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Haiti ist aus den Schlagzeilen heraus. Doch auch vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben, das rund 300 000 Menschen das Leben gekostet hat, gleicht die Karibikinsel noch einem riesigen Notlager. Davon abgesehen ist der Abbruch von Ruinen dominierender als der Neubau von bescheidenen Unterkünften, wie sie Entwicklungsminister Dirk Niebel vergangene Woche einweihen durfte. Mit deutschen Geldern gebaute zwölf Quadratmeter große Hütten ohne Licht, Fenster und fließend Wasser sind für nicht wenige der begünstigten Haitianer mehr, als sie vorher ihr Eigen nannten.
Wenig deutet im Moment darauf hin, dass die haitianische Regierung von René Préval in der Lage ist, den Wiederaufbau zu leiten. Den großen Gebernationen, die im März fast 10 Milliarden Dollar zusagten, kommt das zupass. So haben sie gute Argumente, auf eine internationale Aufbaukommission zu bestehen und die weiteren Geschicke Haitis direkt zu bestimmen. Indirekt haben sie es auch schon vor dem Erdbeben getan. In der Vergangenheit wurde aus dem bitterarmen Haiti rausgepresst, was an Schuldendienst herauszupressen war.
Um Haiti in die Lage zu versetzen, statt am Tropf zu hängen, Überschüsse zu erzielen, müsste exakt die Liberalisierungspolitik umgedreht werden, die Haiti schon weit vor dem Erdbeben maßgeblich ins Elend gestoßen hat. Dass die Geberstaaten daran denken, ist nicht ansatzweise auszumachen. Die Blankovollmacht, die Haitis Präsident René Préval der US-amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton ausstellen musste, steht für das Gegenteil. Die offenkundige Schwäche der Regierung Haitis ist auch – wenn auch nicht nur – ein Produkt der internationalen Haiti-Politik. Für einen tragfähigen Wiederaufbau stehen die Zeichen somit schlecht.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Haitis Präsident will länger amtieren Kritik von Opposition und Bevölkerung
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