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Von Jürgen Amendt 01.07.2010 / Inland

Mehr Qualität, weniger Bürokratie

Hochschulen wollen mit neuer Agentur die universitäre Lehre verbessern

Die Lehre an deutschen Hochschulen soll besser werden. Dazu will die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) eine Lehrakademie ins Leben rufen. Das gab die HRK gestern in Berlin bekannt.

Praxisferne Studieninhalte, didaktisch schlecht qualifizierte Lehrende, überfüllte Hörsäle – die Liste der Missstände in der universitären Lehre ist lang. Zahlreich sind auch die Vorschläge, wie dem Manko begegnet werden kann. Bereits 2008 hatte die HRK Empfehlungen verabschiedet, die eine verbesserte Personalausstattung, die Weiterqualifizierung der Lehrenden sowie die Förderung innovativer Lehrkonzepte forderten. Mit einer neuen Institution will die HRK diese Empfehlungen jetzt umsetzen. Die »Akademie für Lehre und Lernen« wird, wie HRK-Präsidentin Margret Wintermantel gestern vor der Presse betonte, Gelder vor allem für besonders personalintensive Fächer bereitstellen. Die Hochschulen können Anträge stellen, über die ein Gutachtergremium aus Professoren, Wissenschaftlern und Studierenden entscheiden wird. Als Beispiel für innovative Lehrkonzepte nannte Wintermantel Uni-Vorlesungen, die über das Internet übertragen und von Studierenden auf dem heimischen PC verfolgt werden können.

Zusätzlich wird ein weiteres neues Projekt der HRK die Universitäten bei der Gestaltung der Studiengänge beraten. Für eine Laufzeit von vier Jahren hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung dafür sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ziel dieses Projekts ist es, u. a. Quereinsteiger, die zuvor eine Berufsausbildung absolvierten, sowie Studienbewerber mit Migrationshintergrund bzw. bildungsferner Herkunft zu fördern. Verbessert werden soll auch die Berufsfähigkeit der Studenten. Im Zentrum steht hierbei der Abschluss »Bachelor«. Viele Arbeitgeber wüssten über diesen Studienabschluss noch zu wenig. Die HRK plant, diese Wissenslücke mit einer Informationskampagne zu schließen.

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen fließen die Gelder für die Hochschulen spärlicher. Das spürt auch die HRK. Während der Bund bei der Finanzierung der Hochschulen in den letzten Jahren sich zunehmend engagiere, zögen sich manche Bundesländer aus ihren bildungspolitischen Verpflichtungen zurück, kritisierte Wintermantel. »Die Länder driften immer weiter auseinander«, stellte die HRK-Chefin fest. In der HRK-Kritik stehen vor allem finanzschwache Länder im Norden wie Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Besonders empört zeigte sich Wintermantel über die vom Land Schleswig-Holstein beabsichtige Schließung des Studiengangs Medizin an der Universität Lübeck. Ohne Not werde eine leistungsfähige und national wie international anerkannte Einrichtung beschädigt. Lob von der HRK bekommen dagegen die reichen Südländer. So plane Baden-Württemberg 4000 neue Studienplätze in den technischen Studiengängen ein und Bayern habe den akademischen Bildungsstätten eine Finanzierungsgarantie gegeben.

Verbessert werden muss nach HRK-Sicht zudem das Verfahren zur Akkreditierung neuer Studiengänge. Dieses System, das bei der Umstellung der Studiengänge auf den Bachelor- und Masterabschluss eingerichtet wurde, sei vielfach zu bürokratisch, sagte der HRK-Generalsekretär Thomas Kathöfer. In den einzelnen Bundesländern gebe es unterschiedliche und sich zum Teil widersprechende Regelungen. Wie Wintermantel bemängelte er das obrigkeitsstaatliche Verfahren. Die Gutachter stünden den Hochschulen selten beratend zur Seite. Die Zertifizierung durch die Akkreditierungsagenturen sei »kein Qualitätssiegel, sondern lediglich ein Prüfsiegel«, sagte Kathöfer. Vorbild für ein besseres System sei das Verfahren in Finnland, ergänzte Wintermantel. Dort hätten die Gutachter auch eine beratende Funktion.

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