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Von Mark Wolter
25.05.2010

Ohne Pause zum nächsten großen Ziel

Mit der Ankunft der sieben Bayern-Spieler beginnt Joachim Löws WM-Vorbereitung erst richtig

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Keine zwölf Stunden nach Abpfiff des Champions-League-Finales waren die Großplakate am Estadio Santiago Bernabéu abmontiert, die Armada der Fernsehwagen verschwunden und die Spuren der Fanexzesse von der Madrider Stadtreinigung beseitigt. Im Stadionshop von Real Madrid gingen Endspiel-Shirts und Kappen schon für den halben Preis über die Theke, die Fan-Zonen in den benachbarten Parks waren wieder in einheimischer Hand und am Plaza de Pablo Picasso hatte auch der letzte feiertrunkene Interisti seinen Schlafsack zusammengerollt.

Die Hauptdarsteller des Finales waren da schon lange weg. Für die meisten Spieler geht es unmittelbar weiter mit der Reise zu den Nationalmannschaften und der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Südafrika. »Wir müssen uns jetzt wieder neu konzentrieren«, sagte Miroslav Klose. Die Finalniederlage mit seinem FC Bayern gegen Inter Mailand soll möglichst vergessen werden. »Mit der Nationalmannschaft haben wir auch ein großes Ziel.«

Gleich sieben Bayern-Profis erwartet der deutsche Bundestrainer. »Ich bin froh, dass es keine Rückmeldungen gab, was Verletzungen anbelangt«, sagte Joachim Löw, der das Champions-League-Finale mit dem DFB-Team im Südtiroler Trainingslager am Fernsehen verfolgt hatte. Nach den Feierlichkeiten des FC Bayern am Sonntag und nur einem Tag Pause reisen Klose, Mario Gomez, Thomas Müller und Holger Badstuber heute ins italienische Girlan. Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Hans-Jörg Butt dürfen noch einen Tag länger zu Kräften kommen und werden morgen zum Team stoßen. Gomez und Klose sollen nach ihren wenigen oder meist nur kurzen Einsätzen bei Bayern München sofort in das Mannschaftstraining einsteigen. »Sie müssen in den nächsten Tagen viel arbeiten«, sagte Löw. Der Bundestrainer ist überzeugt, dass beide bis zum ersten WM-Spiel am 13. Juni gegen Australien zu voller Leistungsfähigkeit finden werden, und setzt vor allem auf die Erfahrung von Klose im Nationalteam. »Bei Miro weiß ich, dass ich immer großes Vertrauen in ihn haben konnte. Er hat das Vertrauen immer in Qualität zurückgezahlt. Er hat ein Spielverhalten, dass sehr wichtig für uns sein kann«.

Die anderen fünf Münchner sollen »zwei, drei Tage seperat trainieren«, sagte Löw. »Sie hatten viele Spiele und eine hohe mentale Anspannung. Wir müssen vorsichtig sein, was die Belastung betrifft.« Zwar zähle jeder Tag in der WM-Vorbereitung, aber die Spieler sollen die Köpfe freibekommen.

»Die Finalniederlage schmerzt natürlich«, sagte Philipp Lahm und Thomas Müller ergänzte: »Nach so einem Spiel ist der Kopf erstmal leer.« Viel Aufbauarbeit sieht der Bundestrainer aber nicht auf sich zukommen. »Sie können sicher den Schalter umlegen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich glaube nicht, dass sie zu lange enttäuscht sind. Sie können alle mit Stolz anreisen, sie haben eine klasse Saison gespielt«, so Löw.

Ob die beiden Führungskräfte Lahm und Schweinsteiger zum Testspiel gegen Ungarn am Sonnabend in Budapest mitreisen oder in Südtirol bleiben, hält sich Löw noch offen. Fest steht aber, dass einer der beiden wohl die Kapitänsbinde des verletzten Michael Ballack bei der WM in Südafrika tragen wird. »Wir sind in der Entscheidungsfindung soweit klar. Aber ich werde es erst bekanntgeben, wenn alle hier vor Ort sind«, sagte Löw. »Es ist meine Pflicht, erst mit den Spielern zu sprechen, die es betrifft.«

Ebenfalls entschieden ist, welcher Torhüter die Nummer eins sein wird. Löw kündigte an, dass derjenige, auf den die Wahl gefallen ist, sowohl gegen Ungarn als auch beim letzten WM-Test gegen Bosnien-Herzegowina in der kommenden Woche im Tor stehen wird. Während die anreisenden Bayern die Kapitänsentscheidung unter sich ausmachen, wird der Münchner Torhüter Hans-Jörg Butt aber wohl hinter dem Schalker Manuel Neuer nur eine Nebenrolle spielen.

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