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Von Karl Kopp 21.05.2010 / Europa
Brüsseler Spitzen

Schutzschirm für Kinder

Der Autor ist Europa-Referent bei PRO ASYL.
Der Autor ist Europa-Referent bei PRO ASYL.

Bilder von inhaftierten Minderjährigen im »Kinderknast von Pagani« auf der griechischen Insel Lesbos, Berichte von obdachlosen und ausgehungerten afghanischen Jungen in der Athener Innenstadt und den Fährhäfen Igoumentisa und Patras, Meldungen, dass Kinder auf dem Weg nach Italien oder von Frankreich nach England starben, schrecken auf. Afghanische Flüchtlingskinder, die in der Kanalisation von Rom vegetieren, obdachlos in Paris oder in Elendslagern wie dem »Dschungel« im französischen Calais um ihr nacktes Überleben kämpfen, erregen Mitleid. Diese Dramen sind jedoch keine Einzelerscheinungen, sondern Ausdruck einer verfehlten europäischen Flüchtlings – und Kinderschutzpolitik.

Die in Griechenland gestrandeten Flüchtlingskinder – überwiegend aus Afghanistan – versuchen, von dort zu ihren Verwandten und Freunden in andere europäische Länder zu gelangen. Entlang der innereuropäischen Fluchtrouten werden sie erneut Opfer von Menschenrechtsverletzungen und Europa schaut weg. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind bis jetzt nicht willens, diese offenkundige Schutzlücke zur Kenntnis zu nehmen und zu schließen. Wieso öffnet Europa nicht geschützte Wege für diese besonders Schutzbedürftigen, um Obdachlosigkeit, Ausbeutung und Gewalt zu verhindern?

In den letzten zwei Jahren haben es über 10 000 unbegleitete Minderjährige geschafft, lebend nach Griechenland zu kommen. In ganz Griechenland gibt es nur 400 Unterkunftsplätze für Flüchtlingskinder. Diese Kinder und Jugendlichen können dort unter den momentanen Voraussetzungen keinen Schutz bekommen. Es fehlen kindgerechte Unterkünfte und ein funktionierendes System, Vormundschaften zu bestellen und Betreuer – also alle zentralen Elemente eines Kinderschutzsystems. Aus der Sicht von PRO ASYL sind diese Minderjährigen die Flüchtlingskinder Europas, für die gemeinsam Verantwortung zu tragen ist. Nur der geografische Zufall zwingt sie, über Griechenland einzureisen.

Da in Griechenland kein Schutz- und Aufnahmesystem für Flüchtlingskinder existiert, irren die aus der Haft entlassenen Minderjährigen durch das Land und versuchen verzweifelt, über Italien oder immer häufiger über die Balkanroute in ein anderes europäisches Land auszureisen. Sie versuchen, versteckt in Lkws und Containern außer Landes zu kommen. Zahlreiche Kinder kamen in den letzten Jahren um, weil Ladungen sich verschoben oder sie in den Frachträumen erstickten. Wenn sie entdeckt werden, kommt es zu Misshandlungen – von den LKW-Fahrern oder von der griechischen Hafenpolizei. Gelangen sie unentdeckt in die italienischen Häfen Ancona, Venedig oder Bari, droht ihnen, dass sie wie Stückgut mit der nächsten Fähre zurückverfrachtet werden.

PRO ASYL startete deshalb eine Kampagne, um das Leid dieser Flüchtlingskinder zu beenden. Wir appellieren an Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und die EU-Kommissarin für Inneres, Cecilia Malmström, sich persönlich für den Schutz der Kinderflüchtlinge einzusetzen: Kinder dürfen in der EU keinesfalls eingesperrt, drangsaliert und schutzlos auf die Straße gesetzt werden. Für die gestrandeten Flüchtlingskinder in Griechenland muss schnell und unbürokratisch eine humanitäre und kindgerechte Lösung gefunden werden. PRO ASYL fordert, dass sie kurzfristig und orientiert am Kindeswohl nach Deutschland und in andere EU-Staaten verteilt werden und ihnen endlich eine menschenwürdige Zukunft eröffnet wird. Ein Schutzschirm für diese Flüchtlingskinder wäre ein Akt der Menschlichkeit und Solidarität.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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