Die »FAZ« hat ihn einmal als »Norbert Blüms Enkel« bezeichnet, jetzt könnte man von ihm vielleicht als letztem Vermächtnis Jürgen Rüttgers' (CDU) sprechen. Denn Karl-Josef Laumann hat in den letzten Wochen angekündigt, dass er das Erbe des scheidenden Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen fortsetzen will.
Seit gestern ist Laumann neuer Fraktionschef der NRW-CDU. In einer Kampfkandidatur um die Nachfolge von Ex-Amtsinhaber Helmut Stahl siegte er mit 34 zu 32 Stimmen knapp über Kontrahent Armin Laschet. Der ist Integrationsminister in NRW und war auf Distanz zur bisherigen Politik Rüttgers' gegangen. Von den Abgeordneten – einer hatte sich der Stimme enthalten – wird die Wahl deshalb auch als Entscheidung über den weiteren Kurs der NRW-CDU gewertet.
Ursprünglich wollte Laumann – wie sein Vater – Bauer werden. Dann jedoch kam erst die Ausbildung zum Maschinenschlosser, danach die Parteikarriere, die für ihn bei der Jungen Union im Kreis Steinfurt begann. Seit 1974 – damals war er 17 Jahre alt – ist der Münsterländer CDU-Mitglied. 1977 kam er zur Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Als Maschinenschlosser arbeitete Laumann bis 1990. Im selben Jahr zog er zum ersten Mal in den Bundestag ein und profilierte sich dort schnell als Sozialpolitiker.
Seit 2004 ist der als bodenständig geltende Politiker Mitglied im Bundespräsidium der CDU, seit 2005 Bundesvorsitzender der CDA. Im selben Jahr übernahm er das Amt des NRW-Arbeitsministers. Laumann gilt als »soziales Gewissen der CDU« und wird dem linken Parteiflügel zugeordnet.
Gemeinsam mit Jürgen Rüttgers hatte Laumann im April 2008 eine Diskussion über Korrekturen in der Rentenpolitik angestoßen. Geringverdiener, die langjährig Beiträge gezahlt haben, müssten eine Rente über der Armutsgrenze erhalten, forderte er damals. Wer sein Leben lang ohne Sozialhilfe ausgekommen sei, müsse auch im Alter unabhängig sein.
Der dreifache Familienvater fühlt sich nach eigenen Aussagen besonders dem christlichen Menschenbild der CDU und dessen Soziallehren verpflichtet. Unter anderem arbeitete er im Sonderausschuss »Schutz des ungeborenen Lebens« mit.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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