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Von Andreas Fritsche 26.06.2010 / Berlin / Brandenburg

Reinecke Fuchs im roten Parteiblatt

Die kostenlose Zeitung »Wir in Reinickendorf« feiert ihre 100. Ausgabe

Sie heißen »Südwestblick«, »Lupe«, »Mittendrin«, »Extradrei« oder »Infolinks«. Jeder Bezirksverband der LINKEN hat seine Zeitung, auch der in Reinickendorf. Hier heißt das Blatt »Wir in Reinickendorf« (WiR). Gerade ist die 100. Ausgabe erschienen. Zum Jubiläum veranstalten die Reinickendorfer am Sonntag einen politischen Frühschoppen mit Landesparteichef Klaus Lederer. Eingeladen sind auch die Redakteurskollegen der anderen Parteiblättchen.

In ganz Deutschland gebe es rund 200 Printmedien der LINKEN mit einer Gesamtauflage von mehreren hunderttausend Exemplaren, sagt Christoph Nitz, Bundessprecher der Arbeitsgemeinschaft Rote Reporter. Die etwa 750 Mitglieder kümmern sich aber zum Beispiel auch um Internetauftritte. In der Hauptstadt gebe es über 100 Rote Reporter. Die Auflagen der Berliner Bezirkszeitungen, die über Redaktionen mit drei bis zwölf Leuten verfügen, summieren sich Nitz zufolge auf ungefähr 50 000.

Zehn Mal im Jahr erscheint »Wir in Reinickendorf«. Los ging es im Jahr 2000 als Beilage zur Landeszeitung der Berliner PDS mit einer Startauflage von 1000 Exemplaren. Als die Landeszeitung 2002 eingestellt wurde, machte »Wir in Reinickendorf« allein weiter. Mittlerweile liegt die Auflage gewöhnlich bei 3000 Stück. In Wahlkampfzeiten sind es 5000 und auch von der Jubiläumsausgabe wurden 5000 Exemplare gedruckt, ausnahmsweise mit acht Seiten statt der sonst üblichen vier.

Quasi zum Inventar gehört ein gezeichneter Reinecke Fuchs, der in den bisherigen Nummern sehr häufig auftauchte. Ein halbes Dutzend Menschen sorgt für den Inhalt und die Gestaltung. Der einzige gelernte Journalist unter ihnen ist Hans Schuster. Chefredakteur Jürgen Schimrock eignete sich das Zeitungsmachen seit 2002 von Ausgabe zu Ausgabe an. Er schimpfe, wenn die Technik nicht funktioniert, resigniere jedoch nie, verrät Klaus Gloede, der für die 100. Nummer in alten Ausgaben blätterte und sich erinnerte. Dann gebe es da zum Beispiel noch den früheren Dokumentarfilmer Werner Wüste, dem man eindrucksvolle Porträts von Menschen verdanke, die in Reinickendorf gelebt haben.

Ein Mangel etlicher Parteiblättchen der LINKEN besteht darin, dass sie sich ausufernd der Bundes- oder sogar Weltpolitik widmen, obwohl es dafür doch andere Publikationen gibt. Darüber vernachlässigen sie ihr eigentliches Gebiet, das Lokale. Nicht so die Reinickendorfer. Sie geben sich redlich Mühe, in dieser Hinsicht mehr zu liefern als die obligatorische Zusammenfassung der letzten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung. Zwar bleibt in der 100. Ausgabe eine Seite für die Vorstellung der Bundesparteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst vorbehalten. Aber ansonsten finden sich die lokalen Bezüge. Ein Interview mit den Gründern der Vereinigung Heimkinder Deutschland e.V. hat seine Berechtigung, weil das Ehepaar aus Reinickendorf ist, und ein Beitrag über das Massaker der Nazis im tschechischen Lidice geht ausführlich auf den Reinickendorfer Arbeitskreis Lidice ein.

Die Zeitung ist längst nicht nur für die Mitglieder gedacht. Dann wäre die Auflage ja auch viel zu hoch, denn in Reinickendorf gibt es lediglich 83 organisierte Sozialisten. »Wir in Reinickendorf« werde kostenlos an Infoständen weitergereicht oder in Briefkästen gesteckt, erzählt Lutz Dürr, einer der Blattmacher. Bei der Verteilung kommen Gegenden, wo die LINKE bei Wahlen vergleichsweise gute Ergebnisse erzielte, öfter dran. Aber auch Straßenzüge, wo es nicht so gut aussieht, werden bedient. Das Ziel: Pro Legislaturperiode sollte in jedem Briefkasten einmal ein Exemplar gelandet sein.

Zu denen, die für die Jubiläumsausgabe ein Grußwort beisteuerten, gehörte Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD). Er selbst nannte das ein Zeichen der guten Zusammenarbeit in der Sache – nicht nur im Abgeordnetenhaus, sondern auch in der Reinickendorfer Kommunalpolitik. Dabei sind die LINKEN in der Bezirksverordnetenversammlung derzeit gar nicht vertreten. Ihre einstige Bezirksverordnete Renate Herranen war vor der Abstimmung im Jahr 2006 zur damals konkurrierend angetretenen Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit gegangen. Die Sozialisten verpassten wegen Stimmverlusten den Einzug ins Bezirksparlament. So erging es außer ihnen nur den Genossen in Steglitz-Zehlendorf. 2011 soll das korrigiert werden, und vielleicht kann das Blättchen mit dem Fuchs ja einen Beitrag leisten.

Frühschoppen »Wir in Reinickendorf«, 27. Juni, 11 Uhr, Roter Laden, Schlossstraße 22 in Tegel

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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