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Owens 1951 im Olympiastadion
Foto: Archiv H. v. Becke im Sportmuseum
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Das Haus auf dem Gelände des Olympischen Dorfes in Elstal (Havelland) sieht reichlich verfallen aus. Hier wohnte während der Spiele 1936 in Berlin Jesse Owens (1913-1980). Der identisch aussehende Flachbau nebenan ist leidlich saniert und beherbergt nun eine Fotoausstellung über den legendären Leichtathleten. Die Ausstellung wurde im vergangenen Jahr bereits auf dem Gelände des Berliner Olympiastadions gezeigt. Die Stiftung der Deutschen Kreditbank erwarb die Exponate und zeigt sie seit Freitag in Elstal.
Zwei Fotos dienten den Nazis als vermeintlicher Beweis für ihre unsinnige Rassenlehre. Die Bilder zeigen den farbigen US-Amerikaner Jesse Owens und den Deutschen Luz Long beim Weitsprung. In einer Anleitung für das Fach »Rassekunde« in der Volksschule wertete Professor Ernst Dobers Sportberichte in Zeitungen vom »rassebiologischen Standpunkt« aus. »Beim nordisch geprägten Menschen ein wohldurchdachter Stil, ein systematisches Heranarbeiten an den äußersten Rand der Absprungstelle, um immer bessere Leistungen zu erzielen«, schrieb der Professor. »Bei dem Neger ein systemloses Emporschnellen des Körpers.« Dobers verglich das mit dem Sprung eines Tiers in der freien Wildbahn.
Dabei freundete sich Luz Long während der Spiele mit Owens an, gab ihm im Wettkampf den Tipp, seinen Anlauf zu verändern. Deshalb schaffte der Amerikaner in der Qualifikation eine Weite, die fürs Finale ausreichte, und gewann dann sogar in dieser Disziplin die Goldmedaille – vor Long.
Noch drei weitere Goldmedaillen holte Owens, im Sprint über 100 und 200 Meter sowie in der 4x100-Meter-Staffel. Sehr zum Ärger Hitlers avancierte der farbige Athlet zum Liebling des Publikums, das ihm zujubelte und seinen Namen skandierte. Dabei wollte es nur der Zufall, dass Owens überhaupt an den Spielen teilnahm. Denn sein Landsmann Eulace Peacock hatte ihn im Vorfeld mehrmals geschlagen und wäre statt Owens für die USA-Mannschaft nominiert worden, wenn er sich nicht verletzt hätte. Das erzählte der Ausstellungsmacher Gerd Steins vom Sportmuseum Berlin am Freitag bei der Ausstellungseröffnung in Elstal.
In den USA hatte es eine Diskussion darum gegeben, ob man den Spielen in Berlin wegen der politischen Lage in Deutschland fernbleiben sollte. Owens hatte im November 1935 in einem Radiointerview gesagt: »Wenn es in Deutschland Diskriminierungen gegen Minderheiten gibt, sollten wir unsere Teilnahme an den Olympischen Spielen zurückziehen.« Sein Trainer Larry Snyder riet ihm danach jedoch, sich nicht mehr zu diesem Thema zu äußern. Den Ausschlag gaben wohl auch Diskriminierungen, die Owens in seiner Heimat erlebte. Er und andere farbige Sportler wurden zu einem Wettkampf in New Orleans nicht eingeladen.
Als Jesse Owens schon im Olympischen Dorf in Elstal weilte, fing die Gestapo einen Brief aus London ab. Der Absender ermunterte den Athleten, aus Protest gegen die Rassenverfolgung in Deutschland bei der Siegerehrung die Annahme der Medaille zu verweigern. »Den Preis Ihrer den Rassenhass predigenden Regierung muss ich mit Verachtung ablehnen«, sollte er zur Begründung sagen. Der Satz war in englischer und deutscher Sprache beigefügt. Insgesamt 74 Schreiben kassierte die Gestapo ein. Jesse Owens hat nie davon erfahren. Das Schriftstück wurde erst nach seinem Tod entdeckt. 1951 und 1978 kehrte Jesse Owens ins Olympiastadion zurück. Die Berliner begrüßten ihn begeistert. Die Stadionallee erhielt 1984 seinen Namen.
1.4.-31.10, tägl. 10-16 Uhr, Olympisches Dorf in Elstal, Rosa-Luxemburg-Allee 70, Eintritt: 1 Euro
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Sprünge für die Ewigkeit Sonderausstellung im Sportmuseum zur Olympia-Legende Jesse Owens
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