Die imposanten Kathedralen des Fußballs brachten den stolzen WM-Gastgebern Anerkennung und Schulterklopfer während der ersten Fußball-WM in Afrika. Rund zwölf Milliarden Rand kosteten sie die Steuerzahler – etwa 1,2 Milliarden Euro. Doch mit dem Ende des sportlichen Mega-Spektakels kommt die wahre Herausforderung. Wie sollen die Arenen künftig gefüllt werden? Der Unterhalt der Prachtbauten verschlingt jährlich Millionenbeträge, und die finanziell arg strapazierten Kommunen stehen in der Pflicht. Viele Stadtmanager denken mit Unbehagen an »die Zeit danach«. Denn an vielen Orten fehlen die Heimatklubs.
Im Nelson Mandela-Bay-Stadion etwa, im Küstenort Port Elizabeth – dem Heimatort von WM-Organisationschef Danny Jordaan. Das nach Südafrikas Nationalhelden benannte Stadion wurde mit seinem ansprechenden Design beim Baubeginn als eine Art Symbol und Hoffnungsträger für die strukturschwache, arme Heimatregion Mandelas gefeiert. Die Betriebskoten der Arena werden auf jährlich etwa 20 Millionen Rand geschätzt – umgerechnet etwa 2,1 Millionen Euro. Wie sie jemals hereingewirtschaftet werden sollen, ist unter Experten mehr als fraglich.
Denn der einzige Fußballklub des VW-Produktionsstandorts Port Elizabeth – Bay United – steckt in existenziellen Problemen und sucht nach einem Käufer. VW hatte die Kickertruppe 2005 günstig in dem bei Durban gelegenen Ort Pietermaritzburg gekauft, seine Unterstützung beim Aufbau eines lokalen Klubs aber von vornherein nur als Anschubhilfe deklariert. Es gibt weder ein heimisches Rugby- noch ein anderes Fußballteam. Das 45 000 Menschen fassende Stadion – Baukosten rund 250 Millionen Euro – hätte damit kaum noch einen wirklichen Verwendungszweck. Die paar PSL- und Rugby-Spiele, die den Stadienbetreibern zugesagt wurden, dürften das Geld kaum hereinholen.
Ein ähnliches Bild präsentiert sich in Orten wie Nelspruit oder Polokwane. Einen örtlichen Oberligaklub als Mieter gibt es dort nicht – und die wenigen Musikkonzerte, die geplant sind, können die Betriebskosten kaum decken. Die Stadtväter wollen das Problem daher gerne auslagern und die Stadionverwaltung einer Betreiberfirma überantworten. Doch derartige Betreiber stehen in strukturschwachen Regionen nicht gerade Schlange. Ein nachhaltiges Konzept fehlt noch.
Die großen Gewinner dieser WM sitzen in den Großstädten des Landes sowie in der Hauptstadt Pretoria, wo das Loftus-Versfeld-Stadion der Blue Bulls Rugby-Union gehört. Die Betreiber gehen davon aus, dass zehn ausverkaufte Spiele pro Jahr die Betriebskoten hereinbringen.
Durbans Mehrzweckstadion ist dank seiner spektakulären Konzeption das einzige, das vor der WM bereits auf Einkünfte verweisen konnte. Sie kamen durch Bungeejumping-Veranstalter sowie die Aussichtsplattform auf dem 105 Meter hohen Bogen herein und näherten sich bereits der Fünf-Millionen-Rand-Grenze (500 000 Euro).
Die jährlichen Betriebskosten von 15 Millionen Rands dürften auch durch andere Nutzung weitgehend gedeckt sein; die Stadt will das Stadion zudem als Joker für seine Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 nutzen.
Kapstadts Green Point Stadion wird künftig von der französisch- südafrikanischen Frima »Sail Stadefrance« betrieben; die Stadt erhält 30 Prozent von deren Profiten, muss dafür aber den Unterhalt zahlen. Immerhin: Die Betreiber planen dort bis Ende kommenden Jahres insgesamt 18 internationale Veranstaltungen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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