Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Anna Maldini, Rom 28.04.2010 / Wirtschaft

Das harte Los der Orangenpflücker

Italiens Gewerkschaften wollen am 1. Mai auf die Ausbeutung illegaler Landarbeiter hinweisen

In der süditalienischen Kleinstadt Rosarno sind 31 Personen verhaftet worden, die schwarze Landarbeiter wie Sklaven ausgebeutet haben sollen. Die Gewerkschaften wollen dort ihre zentrale 1. Mai-Kundgebung abhalten.

Bei Tagesanbruch wurden die etwa 600 Landarbeiter aufs Feld gebracht. Hier pflückten sie zehn bis zwölf Stunden lang Orangen und Mandarinen. Dann ging es zurück in die Behausungen: stillgelegte Fabrikhallen, halb verfallene Bauernhöfe, meist ohne hygienische Einrichtungen, manchmal sogar ohne fließendes Wasser. Der Tageslohn betrug etwa 25 Euro: ein Euro je Kiste Mandarinen, 50 Cent je Kiste Orangen. Den Lohn bekamen die Arbeiter – die meisten aus Subsahara-Afrika und einige ohne Papiere, was sie besonders erpressbar machte – von ihrem »Arbeitsvermittler« ausgehändigt, der dann gleich noch 3 Euro pro Tag für den »Transport« abzog. Den Besitzer der Obstplantage bekamen die modernen Sklaven meist gar nicht zu Gesicht. Der gab dem Arbeitsvermittler etwa 35 Euro täglich für jeden Arbeiter; die Differenz steckten die »Caporali«, wie die illegalen Arbeitsvermittler genannt werden, selbst ein. Diese sind Italiener, aber auch Marokkaner und andere Ausländer, die sich in der Sklavenhierarchie selbst zum Schinder hochgearbeitet haben.

Nach dreimonatigen Ermittlungen nahm die Polizei in Rosarno jetzt 20 Bauern bzw. Landbesitzer und 11 »Caporali« fest. Die Kleinstadt in der Provinz Reggio Calabria war im vergangenen Januar zu trauriger Berühmtheit gelangt, als es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und schwarzen Landarbeitern, zu einer regelrechten Menschenjagd kam. Damals hatte Innenminister Roberto Maroni erklärt, das komme eben davon, wenn man mit den Illegalen so lasch umgehe. Inzwischen stellte sich heraus, dass die modernen Sklaven rebellierten, nachdem auf zwei von ihnen geschossen worden war, nachdem sie bessere Arbeitsbedingungen und einen menschenwürdigeren Lohn gefordert hatten. Mitten in der Nacht transportierte die Polizei damals die Arbeiter in Bussen ab und die Bilder von den verschreckten, zum Teil verletzten Männern mit ihren Bündeln unter dem Arm gingen um die Welt. Einige von ihnen beschlossen dann, ihre Peiniger anzuzeigen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten. So konnte man Beweismaterial sammeln, das für die 31 Festnahmen ausreichte.

Sicher sind die Verhaftungen von Rosarno nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber vor allem die italienischen Gewerkschaften sind überzeugt, dass der richtige Weg eingeschlagen wurde. Schon vor einigen Wochen hatten sie beschlossen, die zentrale 1. Mai- Kundgebung nach Rosarno zu legen. »Dieses Jahr werden im Mittelpunkt der Kundgebungen nicht nur die bekannten Themen der Arbeit und der wirtschaftlichen Entwicklung stehen«, heißt es in einer Erklärung des größten italienischen Gewerkschaftsdachverbandes, der CGIL. »Ganz wichtig ist uns auch das Thema der Integration. Und gerade von Rosarno aus werden wir noch einmal mit Macht darauf hinweisen, wie eng das Thema Arbeit mit dem der Legalität und der Aufnahme der Migranten zusammenhängt.« CGIL-Generalsekretär Guglielmo Epifani erklärte persönlich dazu: »Rosarno ist nur ein Symbol: Es gibt ganz viele Situationen, in denen die Legalität fehlt. Wir brauchen mehr Legalität, denn wo diese fehlt, da wird auch die Arbeit nicht respektiert.«

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Community

Änderungen in der nd-Community

Neue Netiquette und Richtlinien / nd-Onlineredaktion stellt sich vor
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.