Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Autofahrer für den Bau einer Autobahn aussprechen. Der Gedanke, schnell vorwärts zu kommen, klingt ja ziemlich verlockend und überzeugt offensichtlich auch Menschen, die selbst gar nicht am Steuer sitzen. Die Ergebnisse einer Meinungsumfrage im Auftrag des Automobilclubs ADAC sind ziemlich eindeutig. Trotzdem könnte der Weiterbau der Stadtautobahn A 100 falsch sein, zum Beispiel weil er kostspielig wäre oder weil die Anwohner unzumutbar durch Lärm belästigt werden könnten.
62 Prozent der befragten Ostberliner meinen, ein leistungsfähiges Straßennetz sei wichtig, damit sich Firmen ansiedeln und Arbeitsplätze geschaffen werden. Dieses Argument ist abgedroschen und eigentlich widerlegt. Verwunderlich, dass es gerade bei Ostdeutschen noch verfängt. Denn ab 1990 bekamen viele ostdeutsche Kommunen herrliche Straßen gebaut. An der Pleite zahlreicher Industriebetriebe hat das nichts geändert. So manche Stadt verfügt nun über vorzügliche Autobahnanschlüsse und steckt gleichwohl in der Klemme. Einfach Unsummen in den Bau neuer Straßen zu investieren, ist einer der schweren Fehler beim Programm Aufbau Ost gewesen. Dieser Weg ist ein Irrweg, eine Dummheit.
Wird eine längere Stadtautobahn wirklich so dringend benötigt? Besser angelegt wäre das Geld wahrscheinlich für die Beseitigung schlimmer Schlaglochpisten. Das könnte man den Autofahrern sogar gut erklären.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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