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Foto: Südwind
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ND: Rund 200 Millionen Menschen hat die Wirtschaftskrise Schätzungen zufolge in den Entwicklungs- und Schwellenländern zusätzlich in Armut gestürzt. Das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene hat in einer neuen Studie die Auswirkungen der Krise für die Menschen im Süden untersucht und stellt darin dar, wie Regulierungsschritte und bewusstes Verhalten der Anleger neue Krisen vermeiden können. Sie sprechen in der Studie von einem notwendigen Rettungsschirm für die Armen. Warum?
Schneeweiß: Die aktuelle Krise trifft am meisten die Menschen, die in Asien, Afrika oder Lateinamerika für den Export arbeiten. Zum Beispiel im Bergbau in Afrika oder in den Exportfirmen in Vietnam und Kambodscha. Da kam es durch den Einbruch des Welthandels 2008/2009 zu massiven Entlassungen. Die Leute landeten auf der Straße und drängten zum Beispiel als Wertstoffsammler auf den informellen Sektor. Da wurde es aber eh schon eng für diejenigen, die bereits dort arbeiteten – und das führte zu massiven Existenznöten.
»Jede Krise bietet eine Chance« heißt es dennoch in Ihrer Studie. Wie sieht diese Chance aus?
Die großen Schwellenländer, besonders Brasilien und China, gehen gestärkt aus der Krise hervor. Sie waren in der Lage, Konjunkturprogramme aufzulegen und damit die Krise abzufedern. Daraus ist eine große Portion Selbstbewusstsein erwachsen. Hinzu kommt, dass jetzt auch die Entwicklungsländer in das »Financial Stability Board« (ein Gremium, das für die G20 Vorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte ausarbeitet, d. Red.) einbezogen wurden und im Internationalen Währungsfonds eine größere Rolle spielen. Insgesamt gesehen, gibt es in der Politik nun eine Handlungsbereitschaft, den Finanzmarkt in die Schranken zu verweisen – auch wenn das in Europa erst relativ spät in der Folgekrise um Griechenland der Fall war.
Also nutzt die Politik diese Chance?
Erst dachte man nein, denn 2009 ging die Konjunktur wieder bergauf, während in der Politik viel geredet, aber nichts getan wurde. Das ist 2010 anders. Das Verbot von Leerverkäufen für deutsche Aktiengesellschaften und bestimmte Staatsanleihen ist ein Schritt, den der Kapitalmarkt übel nimmt. Auch die Debatte um die Finanztransaktionssteuer zeigt ein ganz anderes Szenario als noch 2009.
Sie fordern eine Verbindung von Geld und Gewissen – wie geht das zusammen?
Im Prinzip hat jede Geldanlage oder Investition einen ethischen Anteil. Es geht nicht nur um die Rendite, sondern auch darum, wie der Gewinn erwirtschaftet wird. Viele Investoren stellen inzwischen diese Frage. In Europa werden bereits rund 17 Prozent der Geldanlagen nachhaltig angelegt. Es gibt einige Banken, die bei allen Anlagen danach vorgehen, auch wenn es für viele andere noch unüblich ist. Aber es ist auf dem Vormarsch.
Ethisches Investment – was können wir als einzelne tun?
Für die eigene Bankverbindung gibt es durchaus die Alternative, zu einer Bank zu gehen, die ethische Grundsätze berücksichtigt. Und für Geldanlagen gibt es bereits ca. 260 Nachhaltigkeitsfonds, deren Kriterien aber teilweise eher oberflächlich sind. Hier sollte man bei den Banken kritisch nachfragen, zum Beispiel welche Kriterien genau angewendet werden.
Fragen: Mona Grosche
Wolfgang Kessler und Antje Schneeweiß (Hg.): Geld und Gewissen. Was wir gegen den Crash tun können, Südwind-Institut, Siegburg 2010, 184 Seiten, 5,00 Euro: Bezug: www.suedwind-institut.de
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