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Von Christian Klemm 02.06.2010 / Ausland

Chronologie eines Angriffs

Annette Groth schildert den Ablauf der »Marmara«-Erstürmung

Zu der fünfköpfigen Delegation aus der Bundesrepublik gehörte auch Annette Groth. Sie befand sich mit ihrer Fraktionskollegin Inge Höger zur Zeit des Angriffs der israelischen Marine im Unterdeck des türkischen Schiffes »Mavi Marmara«. Männliche und weibliche Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt getrennt. Insgesamt sollen etwa 600 Menschen an Bord gewesen sein. Groth schildert gegenüber ND den Ablauf der Ereignisse vom Montag:

4.20 Uhr: Mehrere Schnellboote näherten sich der »Marmara«. Mit Strickleitern enterten schwerbewaffnete Elitesoldaten das Schiff. Parallel dazu kreisten Armeehubschrauber am Himmel. Soldaten seilen sich ab und begannen, die »Marmara« zu stürmen. Wie von Piraten wurde das Schiff gekapert. Sofort nachdem die Soldaten an Bord waren, fielen die ersten Schüsse. Bereits zu diesem Zeitpunkt, so gibt Groth Auskunft, habe es die ersten Toten gegeben. Wie viele israelische Soldaten an der Operation beteiligt waren, kann die Abgeordnete nur schätzen. Mehrere hundert seien es aber gewesen.

6.30 Uhr: Die beiden deutschen Abgeordneten wurden von israelischen Armeeangehörigen zu dem Deck gebracht, wo sich die Männer, unter ihnen Norman Peach, Matthias Jochheim und Nader el-Sakka, befanden. Anschließend fingen die Soldaten an, die Friedensaktivisten zu durchsuchen. Kameras, Mobiltelefone, Tonbandgeräte und andere elektronische Geräte wurden konfisziert. Groth, Höger, Paech, el-Sakka und Jochheim wurden mit Kabelbindern an den Händen gefesselt. »Todesangst habe ich trotz der Bedrohung keine gehabt«, sagte Groth.

Die Marinesoldaten übernahmen schnell die Kontrolle über die »Marmara«. Nach Einschätzung Groths hat die Fahrt nach Aschdod, dem israelischen Hafen nördlich des Gaza-Streifens, »etwa acht bis neun Stunden« gedauert.

18.30 Uhr: Als letztes der sechs Schiffe des gekaperten Hilfskonvois erreichte die »Marmara« den israelischen Hafen.

21.15 Uhr: Inge Höger und Annette Groth verließen das türkische Schiff. Die drei anderen Delegationsmitglieder gingen später von Bord. Noch am selben Abend wurden sie in einem »Knastwagen« zum Flughafen gebracht. Dort wurden sie in einem Gefangenenlager behelfsmäßig für einige Stunden einquartiert.

3.00 Uhr: Mitarbeiter der deutschen Botschaft haben die Deutschen besucht. Sie wurden von den Reaktionen der Bundeskanzlerin und des Außenministers informiert. In einer Stellungnahme hatte Angela Merkel »schnellstmögliche Aufklärung« der Vorfälle verlangt. Guido Westerwelle äußerte seine Bestürzung über das Vorgehen Israels.

6.20 Uhr: Die fünf Deutschen wurden von den Israelis direkt zu einem Flugzeug der Fluglinie El Al gebracht. Sie verließen den Nahen Osten in Richtung Deutschland.

Wie Höger, Paech, Jochheim und al-Sakka hat auch Groth unterschrieben, dass sie sich mit der Abschiebung aus Israel einverstanden erklärt. Mehrere schwedische Friedensaktivisten wollen dieses Schriftstück offensichtlich nicht unterschreiben. Wie berichtet wird, wollen sie es auf einen Prozess in Israel ankommen lassen. Die Schweden werden voraussichtlich längere Zeit in einem Gefängnis bleiben müssen. Eine Option gegen die sich die fünf Deutschen entschieden haben.

9.45 Uhr: Die deutschen Friedensaktivisten landeten in Berlin.

12.15 Uhr: Auf einer Pressekonferenz im Reichstag schilderten die fünf Mitglieder der Delegation die Erstürmung der »Marmara« durch israelische Streitkräfte.

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