Jobbik – auf Deutsch sowohl die Rechteren als auch die Besseren – lag noch vor zwei Jahren an der Einprozentmarke. Da entdeckte die Gruppierung, angesichts der Beherrschung der Medien durch die Großparteien, die alternative Welt des Internets. Das war das richtige Organ, denn auch unter jenen Subkulturen, auf die sich Jobbik von vornherein am meisten bezog, ist die Internet-Nutzung stark verbreitet, eben weil sie, stilistisch passend ausgedrückt, »auf den Mainstream scheißen«. Diese Subkulturen sind sehr vielfältig, nur die Linken fehlen dabei fast gänzlich. Ihre »Ideologie« erstreckt sich von absoluter Antipolitik bis zum Nazi-Gedankengut.
In dieser Welt wird eine Sprache gesprochen, die der Durchschnittsbürger kaum mehr versteht. Lobpreisung der Nazizeit verbindet sich mit Leugnung des Holocaust. Altungarische Schamanenreligionen werden ebenso beworben wie neuchristliche Sekten. Eigene Volkshochschulen geben Unterricht in der Spiritualitätskunde der Heiligen Ungarischen Krone und in den Praktiken alltäglicher Lebensführung. Einkaufen soll der Jobbikanhänger nur in Ladenketten, die ausschließlich ungarische Erzeugnisse führen, und hören soll er nur Rockmusik, natürlich ungarische. In Budapest gibt es sogar ein der nationalen Weltanschauung verpflichtetes Taxiunternehmen.
So gesehen ist Jobbik nicht nur eine extreme Antwort auf Krisenerscheinungen der Gesellschaft, sondern eine in Parteiform gegossene Gegenkultur. Jobbik und die Subkulturen stärken einander. Einerseits lehnen beide das herrschende System ab, anderseits rekrutiert Jobbik Unterstützer aus diesen Kulturen und verhilft ihnen zu politischer Sichtbarkeit. Jobbik ist die einzige Formation in Ungarns Parteienlandschaft, die wahre Volksnähe sucht und findet und in Interaktion mit dem sogenannten kleinen Mann der Straße bzw. des virtuellen Netzes steht. G.K.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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