Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Jedenfalls bei Büchern. Beim Betrachten der Auslagen einer Buchhandlung entdecke ich ein Kleinod. Das Buch, das ich gern selbst (aber, wie sich später herausstellen soll, niemals so gut) verfasst hätte.
Es gibt zweifellos Inselromantik, z.B. auf Pukapuka, wo bis heute noch keine einengenden Moralvorstellungen existieren, sonder nur die pure Lust am Leben. Weitaus häufiger aber ist das mit nesophiler Nachsicht allzu gern verdrängte Inselgrauen: Gab es nicht bis in die jüngste Zeit hinein noch Sträflingsinseln? Zündete nicht Frankreich erst kürzlich die grauenvollste aller Bomben über den friedlichsten aller Atolle? Sorgen wir nicht durch unsere Klima-Ignoranz selbst für den Untergang zahlreicher Inselwelten, z. B. von Takuu, die zu Papua-Neuguinea gehört und nur wenige Meter über den Meeresspiegel hinausragt? Auf dem pazifischen Tikopia werden Neugeborene umgebracht, wenn die Einwohnerzahl von 1200 überschritten wird. Mehr Menschen kann die Mini-Insel (4,7 Quadratkilometer) selbst in guten Zeiten nicht ernähren. In schlechten bringen viele sich selbst um. »Das Paradies ist eine Insel. Die Hölle auch.«
Judith Schalansky stellt sie alle vor: die einsamsten Inseln der Welt, von denen sie Karten entwirft, die jeweils von einem kleinen, wohltuend kritischen und nicht immer sehnsuchterweckenden Text begleitet werden. Die Karten sind großartig, in vielen Fällen vermutlich sogar einzigartig. Ein winziges Fleckchen Erde, ein Minifelsen, und rundherum Wasser, nichts als Wasser. Doch welche Insel liegt am weitesten von jedem anderen (Ei-)Land entfernt? Ist es die unbewohnte südatlantische Bouvetinsel (2510 Kilometer bis zum Kap der Guten Hoffnung, 1700 Kilometer bis zur Antarktis, 1910 Kilometer bis Tristan da Cunha)? Oder ist es die pazifische Osterinsel mit ihren seltsamen Skulpturen (3690 Kilometer bis Chile, 4190 Kilometer bis Tahiti) Oder die französische Besitzung Amsterdam im Indischen Ozean (4290 Kilometer bis Südafrika, 3370 Kilometer bis Australien, »nur« 90 Kilometer bis zur »benachbarten« Sankt-Paul-Insel), die – gleich zahlreichen anderen Winzlingen – sogar bewohnt ist: von 25 Menschen.
Die Straßen führen meistens ins Nirgendwo, wie etwa auf der zu Mexiko gehörenden Insel Socorro. Von der früheren Walfangstation verläuft eine kurvige, ca. sieben Kilometer lange Straße (oder doch eher nur ein Pfad?) geradewegs ins Nichts. Die Insel, immerhin 132,1 Quadratkilometer groß, ist unerschlossene Wildnis aus dichtestem Dschungel, Dornenranken und Kaktusstacheln. Noch kurioser die Robinsoninsel: im Westen rund zehn Kilometer »Straße«, im mittleren Osten der Ort San Juan Bautista mit geschätzten 900 Metern Straße, ohne jede Verbindung zur westlichen »Hauptstraße«. Heute allerdings lebte Robinson Crusoe alias Alexander Selkirk nicht mehr einsam und allein auf seiner Insel, sondern müsste sie sich mit 633 Bewohnern teilen.
Ein wunderschönes Buch. Diesen Atlas wird man immer wieder gern hervorholen, um darin zu stöbern. Wer reif ist für die Insel: hier kann er seine Wahl treffen!
Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln. Mareverlag, Hamburg. 143 S., 34 €. Foto: dpa
Tag fuer Tag die unerbarmliche Hitze und immer die peinigenten Moskitos. Dann ermattet und alle Knochen schmerzen. Allein unter dem Moskitonetz. Zu schwach um sich auf den langen Weg zu einem Arzt in der Hauptstadt zu machen. Fuer Denguefieber kann der Arzt nur uebewachen ob die Blutwerte durch innere Verblutung zu niedrig werden - dann kritisch in die Intensivstation. Heute gibt es auf allen bewohnten Inseln auch Rechtsanwaelte welche gern die einheimischen Damen vertreten und zunaechst erst einmal eine "Ausreisesperre" fordern, damit der "Inselabenteurer" noch bleibt bis alles "aufgeklaert" wird! Und Kochgas hat es auch wieder keines gegeben - das Schiff is verspaetet. Rauch gibt es sowieso schon den ganzen Tag, denn die Einheimischen brennnen die Gelaende ab um fuer die naechste Ernte "zu reinigen", und Holzkohlemeiler qualmen in den noch restlichen Urwald. Und der "Griff" den man im Schlaf in der Nacht am Handgelenk gespuert hat - das war die grosse Ratte welche man dann durch die Kueche huschen sieht: Aber Katzen sind Mangelware - denn da gibt es einheimische Feinschmecker. Aber die Bude in welcher Vudu-Artikel verkauft werden, nimmt eine Bestellung fuer zwei Katzen - aber die verichten ihre Sache dann ausgerechnet vor der Tuere der aufgeregten Nachbarin. Jetzt wird auch noch ein Turismuszentrum nebenan gebaut - und die Lastwagen treiben den ganzen Tag Wellen von Staub in die Wohnung, und die Bauarbeiter finden das Klo in der nahen Landschaft. Der freundliche alte Deutsche der fuer einige Wochen immer am Strand hockte und verzueckt in die Ferne blickte, wurde vor Abflug auf Forderung der Interpol verhaftet - man sucht ihn in Europa, "wegen der Bank": Am Besten heute ueberhaupt mit niemand beim Plaudern gesehen werden - auf exotischen Inseln! Jetzt faengt auch noch die Jahreszeit der tropischen Orkane an - aber die kommen nicht ploetzliche wie ein Erdbeben. Wie schoen waere das jetzt am Rande eines kuehlen, vom Nebel umgeisterten deutschen Wald...
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