Die Bestrafung des wohl populärsten Predigers der Niederlande wegen eines Fußball-Gottesdienstes hat sich für die katholische Kirche als Eigentor erwiesen. Immer mehr Menschen fordern, den suspendierten Priester Paul Vlaar wieder in Amt und Würden zu setzen, hieß es am Montag in Medienberichten. In E-Mails, Briefen und Anrufen bei Redaktionen und Kirchenleitung machten Menschen ihrem Ärger Luft.
Der Pfarrer hatte am Finaltag der Fußball-WM in ein orangenes Gewand gehüllt für einen Sieg der Holländer gegen Spanien gebetet. Zudem durften Besucher der mit orangenen Kerzen geschmückten St.-Viktor-Kirche im nordholländischen Obdam auf ein Tor schießen. Damit sei des Heilige Abendmahl für einen weltlichen Zweck missbraucht worden, befand der Bischof von Haarlem-Amsterdam, Jozef Punt. Er verbannte den Prediger in ein Kloster.
»Kindesmissbrauch wird unter den Teppich gekehrt, aber ein Pfarrer, der beliebt ist, wird gnadenlos gefeuert«, zitierte »De Telegraaf« ein Gemeindemitglied. Die Obrigkeit bestrafe einen Kirchenmann, der mit frischen Ideen für gut besuchte Gottesdienste gesorgt habe, schimpfte Win Bijman, Vizevorsitzender der betroffenen Pfarrgemeinde. »Mit kreativen Aktionen hat er das Gotteshaus proppenvoll bekommen.« Vlaar habe »die Gabe des Wortes und kann das Himmlische mit dem Irdischen verbinden«.
Dennoch – oder gerade deswegen, wie nun einige vermuten – war der »Oranje-Pfarrer« der Führung des Bistums ein Dorn im Auge. Mehrfach wurde er wegen angeblich zu großer »Weltlichkeit« verwarnt. Etwa wegen einer Messe zu Ehren von Sankt Hubertus, dem Schutzheiligen der Jagd, bei dem seine Kirche voll war mit Wildhütern, Jagdhornbläsern – und bellenden Jagdhunden. Oft lud er Popmusiker und DJs ein. Die Rückkehr des Pfarrers fordern auch Bewohner des Altersheims der Gemeinde. »Der Bischof soll sich bloß nicht so haben wegen eines orangenen Gewandes«, sagt Trien Luken-Neefjes (93). dpa
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