Von Andreas Fritsche
28.04.2010
Brandenburg

Vom Holzfäller zum Straßenkehrer

Forstverwaltung wird umorganisiert: 900 Stellen fallen weg, 200 Beschäftigte müssen wechseln

Die einzelnen Reviere werden größer, die Forstleute weniger. Die staatlichen Zuschüsse sinken. Die brandenburgische Forstverwaltung steht vor drastischen Veränderungen. Bis 2014 sollen von den derzeit 2400 Beschäftigten des Landesbetriebes Forst Brandenburg nur noch 1516 übrig sein. Ein Jahr später soll es keinen Cent mehr für die Bewirtschaftung jener Wälder geben, die dem Bundesland selbst gehören. Gegenwärtig liegt der Zuschuss bei 75 Millionen Euro im Jahr.

Beschlossen hat diese Ziele noch die alte SPD/CDU-Landesregierung. Wie sie erreicht werden sollen, das erläuterte jetzt Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Er stellte gestern den Entwurf für die neue Struktur des Landesbetriebs Forst vor.

Demnach werden die Bewirtschaftung des Landeswaldes und die Aufsicht über die übrigen Wälder organisatorisch getrennt. Um den Landeswald kümmern sich 14 spezielle Oberförstereien mit 160 Revieren, um den restlichen Wald in kommunalem oder privatem Besitz weitere 30 Oberförstereien mit 208 Revieren. Durch diese Trennung sollen auch Interessenkonflikte vermieden werden, wenn zum Beispiel ein Förster begutachten müsste, ob sich ein Waldstück dafür eignet, dort Windräder aufzustellen, und wenn er gleichzeitig auf die Einnahmen von den Investoren solcher Windkraftanlagen angewiesen wäre.

Die Trennung sei »ein überfälliger Schritt«, kommentierte Wolfgang Mädlow vom Naturschutzbund. Ein Förster, der Geld aus Holzeinschlag erlösen und zugleich den Wald schützen solle, komme »schnell in Gewissenskonflikte«.

Es werde den Förstern »in der Fläche« nicht mehr möglich sein, die privaten Waldbesitzer ausreichend zu betreuen, rügte der Landtagsabgeordnete Michael Luthardt (LINKE). »Der Koalitionsvertrag ist damit nicht erfüllt.«

In der neuen Struktur soll ab Januar 2011 gearbeitet werden. Die härteste Nuss ist der dramatische Personalabbau. 380 Mitarbeiter gehen in Rente oder Altersteilzeit, weitere 200 sollen zur Polizei, in den Justizdienst oder in die Finanzverwaltung wechseln, allein 75 in den Landesbetrieb Straßenwesen. Wer wechseln muss und wer bleiben darf, darüber werde nach Eignung und sozialen Kriterien entschieden, hieß es. Forstleute haben bereits beim Winterdienst auf den Straßen ausgeholfen und einige beantragten, im Landesbetrieb Straßenwesen zu bleiben, erzählte Minister Vogelsänger. Man sei auch im Gespräch mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, damit diese vielleicht Leute übernimmt.

»Eins ist klar: Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben«, versicherte Vogelsänger. Auch drohe kein Lohnverzicht und nur im Einzelfall werde ein Mitarbeiter wegen seiner neuen Aufgabe umziehen müssen, erklärte Forstbetriebsdirektor Hubertus Kraut. Trotzdem herrscht unter den Forstleuten Angst und Verunsicherung. Direktor Kraut weiß dies, äußert Verständnis für die Sorgen der Beschäftigten und ist gleichwohl fest entschlossen, den Strukturentwurf zu realisieren und damit die politischen Vorgaben zu erfüllen. Er macht keinen Hehl daraus, dass es angesichts der Finanzprobleme des Landes um Einsparungen geht. Wenn die über 100 000 privaten Waldbesitzer in Brandenburg ohne Zuschüsse wirtschaften, dann müsse dies im Landeswald auch klappen.

Er höre von Fachleuten aus allen möglichen Bereichen, dass man eigentlich mehr Personal benötige, sagte Vogelsänger. Doch man müsse sich nun einmal um die Konsolidierung des Landeshaushaltes kümmern.

Trotz des Personalabbaus sollen weiter Forstwirte und in Kunsterspring Forstmaschinenführer ausgebildet werden. Statt 60 bis 65 Lehrlingen sollen es in Zukunft aber nur 30 bis 35 sein. Von einem Einstellungskorridor ist die Rede.

  • In Brandenburg gibt es 1,1 Millionen Hektar Wald, davon 272 00 Hektar im Besitz des Landes.
  • Die Größe der Forstreviere schwankt erheblich. Die Durchschnittsgröße eines normalen Reviers erhöht sich künftig auf mehr als 5000 Hektar.
  • Um den Landeswald sollen sich in Zukunft 506 Beschäftigte kümmern. Die Landeswaldreviere werden 1700 Hektar groß sein.

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