Nicht nur die Textilproduktion in Zulieferbetrieben in Bangladesch sorgt bei den Discountern Lidl, Aldi und Kik für negative Schlagzeilen. Die Näherinnen in Südasien beklagen extrem lange Arbeitszeiten, willkürlichen Lohnabzug, mangelnde Überstundenvergütung, Gewerkschaftsfeindlichkeit und Frauendiskriminierung.
Auch in Zulieferbetrieben mitten in Europa ist die Welt nicht in Ordnung. So etwa bei der Pauly GmbH & Co KG im mittelhessischen Wenkbach, einem Hersteller von Salzgebäck und Lieferanten für Lidl, Aldi und Kaufland. Unter dem Preisdruck der Großen will die Tochter der Salt & Pepper Beteiligungs GmbH Löhne und Sozialleistungen massiv drücken, beklagt die Gewerkschaft NGG und spricht von »Wild-West in der Lebensmittelbranche«. Nach dem Motto »Friss oder stirb« und mit der Pistole an der Schläfe sollten die Beschäftigten in Einzelvereinbarungen auf Urlaub, Lohnerhöhungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und weitere Sozialleistungen und somit auf die Anwendung des Branchentarifvertrags verzichten. Unter dem Strich ein Minus von mindestens 15 Prozent. Die Pauly-Chefs hatten den Deal, der ausgerechnet zum 1. Mai in Kraft treten sollte, mit dem Betriebsrat hinter dem Rücken der NGG eingefädelt. Erst wenn 95 Prozent der Belegschaft unterschrieben hätten, seien Jobs und neue Investitionen in den Standort gesichert, hieß es.
In Selbstdarstellungen und Werbesprüchen bekennt sich Lidl zu fairen Arbeitsbedingungen weltweit. »Das sollte auch vor der eigenen Haustüre gelten«, fordert der Gießener NGG-Sekretär Ulrich Schöneborn die Handelskette zum Eingreifen bei Pauly auf. Immerhin sei der Betrieb höchst profitabel. Der Gewerkschafter beklagt den Austritt einiger Betriebsratsmitglieder unter dem Druck der Geschäftsleitung und freut sich gleichzeitig über noch mehr Neueintritte in die NGG aus der Belegschaft. Ein Großteil der Beschäftigten habe nicht unterschrieben, so dass nun der Arbeitgeber-Plan zum 1. Mai nicht in Kraft treten könne. Widerstand lohnt sich.
Es bleibt zu hoffen, dass bei den anstehenden Betriebsratswahlen (selbst)bewusste Gewerkschafter zum Zuge kommen, die die Erfahrung beherzigen: Lohnverzicht sichert keinen Arbeitsplatz!
... ob bei den Dienstleistern, oder bei der Produktion - Bangladesch in Hessen ist längst Gang und Gebe ! die Leiharbeit ( früher humaner genannt Zeitarbeit ) hat längst der normalen Beschäftigung den Rang abgelaufen. Die Zustände sind bekannt. Es wird mit allen "gesetzlichen" Tricks am künstlichen Leben gehalten, und sehe .... erfolgreich - seit Jahren. Wie kommt`s. Nun, die Betriebe werden so mit "Leiarbeitern" unterlaufen, bis der Beriebsrat sich erübrigt hat - und vom Aussterben bedroht wird. Die Zusammenarbeit- , halt zu den "Leiharbeitnehmern" ist wichtiger und wichtiger - sonst verschwindet langsam aber sicher die breite Arbeiterschaft, und wird von den Kräften des Marktes gnadenlos ausgespielt. Beispiele gibt es zu genüge.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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