Als »das richtige Wort zur richtigen Zeit« haben die Organisatoren des »Transgenialen Christopher Street-Day« den Redebeitrag bezeichnet, mit der die international bekannte Philosophin und Gender-Theoretikerin Judith Butler am vergangenen Sonnabend die Ablehnung des »Zivilcourage«-Preises des großen Berliner Christopher Street-Day (CSD) begründete. Zudem warfen sie dessen Organisatoren vor, dass diesen auch nach der Kritik Butlers »an der Auseinandersetzung mit dem eigenen Rassismus nicht gelegen« sei.
Butler, die Literaturwissenschaft an der US-Universität Berkeley lehrt, hatte Teilen der Organisatoren des schrillen Umzuges Rassismus vorgeworfen und dazu aufgerufen, den kleineren »transgenialen CSD«, der am heutigen Samstag in Berlin-Neukölln startet, zu unterstützen.
Der »Transgeniale CSD«, zu dem vor allem Migrantengruppen und linke Organisationen aufrufen, hatte sich bereits vor Jahren konstituiert, um ein politisches Gegengewicht zum vielfach als unpolitisch kritisierten und karnevalsähnlichen Groß-CSD zu setzen. Vor allem sprachen sich die »Transgenialen« stets gegen soziale Verdrängung, die Kommerzialisierung der schwul-lesbischen Szene und Militarismus aus und kritisieren die Politik des vom »rot-roten« Senat geförderten »Lesben- und Schwulenverband in Deutschland« (LSVD) und des Anti-Gewalt-Projektes »Maneo«. Besagte Organisationen waren in der Vergangenheit mehrfach aufgrund rassistischer Statements kritisiert worden. So wurden vor allem aus arabischen Ländern stammende Migranten Opfer von Diffamierungen durch die beiden selbst in der Homoszene umstrittenen Organisationen, die Migranten einen pauschalen Hang zur Gewalttätigkeit und Homophobie unterstellten. Dies schlug sich etwa in den Medien wieder, wo von einem »arabischen Mob« gesprochen wurde oder der Nutzung von der bei Neonazis beliebten Parole »Türken raus!« als Titel des Homomagazins »Siegessäule«.
Im Gegensatz zu den Organisatoren des Groß-CSDs und dem schwulenpolitischen Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Thomas Birk, welche die von Butler geäußerte Kritik massiv zurückwiesen, solidarisierte sich Tülin Duman, Geschäftsführerin des Berliner Vereins »Gays and Lesbians aus der Türkei« (GLADT), mit der Wissenschaftlerin. Von Butlers Rede und ihrer Ablehnung des »Zivilcourage«-Preises gehe das »wichtige Signal aus, Mehrfachzugehörigkeiten und Mehrfachdiskriminierung in den Fokus zu nehmen«, so Duman gegenüber ND.
GLADT gehört zu den Organisatoren des »Transgenialen CSD«, der in diesem Jahr unter dem Motto »Gewaltige Zeiten – Gewaltiger queerer Widerstand!« steht.
Transgenialer CSD am 26.6., Start 14 Uhr am Rathaus Neukölln, Abschlusskundgebung am Heinrichplatz in Kreuzberg.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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