Mieser Beigeschmack im Gourmetfrühstück: Der gern dazu gereichte Lachs wird oft unter katastrophalen Bedingungen in sogenannten Aquakulturen gezüchtet. Durch die Farmen kommen unter anderem Seelöwen, Wale und Delfine zu Tode oder werden vertrieben, berichtete jetzt die Biologin Heike Vester vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation.
Ein von Vester aufgenommenes Foto zeigt eine Gruppe Seelöwen auf einem Felsen. Eines der Tiere hat eine enge Schlinge um den Hals, die es zu erdrosseln scheint. Viele Seelöwen verfangen sich in den um die Lachsfarmen gespannten Schutznetzen, sagt die Wissenschaftlerin. Selbst wenn die Seelöwen sich aus den Netzen losreißen könnten, bleibe oft ein Teil des Netzes zurück, an dem sie im Verlauf ihres Wachstums erstickten.
Ursprünglich konzentrierten sich die chilenischen Lachszuchtbetriebe auf den Norden der Provinz Aysén. Doch das Virus ISA (Infectious Salmon Anemia), das bei Lachsen zu Blutarmut und Tod führt, zwang viele Betreiber zum Aufgeben. Seitdem breiten sich die Farmen immer mehr in den Süden von Aysén bis nach Patagonien aus. Während Teile der Provinz selbst den Status eines Nationalparks haben, gilt dieser Schutz nicht für das angrenzende Meer.
Vester und ihre Kollegen besuchten auch die aufgegebenen Betriebe im Norden – den Forschern bot sich ein trostloses Bild: »Die kranken Fische wurden offenbar nicht entsorgt, sondern zum Teil einfach in Plastikbeuteln im Wasser versenkt«, berichtet Vester. »Der Virus konnte so offenbar in das Ökosystem eindringen«, schlussfolgert die Biologin.
Die Lachsfarmen im Süden belasten das Ökosystem auf andere Weise: Vester hat beobachtet, dass überschüssiges Futter für die Zuchtfische und Kot in großen Mengen im Wasser treiben. Dem Futter wird in der Regel Farbstoff beigemischt, damit das Lachsfleisch eine kräftigere Rotfärbung erhält. Die gedrängte Haltung der Lachse erzwinge außerdem den Einsatz von Medikamenten – dies war allerdings schon aus anderen Ländern bekannt. Messungen ergaben, dass in der unmittelbaren Umgebung der Farmen keinerlei Leben mehr existiert. »Überall liegt ein Geruch wie von Bleichmittel in der Luft«, sagt Vester.
Zudem sorgt der Bootsverkehr für einen ständigen Lärmpegel in den Fjorden, ergänzt Marc Timme vom Max-Planck-Institut, der Vesters Dissertation betreut. »Dieser Lärm kann die bedrohten Meeressäuger wie etwa Blau-, Buckel- und Seiwale sowie Peale-Delfine und Chilenische Delfine vertreiben und ihre Kommunikation in den verzweigten Fjorden und Kanälen stören.«
Über ihre Beobachtungen berichten die Göttinger Forscher in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Nature«. Darin regen sie auch an, dass Lachsindustrie, Fischer und Umweltschützer gemeinsam eine Lösung des Problems suchen sollten.
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