß. Sie besteht aber bislang hauptsächlich aus Wiesen und den früheren Pisten. Mit der Gestaltung des Areals hat der Senat die Adlershof Projekt GmbH beauftragt. Auf seiner Website kündigt das Unternehmen an, das Areal »durch Vernetzung und Öffnung zu einem integrierten Teil der gesamten Stadt und der umliegenden Quartiere« zu machen. Bis zur Internationalen Gartenbauausstellung 2017 sollen hier etwa 60 Millionen Euro investiert werden.
Nicht alle Berliner sind mit diesen Planungen glücklich. In den vergangenen Monaten entstanden Initiativen und Aktionsbündnisse, die ihre eigenen Vorstellungen zur Nutzung des ehemaligen Flugfeldes durchsetzen wollen. Eines von ihnen ist das Bündnis Be-4-Tempelhof. Ziel des Aktionsbündnisses ist, dass das geschichtsträchtige Flughafengebäude und das Flugfeld zusammen als Denkmal geschützt und für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen wird. Dafür hat die Initiative ein Volksbegehren ins Leben gerufen, das noch nicht abgeschlossen ist.
Seine Ziele sah das Bündnis in den Vorbereitungsarbeiten zur Eröffnung der neuen Parkanlage gefährdet und klagte beim Berliner Verwaltungsgericht mit Bezug auf den Denkmalschutz gegen den Abbau flugtechnischer Anlagen. Doch Ende März lehnte das Verwaltungsgericht den Eilantrag des Bündnisses ab, da das Flughafengelände und die dortigen technischen Anlagen im Gegensatz zum Gebäude nicht vom Denkmalschutz erfasst wären.
Be-4-Tempelhof will nicht die Öffnung des Geländes verhindern, setzt sich aber gegen dessen Bebauung ein. Bei der Eröffnungsfeier wird das Bündnis an einem Stand für seine Anliegen und das Volksbegehren werben.
Doch nicht immer werden die Konflikte um Tempelhof so friedlich ausgetragen. Im Juni vergangenen Jahres wurde eine versuchte Besetzung des Geländes durch linke Aktivisten von einem massiven Polizeiaufgebot verhindert. Die Demonstranten wollten durch ihre Besetzung eine schnelle Öffnung des Flugfeldes für die Bevölkerung erzwingen und ein Zeichen gegen die befürchtete kommerzielle Nutzung des im Oktober 2008 geschlossenen Flughafens setzen.
Auch zur Eröffnungsfeier sind Proteste geplant. Die Initiative »Reclaim Tempelhof« will das »Tempelhofer Feld zurückerobern«. Denn hier entstünde ein Hochsicherheitspark mit Wachschutz und nächtlicher Schließung umringt von Sicherheitszaun. Die Aktivisten kritisieren, dass bei der Gestaltung des neuen Parks die Anwohner nicht einbezogen worden wären. Abgeschottet würde der Park dem Flächennutzungsplan zufolge von Eigentumswohnungen. »Reclaim Tempelhof« befürchtet eine Aufwertung des Stadtteils, im Soziologen-Jargon als »Gentrifizierung« bekannt. Dies bedeutet steigende Mieten und eine Verdrängung ärmerer Gesellschaftsschichten.
Am 8. Mai wird die Initiative ein Alternativprogramm unter dem Motto »Reclaim Tempelhof! Nehmen wir uns die Stadt zurück?!« organisieren. Dabei wollen sich die Teilnehmer auf dem ehemaligen Flugfeld »Bewegungsfreiheit« verschaffen. »Wir werden das Gelände nicht freiwillig zu einer vorgegebenen Zeit verlassen«, heißt es in einer Pressemitteilung.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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