Saarbrücken (Agenturen/ND). Der rot-grüne Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck hat seine Haltung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr konkretisiert und die Linkspartei in diesem Zusammenhang scharf angegriffen. Um es klar zu sagen, ich finde den Einsatz nicht gut, aber erträglich und gerechtfertigt«, sagte Gauck der »Saarbrücker Zeitung«. Mehrere Vertreter der Linkspartei hatten zuvor erklärt, Gauck sei auch deshalb nicht wählbar für ihre Partei, weil er den Krieg in Afghanistan unterstütze.
Gauck sagte weiter, es sei schon sehr merkwürdig, dass eine politische Richtung, die Jahrzehnte lang den bewaffneten Befreiungskampf in Afrika und anderswo bejubelt habe, nun einen Radikalpazifismus pflege. »Das ist ein taktischer, aber kein ethischer Pazifismus.« Er wies auch den Vorwurf aus der LINKEN zurück, er habe als Pfarrer zu DDR-Zeiten Privilegien gehabt. »Das ist ein trauriger, ein empörender Umgang mit der Wahrheit.« Seine Söhne hätten außer Landes gehen müssen, um die Berufe erlernen zu können, die sie heute ausübten, sagte er. »Wenn jetzt die verwöhnten Kinder der roten Bourgeoisie von einst so über mich urteilen, dann ist dies erbärmlich und hat mit politischer Aufklärung nichts zu tun.« Gauck sprach der Linkspartei erneut die Regierungsfähigkeit ab und kritisierte auch die LINKE-Präsidentschaftskandidatin Luc Jochimsen, die ihm Unversöhnlichkeit gegenüber den ehemaligen Bürgern der DDR vorgehalten hatte.
Die Linkspartei-Vorsitzende Gesine Lötzsch bekräftigte die Ablehnung Gaucks: »Für die LINKE steht fest: Joachim Gauck ist nicht unser Kandidat, und es gibt nichts, was uns vom ersten zum dritten Wahlgang so ändern könnte«, sagte sie dem Deutschlandradio Kultur. Der Linkspartei-Fraktionschef im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, sagte, er sehe kein Werben Gaucks um Stimmen der LINKEN. Fraktionsvize Dietmar Bartsch plädierte jedoch dafür, die Entscheidung erst vor einem eventuellen dritten Wahlgang zu treffen.
Der Kandidat der schwarz-gelben Koalition, Christian Wulff (CDU), hält es derweil für möglich, dass er erst im zweiten oder dritten Wahlgang Erfolg hat. »Manchmal habe ich gewisse Zweifel, dass es im ersten Wahlgang glückt«, sagte Wulff am Samstag in Stuttgart. Er gehe aber davon aus, dass es danach klappt. »Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich es schaffe.« Wulff warb in Bayern und Baden-Württemberg um Wahlleute beider Länder in der Bundesversammlung am Mittwoch. Er wolle im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten ein Brückenbauer werden, kein Polarisierer, versicherte er bei der Vorstellung.
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