Regina Stötzel
19.06.2010
Personalie

Preisgekrönt

Rita Süssmuth wurde Trägerin des »Regine-Hildebrandt-Solidaritätspreises«

Was für eine Karriere: 1981 trat sie in die CDU ein, 1987 war sie »Frau des Jahres« und danach zehn Jahre lang die zweite Frau im Staate. Die kurze, ruhigere Zeit nach dem Machtwechsel zu Rot-Grün und ihren »Dienstaffären«, die ihrer Popularität großen Abbruch taten, obwohl ihr kein Fehlverhalten endgültig nachgewiesen werden konnte, nutzte sie, um den Führerschein zu machen.

Jetzt erhält Rita Süssmuth den »Regine-Hildebrandt-Preis für Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut«. Die Stiftung Solidarität würdigt damit u. a. »ihren beherzten Einsatz für Migration, Integration und Ausländerrecht« und »ihr unerbittliches Engagement gegen jedwede Geschlechterdiskriminierung«. Am Freitag wurde das Preisgeld von 30 000 Euro in Bielefeld unter Süssmuth, dem Wuppertaler Sozialdienst »Tacheles« und dem Düsseldorfer Verein »Gemeinsam gegen Kälte« aufgeteilt.

Laudator Manfred Stolpe (SPD) hob hervor, dass Süssmuth sich gegen den Widerstand aus der eigenen Partei klar für »Deutschland als Zuwanderungsland« ausgesprochen hätte – also den Dingen realistisch ins Auge blickte. Immerhin nannte sie die von Roland Koch ins Leben gerufene rassistische Unterschriftenaktion gegen doppelte Staatsbürgerschaft im Jahr 1999 »keinen angemessenen Weg«. Und die Vorschläge, welche später die »Unabhängige Kommission Zuwanderung« – auch Süssmuth-Kommission genannt – unter ihrer Leitung erarbeitete, gingen der rot-grünen Regierung, allen voran Innenminister Otto Schily (SPD), zu weit.

Süssmuth wurde, insbesondere bevor man sie als Bundestagspräsidentin ruhig stellte, oft in einem Atemzug mit Heiner Geißler und Norbert Blüm genannt. Sie galt als Reformerin in ihrer Partei und ein bisschen sozialdemokratisch. Für Linke war die Professorin für Erziehungswissenschaften eine, die keinen Knüppel braucht, um missliebige Subjekte der Gesellschaft zur Räson zu bringen – tun es doch auch Fürsorge und Erziehung, wenn man sie beharrlich genug anwendet. Noch im Zuge der Diskussion um die Berliner Rütli-Schule klagte die frühere Bundesfamilienministerin: »Es fehlt an einer Grenzen setzenden Erziehung, die zugleich fördert und fordert, nämlich: Disziplin und Respekt und Rücksicht.«

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