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Von Martin Kröger 09.07.2010 / Berlin / Brandenburg

Kampagne gegen rechte Zeitungen

»Junge Freiheit«, »Deutsche Stimme«, »Zuerst!«, »Deutsche Militärzeitung« oder »Preußische Allgemeine Zeitung« – all diese rechten bis extrem rechten Zeitungen und Monatstitel gibt es in Berlin und Brandenburg an vielen Kiosken offen zu kaufen. Auch so mancher Supermarkt führt die zweifelhaften Schriften in seinem Sortiment. Während sich bei extrem rechter Kleidung und bei Neonazi-Aufmärschen regelmäßig Widerstand regt, floriert der Handel mit den rechten Schriften und Postillen relativ unbehelligt. Die linke Kampagne »Let's Push Things Forward« (Übersetzt: Lass uns die Dinge voranbringen) will den rechten Verlegern und ihren Produkten nun einen Strich durch die Rechnung machen.

»Es kann doch nicht sein, dass in diesen Blättern permanent nationalistische, rassistische, sexistische, homophobe, militaristische und zum Teil sogar neonazistische Inhalte verbreitet werden«, erklärt die Kampagnen-Sprecherin Isabell Münch gegenüber ND. Das Ziel sei es nun, die rechten und revisionistischen Zeitungen aus dem Kioskverkauf zurück in den Abonnement-Vertrieb zu drängen. So soll die Erschließung von neuen Leserschaften erschwert und damit die Position der genannten Zeitungen auf dem Markt generell geschwächt werden. Dafür gelte es vor allem, die Vertriebs- und Verkaufsstrukturen öffentlich aufzudecken. Schließlich wolle man, erläutert Münch, nicht den einzelnen Kioskbesitzer kritisieren, sondern vielmehr ein Klima schaffen, in dem sich der Großhandel überlegt, ob er es sich weiter leisten kann, rechtes bis extrem rechtes Schrifttum zu vertreiben.

Um dem Ansinnen mehr Nachdruck zu verleihen, hat sich die Kampagne um Unterstützer bemüht. »Es ist uns gelungen, 40 Organisationen als Erstunterzeichner in Berlin-Brandenburg zu gewinnen«, freut sich Isabell Münch. Unterschrieben haben ver.di, die VVN/BdA, die Linksjugend, verschiedene Juso-Ortsgruppen sowie Antifa- und autonome Organisationen. Weitere Unterzeichner seien allerdings jederzeit hoch willkommen, sagt Münch.

Als ersten Schritt wollen die Organisatoren in den nächsten Wochen eine Kurzform des Aufrufs der Kampagne gegen rechte Zeitungen in hoher Auflage in der Region verteilen. Dazu sind alle Menschen, die sich gegen Rechts engagieren möchten, aufgefordert, sich zu beteiligen. Sie können zum Beispiel Kiosk-Besitzer darauf aufmerksam zu machen, welche Titel sie in ihrer Auslage haben. Welches die problematischen Publikationen sind, hat die Kampagne beispielhaft auf ihrem Blog im Internet dargelegt. Hier besteht auch die unkomplizierte Möglichkeit, den Aufruf für die Kampagne zu unterschreiben.

pushforward.blogsport.de/

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3 Kommentare zu diesem Artikel

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  • karleduard, 09. Jul 2010 17:10

    Prima Sache

    Ich bin 1961 in der DDR geboren. Gut 15 Jahre habe ich das ND bewußt gelesen. Habe Parteitags- und Plenumsberichte ausgeschnitten. Und die Propaganda verinnerlicht. Das Bejubeln des Sozialismus verfolgt. Selber mitgejubelt. Und die Parolen eingeübt und mitgerufen. Diese Berichte über diese Schauspieler, die den Arbeiter- und Bauernstaat verliessen und die Künstler. Und "Wir weinen ihnen keine Träne nach". Die Ernteberichte und Honeckers Faseleien von 10000 Industrierobotern. Die Erschossenen an der Staatsgrenze, von denen viele nur raus wollten. Und die das ND als Verbrecher darstellte. Menschenhändlerbanden, die Menschen zur Flucht verhalfen.

    Wäre das für Sie also o.k, wenn ich ab sofort die mir bekannten Kioske unter Druck setzte, die das ND anbieten, ein Zentralorgan, das nicht dazugelernt hat? Das dieselbe Desinformation betreibt wie vor 89.

    Wenn ich die Austräger bedrohte, weil sie dieser Zeitung anhängen, wäre das o.k.? Immer noch dieselben Funktionsträger und willigen Helfer wie damals. FDJ - und Parteifunktionäre, sicher, sicher in gutem Glauben gehandelt, aber das hat der Kommandant von Auschwitz auch. Oder der Genosse Denunziant.

    Wäre das also in Ihrem Sinne? Einen Aufruf zu starten, mit dem Ziel, das ND zu verbieten, als verfassungsfeindliche Publikation, die vor hat, praktisch das Grundgesetz auszuhebeln?

    Ich erinnere mich auch an das Verbot des SPUTNIK, weil der Gorbatschow darin Dinge sagte, die waren 1:1 übertragbar auf den verrotteten Arbeiter- und Bauernstaat, würden Sie mich also darin unterstützen, daß ein Zentralorgan, das aus 40 Jahren DDR keine Lehren gezogen hat und das schon vergessen hat, daß die Freiheit auch immer die Freiheit der Andersdenkenden sein muß, existenziell vernichtet gehört?

    Daß wir eine Kampagne dafür starten sollten, um die deutsche Zeitungslandschaft zu reinigen? Von diesem Schmutz und Schund? Das wäre doch eine gute Sache. Oder nicht?

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  • Kroeger, 10. Jul 2010 14:59

    Re: Prima Sache

    Lieber "Karl Eduard". Ich verstehe Ihre Fragen, kann aber tatsächlich keinen Zusammenhang zu dem Text erkennen. Das Missverständnis liegt glaube ich darin begründet, dass Sie den Beitrag nicht als das verstanden haben, was er ist: Ein Bericht über eine laufende Kampagne und kein Aufruf des ND. Die Kampagne "Let's Push Things Forward" haben seit April 2010 rund 40 gesellschaftliche Organisationen und Gruppen unterzeichnet, darunter größere wie ver.di und die VVN/BdA. Wenn ich Sie richtig verstehe, sollen wir als linke Tageszeitung über dieses Thema, das eine ganze Reihe Menschen zu bewegen scheint, nicht berichten, sondern es wegen der Geschichte dieser Zeitung verschweigen. Das wäre aber doch genau das, was sie uns vorwerfen, nämlich Sachen zu vertuschen, oder nicht?

    • Permalink

  • OBJZ, 11. Jul 2010 07:21

    Prima Sache - Kapitel 3.

    Der Leser "K" und der Autor "K" haben beide das Recht: Leser "K" mahnt die vielfaeltige Meinungsfreiheit zu erhalten, und Autor "K" erklaert, das sein Bericht ueber dieses Thema fuer die Information der Leser gemeint war. Ich hatte von diesen "rechten" Publikationen zuvor keine gelesen, und habe mir die gewaehnten kurz analysiert. Zumindest finde ich das alle etwas verschieden von einander sind - was ich uebrigends auch von den "linken" Publikationen in Deutschland bemerke! Also das ist sicherlich zumindest positive Meinungsvielfalt - besonders auch in Rueckblick auf die rechte und linke deutschen Vergangenheit! In USA sprach heute Ralph Nader mit Andrew Napolitano in PBS TV ( nur gesehen von der gebildeten Elite). Ralph Nader ist die grosse Figur der vollkommen unideologischen Linken, und Andrew Napolitano ist ein Kommentator des rechten Fox TV - und er ist "republican libertarian" - der anti-imperialistische Fluegel der Republicans (Patrick Buchanan, Ron Paul, Rand Paul) welcher gegen die Weltherrschaft der USA stehen. Man diskutierte ueber einige aehnlichen Ansichten von unideologische "links" und anarchistisch "rechts" (die Luegen der USA Geschichte, Buergerrechte, der USA Weltimperialismus). In Brasilien war die linke Praesidentschaftkandidatin Dilma Rousseff als Gast der Witwe des Zeitungs - und TV Magnaten Marinho welche Damen der Gesellschaft eingeladen hatte. In Tagen zuvor war Dilma, von der linken PT Arbeiterpartei, als Gast mehrerer fuehrender Geschaeftsfamilien. Dilma Rousseff war bewaffnete "guerrillera" im Untergrundkampf gegen die Militaerdiktatur. Letztlich war sie die "rechte Hand" von Lula waehrend seiner erfolgreichen acht Jahre als Praesident - welche riesigen Wirtschaftswachstum mit sozialer Verbesserung durch "linke Sozialprogramme" fuer viele Millionen (50?) vereinte. Deutschland ist Deutschland, aber mal sehen ob "links" und "rechts" neu "denken" koennen..

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