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Von Steffen Schmidt 08.06.2010 / Wirtschaft

Längere Laufzeiten für AKW als Brücke?

DIW-Studie sieht Problem vor allem bei Kohle

Die Bundesregierung ist auf Kollisionskurs: Sie will die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke verlängern, egal ob sie dazu die Zustimmung des Bundesrats bekommt oder nicht. Da kommt ein Gutachten aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) wie gerufen, das die AKW als Brücke in die erneuerbare Energiezukunft preist.

Spätestens im Jahre 2040 sieht DIW-Energieexperte Thure Traber das letzte deutsche AKW vom Netz gehen. Doch bis dahin, da ist er sich mit seiner Chefin Claudia Kemfert einig, werde man den Atomstrom noch brauchen, um den störungsfreien Übergang zu einer kompletten Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen zu schaffen. Denn, so das zentrale Argument der im aktuellen DIW-Wochenbericht vorgelegten Studie, die Mehrzahl der derzeit laufenden Kohlekraftwerke würde etwa dann das planmäßige Ende ihrer Lebensdauer erreichen, wenn laut Atomkonsens auch die letzten AKW abgeschaltet werden müssten. Der entscheidende energiepolitische Konflikt bestehe nicht zwischen Erneuerbaren und Atomkraft, sondern zwischen Kohle und Atomkraft, meinte Kemfert bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin.

Das DIW-Szenario erwartet, dass bis 2020 die Stromerzeugung zu gut einem Drittel auf erneuerbare Energien umgestellt ist, ohne die Stromrechnung der Verbraucher zu sehr zu belasten. In diesem Zeitraum müssten allerdings verlängerte AKW-Laufzeiten den andernfalls nötigen Neubau von Kohlekraftwerken vermeiden helfen. Denn derzeit plane wegen der hohen deutschen Erdgaspreise kein großer Versorger die eigentlich günstigeren Gaskraftwerke. »Zum zweiten müssen wir an der Förderung der erneuerbaren Energien festhalten«, so Energieexpertin Kemfert. Sie rief die Bundesregierung dazu auf, endlich ein Energiekonzept vorzulegen.

Bei der bisherigen Energieversorgung in Deutschland gibt es erheblichen Umbaubedarf: Zwei Drittel des Stroms werden heute in Atom- beziehungsweise Kohlekraftwerken erzeugt. Bei beiden Energieträgern ist ein Ausstieg geboten: bei Kohle aus Klimaschutzgründen, bei Atomkraft aus Sicherheitsgründen, wegen der ungelösten Entsorgung und aufgrund mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung.

Auf die Frage, wieso das DIW den längeren Betrieb der AKW für eine Hilfe beim Umstieg auf Erneuerbare sieht, während der Sachverständigenrat für Umweltfragen darin ein Hindernis sieht, meinte Kemfert nur, die Sachverständigen hätten eine Reihe zu optimistischer Annahmen in ihre Szenarien eingearbeitet, so etwa beim Zugang zu den norwegischen Wasserkraftwerken als Energiespeicher. Einen Komplettumstieg auf 100 Prozent Erneuerbare bis 2050 hält sie daher für zu ehrgeizig.

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