Etwas ganz Schlimmes muss über die DVU gekommen sein. Von einem »Intrigenspiel«, das in der »zuvor so ruhigen und friedlichen DVU« vonstatten gehe, berichtete Matthias Faust in der Stellungnahme nach seiner Entmachtung als Bundesvorsitzender. Von einer »den Kampf um die deutsche Sache schädigenden Lager-Entwicklung«, die er »bis zum Februar 2009 nicht für möglich gehalten hätte«, schreibt Hans-Otto Weidenbach. Der Bremer Landesvorsitzende und Vizevorsitzender der Bundespartei teilte dem Vorstand Mitte der Woche seinen Rücktritt von allen Parteiämtern mit, angeblich aus gesundheitlichen Gründen.
Schon die Form der Informationsübermittlung lässt Zersetzungstendenzen in der Partei erahnen. Während auf der Website der DVU mit Ingmar Knop ein weiterer Parteivize ein flammendes Plädoyer für die Zusammenlegung mit der NPD halten darf (»Ja, ich will!«), finden sich die Nachrichten über die Abgänge von Weidenbach und dem hessischen Landesvorsitzenden Gerald Wissler wenig vorher lediglich in den randständigen Links zu »Gesamtrechts.net«. Das rechte Portal wiederum verweist auf einen Text von »NDR info« bzw. »NPD.Blog.info«.
Über den erbärmlichen Zustand der DVU gibt das noch an Faust gerichtete Austrittsschreiben von Gerald Wissler weiteren Aufschluss. Jener bemüht, um sein Handeln zu begründen, eine gänzlich undeutsche Weisheit der Sioux: »Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab.« Er übt vernichtende Kritik an der DVU, bei der es sich selbst zur Zeit des früheren Vorsitzenden, Gründers und Hauptgeldgebers Gerhard Frey lediglich um »eine Art ›Parteiensimulation‹« gehandelt habe. Er spricht von der offenbar stattlichen Zahl an »Ehrenmitgliedern«, welche zwar die Mitgliederzahl aus dem Bereich der absoluten Peinlichkeit retteten, aber kein Geld in die Kasse brachten. Deren Erwähnung auf dem Parteitag der NPD vor zwei Wochen führte zu großer Heiterkeit.
Rund 900 000 Euro Schulden soll die DVU haben, die nach Medieninformationen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011 nicht mehr antreten will. Diese Entscheidung kommt Wissler zufolge »einer Selbstaufgabe der DVU«, gleich.
Nach der Aufkündigung des so genannten Deutschland-Paktes mit der NPD scheint auch die Ausrichtung der Politik der Partei ein großer Streitpunkt zu sein. Gibt man sich einen bürgerlich-konservativen Anstrich, wie es Frey stets versuchte, oder nähert man sich der militanten Kameradschaftsszene an? Wissler spricht von einem »großen Einfluss«, den u. a. der Hamburger Neonazi Christian Worch auf »Teile der Partei« hätte, jenseits eines im April getroffenen Unvereinbarkeitsbeschlusses der Zusammenarbeit mit ihm. Kenner der Szene vermuten Christian Worch hinter dem »narzisstischen Egozentriker«, dem Faust das »Intrigenspiel« in der Partei zur Last legt. Kein Wunder, dass sich bei »Altermedia«, dem Internetportal der militanten Kameradschaftsszene, die am wenigsten schmeichelhafte Beschreibung der DVU findet: Es handele sich dabei »nur noch um totes Fleisch«.
Es verstehe einer die DVU: Für die Bestrebung, die kläglichen Reste der Partei durch die Fusion mit der NPD am Leben zu erhalten, feuert sie ihren Vorsitzenden. Dabei schnitt die NPD mit 1,5 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl noch 15-mal besser ab. Auf jenen kläglichen Resten will nun auch sonst niemand sitzen bleiben.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Faust aus DVU ausgeschlossen Parteichef soll Fusion mit NPD ohne Vollmacht angekündigt haben
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