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Von René Heilig 17.04.2010 / Ausland
Vulkan in Island ist aktiv

Eyjafjallajökull ohne Respekt vor Mächtigen

Vulkan verdunkelt Europas Himmel und behindert massiv den Flugverkehr

Gigantische Aschewolken des Eyjafjallajökull-Ausbruchs auf Island sorgen seit dem Donnerstag für Chaos im Flugverkehr. Bis zum Freitagmittag hatten zwölf europäische Länder ihren Luftraum komplett gesperrt.
Der Urlaub muss warten. Auch Berlin-Schönefeld, von wo vor
Der Urlaub muss warten. Auch Berlin-Schönefeld, von wo vor allem Charterflüge in die Ferien abgehen, war gestern geschlossen.

Zwei Gruppen von Menschen hatten und haben es derzeit ungewöhnlich schwer – Flugreisende und Nachrichtensprecher. Die einen, weil ihre Transportmittel an den Boden gefesselt sind, die anderen, weil sie in jeder Sendung einen fast unaussprechlichen Namen aussprechen müssen: Eyjafjallajökull. So lautet der Name eines Vulkans auf Island und der spuckt Rauch und Asche. Die riesigen Wolken werden weiter über Europa hinwegziehen, prognostizierte der Sprecher des Umweltministeriums, Gudmundur Gundmundsson, am Freitag. Auch der Vulkanexperte Armann Hoskuldsson von der isländischen Universität wollte keine Hoffnung auf ein rasche Eruptionsende aufkommen lassen.

Seit Freitag acht Uhr morgens geht auf dem Flughafen Rhein-Main-Airport, dem zweitgrößten Flughafen Europas, »rein flugmäßig« gar nichts mehr. Bereits am Donnerstag war es dort zu Behinderungen gekommen, denn es gingen auch zahlreiche Maschinen nieder, die auf dem Weg nach London waren und dort wegen der Sperrung der Flughäfen nicht landen konnten. Zugleich kamen Langstreckenflüge aus den USA oder Asien »rein«. Gestern Nachmittag sperrte Österreich seinen Luftraum – und das zu einem Zeitpunkt, da Frankfurt dicht und auch Zürich keine umgelenkten Flugzeuge mehr aufnehmen konnte.

Pro Tag werden allein auf dem Luftdrehkreuz London-Heathrow rund 180 000 Passagiere abgefertigt. Normalerweise. Seit Donnerstag startet und landet dort kein Passagierflugzeug mehr. Und so wird es nach Angaben der britischen Flugsicherung auf allen Flughäfen in England bis mindestens Samstag bleiben. Ähnliches wird aus Skandinavien berichtet.

Allein am Freitag sind mit 17 000 Flügen über 60 Prozent aller europäischen Verbindungen gestrichen worden. Wegen der Aschewolke konnte – so Hochrechnungen der europäischen Flugsicherung vom Freitagmorgen – auch nur jeder zweite Transatlantikflug stattfinden. Selbst wenn sich die Wolke aufgelöst hat, wird es nach Ansicht von Airline-Managern noch mehrere Tage dauern, bis sich die Staus aufgelöst haben.

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Grafik

Steht man auf der Erde und vielleicht sogar in der wärmenden Frühlingssonne, mag man die Gefahr gar nicht wahrhaben wollen, die von der fliegenden Asche ausgeht. Doch da rein zu geraten, ist eine Horrorvorstellung für jeden Flugzeugkapitän. Der Staub kann Messinstrumente wie Geschwindigkeitsmesser lahmlegen und damit den Computern falsche Daten übermitteln. Die wiederum reagieren logischerweise nicht korrekt. Zugleich können Aschepartikel, die auf die Außenhaut wie ein Schmirgel wirken, das Flugzeugs elektrisch aufladen und den kompletten Funkverkehr lahm legen. Zugleich backen die in der Triebwerk geschmolzen Staub- und Rußpartikel die Turbine zu. Folge: Triebwerksausfall, Geschwindigkeits- und Auftriebsverlusst.

Wie gefährlich Asche für Flugzeuge sein kann, zeigte sich 1982 über Indonesien. Ein Jumbo-Jet der British Airways geriet nächtens in eine Vulkanwolke des Gung Galunggung. Die Turbinen versagten, der riesige, voll besetzte Jumbo wurde zum Segelflugzeug. Wie durch ein Wunder gelang es der Crew, die Boeing 747 abzufangen und zwei der vier Triebwerke wieder zu starten. Nach 14 Minuten.

Der Vulkan übrigen erweist sich auch respektlos gegenüber gewöhnlich Mächtigen. So war die für Freitag geplante Rückkehr der Kanzlerin aus USA ebenso vakant wie die Heimkehr des Verteidigungsministers samt toter Afghanistan-Soldaten. Es bleiben Stühle beim EU-Finanzministertreffen in Madrid und bei der Geburtstagsfeier der dänischen Königin leer. Sogar die Liste der Trauergäste bei der Beerdigung des verunglückten polnischen Präsidenten Kazynski am Sonntag wird möglicherweise kürzer als angenommen.

Grafik: Die Prognosen (in der Grafik Voraussagen für den professionellen Flugverkehr) sind schlecht. Doch nicht nur hunderttausende Passagiere sind betroffen. Auch eilige Luftfracht bleibt am Boden – jedenfalls auf den Airports in Belgien, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen und Schweden. (Stand Freitagnachmittag)

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