Von Ralf Streck, San Sebastian
05.06.2010

Angst um Spaniens Sparkassen

Fusionen sollen Neuordnung des angeschlagenen Sektors voranbringen

Zu den Problemen mit dem Staatshaushalt sind in Spanien nun auch Sorgen um die Stabilität des Sparkassensektors hinzugekommen.
Als sich im Mai der spanische Ministerpräsident mit dem Oppositionsführer nach 18 Monaten erstmals zusammensetzte, bestimmte Uneinigkeit das Bild. Nur an einem Punkt waren sich der regierende Sozialist José Luis Rodriguez Zapatero und der Konservative, Mariano Rajoy, einig. Gemeinsam wollen sie bis zum 30. Juni ein Gesetz zur Neuordnung des Sparkassensektors einbringen.

Dies war ein deutliches Zeichen dafür, dass es um viele Sparkassen schlechter bestellt ist als befürchtet. Am Pfingstwochenende musste mit der andalusischen CajaSur die zweite Sparkasse in Staatshand übernommen werden; schon seit letztem Jahr hat die Zentralbank bei der Caja Castilla-La Mancha (CCM) das Sagen. Das Institut sei von »Tag zu Tag mehr ausgeblutet«, wie CajaSur-Verwaltungsratschef Santiago Gomez Sierra einräumte. Zuvor war die Fusion mit der größten Sparkasse Andalusiens, Unicaja, gescheitert. Nach dem Platzen der Spekulationsblase auf dem Immobiliensektor haben sich die Zahlungsausfälle der CajaSur auf 8,5 Prozent der Kreditsumme erhöht. Viele Privatkunden, aber auch Bauträger und Immobilienfirmen zahlen ihre Darlehen nicht mehr zurück. CajaSur war wie auch die CCM bei einem Privatflughafen engagiert gewesen, der in dieser Woche in die Insolvenz gegangen ist.

Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit, die im spanischen Durchschnitt mittlerweile bei 20 Prozent liegt, ist es kaum verwunderlich, dass viele Privatleute die Kredite für ihre in Boomzeiten überteuert gekauften Wohnungen nicht mehr bezahlen können. Gerade in Andalusien, wo sogar 27 Prozent arbeitslos sind, wird für viele Sparkassen die Lage in Regionen bedrohlich, wo der Immobilienboom besonders gewütet hat. Hier und rund um die Hauptstadt Madrid sitzen Sparkassen und Banken auf zahllosen unverkäuflichen Wohnungen. Nach Schätzungen steht in Spanien mindestens eine Million Wohnungen leer. Würden sie mit ihren realen Werten in den Bilanzen geführt, wären viele Institute längst pleite. Auch wenn die Zahlungsausfälle nach Angaben des Sparkassenverbands CECA leicht zurückgegangen sein sollen, liegen sie mit 5,2 Prozent bei den Sparkassen noch immer sehr hoch. Bei den Banken sind sie nur unwesentlich geringer, doch diese sind breiter und internationaler aufgestellt, weshalb sie die Ausfälle im heimischen Immobilienbereich meist besser ausgleichen können.

Derweil tritt mit der Caja Madrid die zweitgrößte Sparkasse die Flucht nach vorn an. Das vom früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Rodrigo Rato, geführte Institut will sich mit drei Milliarden Euro aus einem staatlichen Topf gesundstoßen, um die Fusion mit fünf weiteren Kassen voranzutreiben. Außerdem soll aus der Caja Mediterráneo, Cajastur, Caja Cantabria und Caja Extremadura der größte Sparkassenverbund entstehen.

Da solche Fusionen auch politisch erwünscht sind, muss der dafür mit bisher 9 Milliarden Euro ausgestattete staatliche Bankenrettungsfonds wohl aufgestockt werden, Sparpläne hin oder her. Allerdings werden die Probleme damit in der Hoffnung auf eine baldige Erholung der Wirtschaft lediglich hinausgezögert; es sind nämlich meist angeschlagene Sparkassen, die fusionieren wollen. Namen von starken, stabilen Instituten wie der katalanischen La Caixa tauchen bisher nicht auf.


Lexikon

Unter einer Sparkasse versteht man ein Kreditinstitut, das den Normalbürgern die Möglichkeit zum verzinslichen Sparen geben und den Mittelstand mit Krediten versorgen soll. In vielen Ländern, wie in Deutschland oder Spanien, sind die einzelnen Sparkassen auf bestimmte Regionen beschränkt und gehören den jeweiligen Kommunen. Das Gewinnstreben soll zumindest nicht im Vordergrund der Tätigkeit stehen. Diese Institute arbeiten auf der Grundlage spezieller Sparkassengesetze. ND

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken