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Von Sascha Sefferin, Nürnberg 05.05.2010 / Inland

Nazi-Angriff in Nürnbergs U-Bahn

Jugendlicher mit Migrationshintergrund beinahe tot geschlagen

Mitte letzter Woche wurde in Nürnberg ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund von einem Neonazi brutal zusammengeschlagen, tagelang lag er im künstlichen Koma. In jüngster Zeit gab es mehrere Übergriffe.

Die Form neonazistischer Gewalt in Nürnberg und Fürth nimmt eine neue Dimension an. Am Mittwoch letzter Woche wurde ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund von einem 24-jährigen Fürther Neonazi fast tot geschlagen. In der U-Bahn war es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen.

Kritik an der Polizei

Am Nürnberger U-Bahnhof Plärrer, wo beide ausstiegen, traktierte der Rechtsextreme nach einer Meinungsverschiedenheit den 17-jährigen Antifaschisten mit Fäusten und Tritten, bis dieser leblos am Boden lag. Passanten griffen ein, worauf der Täter floh. Zweimal gelang es, den jungen Mann zu reanimieren. Seitdem liegt er im Krankenhaus. Vermutlich erlitt er schwere innere Verletzungen. Der Täter stellte sich nach Fahndungsaufrufen am nächsten Tag der Polizei und gestand seine brutale Tat. Die Ermittlungsrichterin erließ einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Laut Polizei soll angeblich eine Beleidigung und eine Bedrohung des 17-Jährigen gegenüber der Begleiterin des 24-Jährigen vorausgegangen sein. Der 24-Jährige soll darauf mit einem Faustschlag reagiert haben.

»Wir sind zu tiefst geschockt und in Gedanken bei dem Antifaschisten«, sagte ein Sprecher der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF). »Wir hoffen auf eine baldige Besserung seines Gesundheitszustands und wünschen seinen Angehörigen und FreundInnen Kraft in dieser schrecklichen Situation. Kein Vergeben! Kein Vergessen!«

Dass der Täter »der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden« kann, gab die Polizei erst am Wochenende bekannt. Angehörige, antifaschistische und linke Gruppierungen hatten die Informationspolitik der Polizei stark kritisiert. Unter anderem warfen sie die Frage auf, warum die politische Orientierung des Täters so lange geheim gehalten wurde, obwohl sich dieser längst gestellt hatte. Das »Nürnberger Bündnis Nazistopp« kritisierte zudem, warum »bisher noch nicht veröffentlicht wurde, dass das Opfer einen Migrationshintergrund hat?« Denn für das Bündnis ist »eine rassistische Motivation für die unvorstellbare Gewalttat (…) nicht nur nicht auszuschließen, sondern sogar wahrscheinlich«.

Das alte Feindbild

Andere linke Gruppen teilen diese Meinung und kritisieren die Polizei auch aus einem anderen Grund. Schließlich werde doch in anderen Fällen, wie in der Münchner U-Bahn, der »Migrationshintergrund der Täter in den Vordergrund gestellt, wie auch die deutsche Staatsbürgerschaft des Opfers«. Die Polizei besinnt sich derweil auf das klassische Feindschema. Sie spricht von einem linksextremen Opfer und einem rechtsextremen Täter.

Erst kürzlich war im Nürnberger Stadtteilladen Schwarze Katze die Scheibe eingeworfen und Buttersäure verteilt worden. Auch die Scheiben des DKP-Büros gingen zu Bruch.

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