Die Skandale um die Treberhilfe sowie um den Frauennothilfe-Verein Hatun & Can werfen dunkle Schatten. Soziale Unternehmen und Vereine spüren wachsendes Misstrauen unter den Spendern. Beispielsweise die Berliner Tafel teilt mit, dass in ihrer gemeinsam mit Kirchen und rbb durchgeführten Osteraktion »Eins mehr!«, bei der Lebensmittel gespendet werden, das Spendenergebnis im Gegensatz zu 2009 um etwa ein Viertel zurückging. Viele Spenden wurden mit dem Verweis auf die Machenschaften der Treberhilfe zurückgewiesen. »Darunter leidet dann auch die Motivation unserer Ehrenamtlichen«, beklagt die Tafel.
Auch »mob – obdachlose machen mobil e.V.« gibt bekannt, dass Verkäufer der Straßenzeitungen »strassenfeger« oder »motz« in einigen Fällen mit der Begründung »wir zahlen doch nicht die Dienstwagen eurer Chefs« abgewiesen werden. Der Verein beteuert, im Gegensatz zur Treberhilfe, über gar keinen Dienstwagen zu verfügen, sondern alle Wege mit dem Fahrrad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen.
Beschimpfungen und Spendeneinbrüche konnten aber nicht alle Obdachlosenhilfe-Vereine bestätigen. Andrea Kuper von der Berliner Stadtmission erklärt, dass die Aktion »Kältehilfe« für den Kältebus am 31. März ohne Spendenrückgang abgeschlossen wurde. »Wir pflegen einen engen Kontakt zu unseren Spendern. Jeder soll nachvollziehen können, was mit seinem Geld passiert. Einrichtungen wie die Bahnhofsmission sind deshalb für alle Besucher zugänglich.«
Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin bewertet die Skandale der vergangenen Wochen als Einzelfälle. Bei der Treberhilfe hätten Kontrollen versagt. Doch »kaum ein Bereich in unserer Gesellschaft ist so reglementiert und kontrolliert wie die Erbringung sozialer Hilfeleistungen durch freie Träger«, heißt es auf der Website des Dachverbandes. Der wichtigste Punkt sei, dass Organisationen ihre Gewinne möglichst schnell für die soziale Arbeit reinvestieren müssen. Der Verband habe bisher von keiner seiner 650 Mitgliedsorganisationen gehört, dass Spenden wegen der Affären massiv zurückgingen.
Ein Spendeneinbruch bei sozialen Vereinen und Unternehmen kann also bisher nicht bilanziert werden. Aber die Angst davor ist groß. Grit Grossmann, Sprecherin der Obdachlosenhilfe »Die Brücke e.V.«, befürchtet, dass das Fehlverhalten des Ex-Chefs der Treberhilfe, Harald Ehlert, »die gute Arbeit der Treberhilfe und der gesamten Berliner Obdachlosenhilfe in Misskredit bringen kann«.
Laut Medienberichten soll Ehlert durch sein exorbitantes Monatsgehalt und auf Kosten der Treberhilfe ein Luxusleben geführt haben. Maserati und mondäne Villa inklusive. Er hatte sich selbst als Sozialunternehmer gesehen, dem die Hälfte der Gewinne zustünde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn unter anderem wegen des Verdachts der Untreue.
Um solche Fälle zu verhindern, wird der Senat künftig den Organisationen schärfere Kontrollen und Transparenzverpflichtungen auferlegen. Die genauen Maßnahmen sollen mit Wohlfahrtsverbänden und Transparency International ausgearbeitet werden. Berlins Sozialsenatorin Carola Bluhm (LINKE) und Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) haben einen »Ehrenkodex« für soziale Unternehmen vorgeschlagen. Demnach soll ausgeschlossen werden, dass der Geschäftsführer zugleich Vorstand sein kann. Außerdem sind Verpflichtungen zur Offenlegung von Gehältern und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Gespräch.
Im Prozess um Dienstfahrten in teuren Sportwagen ist der Ex-Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Aachen zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Aachen bestrafte ihn wegen Untreue in 22 Fällen. Außerdem muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.
«Sie haben den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Aachen nach Gutsherrenart geleitet und Honorare an den Vorstand verteilt», begründete Richter Harald Brandt im Urteil vor dem Aachener Landgericht den fatalen Führungsstil des Angeklagten.
Dieser leaste über eine GmbH für das Altkleider-Sammeln nacheinander zwei mehr als 400 PS starke Sportwagen der Marke GM-Corvette, obgleich im Kreisverband bereits ein luxuriöser Dienstwagen der BMW-Geländeklasse bereitstand, außerdem lief noch ein Mini auf DRK-Kosten.
Als Jugendlicher habe ich für eine " Wohltätigkeitssammlung" um Spenden auf der Straße gebeten. Ich bekam davon 10% der Einnahmen. Das fand ich damals für mich gut, habe mir aber auch meine Gedanken gemacht: wieviel bekommt derjenige, bei dem ich die Spendendose ablieferte und wie geht das dann weiter? Seitdem habe ich etwas gegen Spenden.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Meine Sicht Martin Kröger zum neuen Eklat um die Treberhilfe
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