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Von Ronny Blaschke, Kapstadt 10.07.2010 / Fußball-WM 2010

Südafrika fiebert in Orange

Viele Gastgeber halten aus historischer Verbundenheit zu Holland

Es geht normalerweise ruhig zu im niederländischen Konsulat von Kapstadt. Am Eingang nimmt ein breitschultriger Mann das Handy ab. Hinter einer Glasfront sitzen eine Dame und ein Herr, nehmen Anträge entgegen, kontrollieren Anträge, geben Anträge zurück. Normalerweise, doch es ist nichts normal, und so sagt Konsul David de Waal: »Was wir hier erleben, ist verrückt und einmalig schön.«

De Waal ist ein Mann mit Humor, vor einigen Tagen lud er Reporter und Fotografen ins Konsulat, streifte sich ein oranges Trikot über und blies mit Inbrunst in eine Plastiktröte. Neben ihm saß Kapstadts Bürgermeister Dan Plato, der wenig von dem Getröte wahrnehmen konnte. Er trug Ohrenschützer, in Orange. Lustiger hätten Stan Laurel und Oliver Hardy auch nicht ausgesehen.

Viele Südafrikaner sind nach der Vorrunde und dem Ausscheiden ihrer Mannschaft zu Teilzeit-Holländern geworden. »Uns verbindet viel«, sagt David de Waal. 1652 war Jan van Riebeeck in der Tafelbucht gelandet. Die Buren prägten die Geschichte, auch mit ihrer Sprache Afrikaans. Millionen Südafrikaner haben holländische Wurzeln, kennen jemanden mit holländischen Wurzeln oder kennen jemanden, der jemanden kennt mit holländischen Wurzeln. Und so sticht in diesen Tagen überall Orange ins Auge. Röcke, Brillen, Badelatschen, Perücken, Holzschuhe, künstliche Bärte. Überall südafrikanische Holländer und holländische Südafrikaner.

Gut zehntausend Fans sind ihrem Team aus der Heimat gefolgt, viele mit dem Flugzeug. Andere per Wohnmobil, Truck, Cabrio, Doppelstockbus, Käfer, Motorrad. In Südafrika sollen alle Wohnmobile vermietet sein, die Campingplätze freuen sich über Sommererträge im südafrikanischen Winter. Die holländische Botschaft in Pretoria strahlt seit einem Monat in Orange. Das Konsulat in Kapstadt wird von einem riesigen Plakat verziert, mit den niederländischen Farben und dem Schriftzug: »Mit Stolz in Südafrika«.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man in Südafrika auf Holländer stößt. Zum Beispiel auf die Studentin Marette Odendaal aus Swellendam, einem kleinen Ort nahe Stellenboscht: »Die WM führt uns vor Augen, wie sehr wir mit Holland verbunden sind, nicht nur wegen der Sprache.« Oder auf die Unternehmerin Dorette Steenkamp aus Kapstadt: »Die Holländer haben vorübergehend unsere Stadt eingenommen, sie sind seit Langem auf unserer Seite. In Zeiten der Apartheid war das anders, da waren die Holländer tief in unsere Trennung verwickelt. Doch danach haben sie geholfen, viele Probleme zu überwinden.«

Die Buren hatten viel Leid über die Südafrikaner gebracht. Auch deshalb ist es vielen Schwarzen bitter aufgestoßen, als sie im Greenpoint Stadion Kapstadts ein Banner sahen, auf dem zu lesen war: »Die Kaap is weer oranje«, das Kap ist wieder orange.

Nächste Woche wird die Kolonne in Orange wieder abziehen, viele Menschen in Südafrika hoffen als Weltmeister.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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