Die Zahl sollte wohl Kampfgeist in Demut verwandeln: 2000 Lehrer, verbreitete Sachsens Kultusminister im Frühling, gebe es zu viel, wenn alle Pädagogen wieder Vollzeit arbeiten wollten. Damals verlangten Gewerkschaften in Tarifverhandlungen, die von Demonstrationen begleitet wurden, das Ende der »Zwangsteilzeit«: Ein 2005 vereinbarter Vertrag, der Stellenabbau vermied, aber die teils schon seit 1992 geltende Teilzeit noch ausgeweitet hatte, sollte auf keinen Fall verlängert werden. Das Ministerium schaltete auf stur: 2000 Lehrer, für die kein Bedarf besteht, könne man sich nicht leisten, hieß es. Änderungskündigungen wurden in Aussicht gestellt.
Drei Monate und einen Verhandlungserfolg der Gewerkschaften später stellt sich nun heraus, dass die Bereitschaft bei den Lehrern, wieder 26 Stunden pro Woche zu unterrichten, gar nicht so groß ist, wie in manchem Schreckensszenario ausgemalt. Nur die Hälfte der Lehrer macht von der Möglichkeit Gebrauch, wieder das volle Pensum zu arbeiten. Exakt 6577 von 13 483 Pädagogen wollen mindestens ein weiteres Jahr verkürzt arbeiten, teilte das Ministerium nun mit. Das sind noch 146 mehr, als erwartet wurde. Sie unterrichten im Schnitt nur 21,8 Stunden in der Woche – bei geringerem Gehalt. In einer Sondersitzung des Haushalts- und Finanzausschusses im Landtag musste gestern Geld für eine geringere Zahl »überzähliger« Lehrer bewilligt werden. Zunächst war von 987 Stellen, die angesichts aktueller Schülerzahlen und Unterrichtsvolumina eigentlich nicht gebraucht werden, die Rede; nun sind es nur 835. Die Mehrkosten belaufen sich auf 24 Millionen Euro, die weitestgehend aus Einsparungen des Ministeriums gedeckt werden sollen.
In den Betrag eingerechnet sind auch Ausgaben für 130 junge Lehrer, zu deren Einstellung man sich angesichts des unerwarteten Puffers entschieden hat. Die Möglichkeit dazu hätten die Lehrer geschaffen, die freiwillig weniger arbeiteten, lobte Kultusminister Roland Wöller (CDU).
In der Opposition wird der Schritt anerkannt: Sie sei »froh«, dass nun 50 Lehrer an Gymnasien und 80 für die Mittelschulen eingestellt würden, sagte Cornelia Falken, Bildungsexpertin der LINKEN. Die Freude werde aber dadurch getrübt, dass die Neulehrer nur einen Vertrag für ein Jahr erhielten: »So schafft man keine Perspektiven!«
Künftig braucht das Land viele neue Lehrer: Bis 2020 erreichen 15 000 Pädagogen das Rentenalter; zugleich steigt die Schülerzahl. Ab 2014 würden 1000 neue Lehrer pro Jahr gesucht, so Schätzungen. Ob sie angesichts sinkender Absolventenzahlen und wenig attraktiver Arbeitsbedingungen gefunden werden, wird vielfach bezweifelt.
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