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Die Wahrscheinlichkeit, den Ausgang aller Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika richtig zu tippen, lag bei 1 zu 128. Der im Sea Life Centre in Oberhausen lebende Krake Paul erfüllte diese Wahrscheinlichkeit zu einhundert Prozent, indem er stets sein Futter aus der Plexiglasbox angelte, die mit der Fahne des späteren Siegers dekoriert war. Nachdem Paul auch noch den Weltmeister Spanien richtig getippt hatte, genießt das Tier nicht nur in deutschen Medien Kultstatus. Eine spanische Kleinstadt soll 30 000 Euro für Paul geboten haben, um ihn als Attraktion des regionalen Tintenfischfestivals zu präsentieren. Zu Wort gemeldet haben sich auch die Tierrechtler von Peta. Sie fordern die Freilassung der Krake. So kocht eben jeder sein eigenes Süppchen. Über die Herkunft Pauls gibt es widersprüchliche Angaben. Laut Sea Life kam der Tintenfisch, der zur Gattung der gewöhnlichen Kraken (Octopus vulgaris) zählt, 2008 im Alter von drei Monaten aus England nach Oberhausen. Andere Quellen behaupten jedoch, Paul sei erst im April 2010 in italienischen Gewässern gefangen worden.
Für den Weltenlauf dürfte die Herkunft Pauls bedeutungslos sein. Vor geraumer Zeit beschäftigte sich im Fernsehen eine mehrteilige Doku mit der Frage, wie sich die Welt nach dem Ende der Menschheit entwickeln könnte. Die Szenarien zeigten eine Welt, in der nach wenigen tausend Jahren – ein Wimpernschlag der Erdgeschichte – die Sonne Tag für Tag über einer Erde aufgeht, in der nichts mehr daran erinnert, dass der Homo Sapiens je auf ihr existierte.
Der letzte Teil spekulierte über die Welt, wie sie in einigen hundert Millionen Jahren aussehen könnte. Die Kraken sind aus dem Wasser gekrochen und haben sich an Land weiterentwickelt. Es gibt viele verschiedene Arten, einige leben in Gemeinschaften mit ausgeprägtem Sozialverhalten, schwingen sich wie weiland die ersten Humanoiden von Ast zu Ast und benutzen primitive Werkzeuge. Das Gehirn der Kraken, so hieß es in der Doku, sei schon viele hundert Millionen Jahre vorher außergewöhnlich groß für einen Meeresbewohner gewesen. Seit der Fußball-WM wissen wir, mit welchem Vertreter dieser Spezies der Evolutionssprung begann. Ecce Octopus – Sehet, welch ein Krake!
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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