Von Bernd Kammer
17.04.2010

Flughäfen kämpfen mit Naturgewalten

Winter bremste BBI-Bauarbeiten / Tegel und Schönefeld mit Kurs auf neuen Passagierrekord

Die Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens hatte sich Flughafenchef Rainer Schwarz gestern etwas anders vorgestellt. Die isländische Vulkanwolke hing auch über dieser Veranstaltung, so dass Schwarz erst einmal 500 000 Euro geringere Umsätze bilanzieren musste für jeden Tag, da Tegel und Schönefeld geschlossen bleiben. Durch »erhöhten Bier- und Kaffeekonsum« der gestrandeten Passagiere sei das kaum auszugleichen, scherzte Schwarz.

Rückgänge hatten die Flughäfen auch im Krisenjahr 2009 zu verbuchen, dennoch wertete er es als erfolgreich. Denn mit knapp 21 Millionen Fluggästen wurden nur zwei Prozent weniger abgefertigt als im Rekordjahr 2008, während die anderen deutschen Airports im Schnitt ein Minus von 4,6 Prozent verbuchen mussten. Berlin festigte damit Platz drei unter den deutschen Airports. Schwarz rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Passagierrekord von 22 Millionen. Nach den ersten drei Monaten scheint die Rechnung aufzugehen, es wurden bereits sechs Prozent mehr Fluggäste abgefertigt als im 1. Quartal 2009.

Die Umsatzerlöse sanken 2009 um 3,3 Prozent auf 243,9 Millionen Euro. Durch ein striktes Sparprogramm konnte dennoch das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 14,4 Prozent auf 91,2 Millionen Euro gesteigert werden. Das ist auch nötig, damit die Flughafengesellschaft ihren Eigenanteil von 440 Millionen Euro zur Finanzierung des insgesamt 2,4 Milliarden Euro teuren Airports BBI beisteuern kann. Bisher hat sie 336 Millionen Euro erwirtschaftet. »Es ist nicht unrealistisch, dass wir den Rest bis 2011 noch schaffen«, so Schwarz.

Denn am geplanten BBI-Eröffnungstermin 30. Oktober 2011 hält die Flughafengesellschaft trotz der Einwirkung durch andere Naturgewalten wie Eis und Schnee fest. »Das ist ein wahnsinnig ehrgeiziges Ziel«, so Technikchef Manfred Körtgen. Der harte Winter habe zwar zu Verzögerungen geführt, doch derzeit würden die Terminpläne überarbeitet, und man sei zuversichtlich, im Laufe des Jahres »wesentliche Kompensationen« zu erreichen. Bauaufträge im Wert von über 1,8 Milliarden Euro seien bereits vergeben worden, auch bei den Kosten gibt es laut Körtgen bisher keine Überschreitungen.

Noch keine Idee haben die BBI-Planer, was nach Eröffnung des neuen Airports aus dem alten Schönefelder Terminal wird. Pläne, es vorübergehend als Regierungsterminal zu nutzen, sind vom Tisch. Schwarz kann sich vorstellen, dass die »hochattraktiven Flächen« als Ersatzteillager dienen.

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