Ein Dönerimbiss brannte, Geschäfte von Vietnamesen wurden angegriffen, das Todesmarschmuseum im Belower Wald und schließlich auch Menschen. Zuletzt aber musste das Bündnis gegen Rechtsextremismus aus Wittstock und Umgebung glücklicherweise keine »Heldentaten« mehr vollbringen, freut sich Sprecherin Gisela Gusowsky-Bork. Neonazis hatten einmal ihren Sohn attackiert, als dieser einen dunkelhäutigen Freund besuchte. Es sei viel erreicht worden, doch man dürfe sich nicht zurücklehnen, warnt Bürgermeister Jörg Gehrmann. Am Freitag erhielt das Bündnis in der Potsdamer Staatskanzlei das Band für Mut und Verständigung.
Genauso geehrt wurde der FC Internationale Berlin, bei dem junge und alte Fußballer aus 38 Nationen trainieren. Zu ihren Spielen treten sie in Trikots an, die den Aufdruck »No racism« tragen. Dringend wünscht sich der Verein, endlich eine eigene Sportanlage im Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu bekommen.
Das dritte Band für Mut und Verständigung des Jahres 2010 erhielt der Potsdamer Integrationsgarten am Schlaatz. Familien zum Beispiel aus Litauen, Russland, Rumänien und Ungarn pflanzen und feiern gemeinsam. Sie stammen meist vom Lande und hatten daher ihre Schwierigkeiten, sich in dem Neubaugebiet der Landeshauptstadt einzugewöhnen. Doch auf dem Gelände eines zuvor brach liegenden Schulgartens konnten sie sich ein kleines Paradies schaffen, »Wurzeln schlagen in der Fremde«, wie sie sagen. Innerhalb von zehn Jahren gab es wiederholt Vandalismus und acht Anschläge. Beim letzten Mal schmierten die Täter Hakenkreuze. Sie konnten nicht gefasst werden. Die Gärtner geben jedoch niemals auf. Sie säen immer wieder.
Einen Sonderpreis bekam die Initiative gegen Rechts in Berlin-Friedrichshain. Sie wehrte sich gegen einen Laden der bei Neonazis beliebten Bekleidungsmarke »Thor Steinar«. Die Initiative bewunderte am Freitag ausdrücklich den Mut einiger Brandenburger. Ihnen in Friedrichshain biete die Großstadt einen gewissen Schutz, den engagierte Antifaschisten in kleinen Städten und Dörfern nicht genießen.
Davon kann die Bürgerinitiative »Zossen zeigt Gesicht«, die ebenfalls mit einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde, ein Lied singen. Bekannt wurde sie durch den erlitten Brandanschlag, der das Haus der Demokratie in der Stadt zerstörte. »Zossen zeigt Gesicht« sieht sich mit Morddrohungen konfrontiert, lässt sich jedoch nicht einschüchtern. Schmerzlich seien die nicht mehr nachvollziehbaren Anwürfe von Bürgermeisterin Michaela Schreiber, beklagte der Sprecher der Bürgerinitiative Jörg Wanke. Zunächst sei man von der Rathauschefin als Unruhestifter und Nestbeschmutzer beschimpft worden. Inzwischen müsse man sich sogar den Vorwurf des Linksextremismus anhören. Wanke bat die Politik deswegen um ein »Machtwort«.
Das Band für Mut und Verständigung wird seit 1993 verliehen, immer im Wechsel in Berlin und Potsdam.
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