Von Peter Nowak
26.07.2010

Endlich weniger zahlen für Strom und Gas

Neues Buch gibt Tipps für die Stärkung der Verbrauchermacht auf dem Energiesektor

Welcher Verbraucher will nicht weniger für Strom und Gas bezahlen? Jetzt haben Aribert Peters und Leonora Holling ein Nachschlagewerk herausgebracht, dass den Strom- und Gaskunden in Deutschland beim Sparen helfen soll. Herausgegeben wurde das Buch vom Bund der Energieverbraucher e. V.. In der bundesweit ersten Interessenvertretung für Energieverbraucher sind laut Eigenangaben über 13 000 private und kleingewerbliche Verbraucher organisiert. Bundesweit bekannt wurde das Bündnis, als es Verbraucher mit seiner Hilfe schafften, durch Klagen zu viel gezahltes Geld vom Gas- und Stromversorger zurück zu bekommen.

Die gesetzlichen Grundlagen der Verbrauchermacht spielen im Buch eine zentrale Rolle. Es wird beschrieben, dass die Energiekonzerne gesetzlich zur »billigen Preisgestaltung« verpflichtet sind. Die Billigkeitsprüfung soll den Endverbraucher als schwächeren Vertragspartner davor schützen, durch Preisabsprachen der Konzerne übervorteilt zu werden. Sowohl im EU-Recht als auch im Bürgerlichen Gesetzbuch sind die Grundlagen dafür zu finden, wie die Autoren kenntnisreich belegen: »Laut § 315 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) muss die Partei eines Vertrags, der das einseitige Preisbestimmungsrecht zusteht, dieses angemessen (billig) ausüben. Gegebenenfalls kann die Partei, die den Preis nicht bestimmt, ein deutsches Gericht anrufen, damit dieses die Angemessenheit der Preise überprüft.«

Dabei gelingt es den beiden Autoren, juristisch komplexe Sachverhalte in einer Sprache zu vermitteln, die auch von Menschen ohne höhere Schulbildung verstanden wird. Mit vielen Schautafeln und einer leserfreundlichen Schrift zeigen sie die Schritte auf, die Verbraucher gehen müssen, wenn sie ihre eigenen Strom- und Gaspreise überprüfen oder sogar kürzen wollen.

Die Autoren verschweigen aber auch die Risiken nicht: »Sie gehen, damit in eine strittige Auseinandersetzung mit ihrem Energieversorger, die Zeit und Nerven kostet. Im schlechtesten Fall unterliegen sie, wenn der Versorger vor Gericht auf Zahlung klagt.« Es spricht für die Herausgeber, dass sie deutlich machen, dass man auf dem Rechtsweg auch verlieren kann. Die Autoren informieren auch über weitere Protestmöglichkeiten, die die Energiekunden haben. So wird erklärt, wie der Kunde auf Abrechnungsfehler reagieren und wie er Zahlungsrückstände ausgleichen kann.

Auch wenn Gas und Strom bereits gesperrt sein sollten, muss der Betroffene nicht im Dunklen und im Winter sogar im Kalten sitzen. Die Verfasser machen die Leser mit einem wenig bekannten Grundrecht auf Energieversorgung bekannt, das sich auf den EU-Vertrag von Lissabon stützt. Dort heißt es in Artikel 34 E: »Um die soziale Ausgrenzung und Armut zu bekämpfen, anerkennt und achtet die Union das Recht auf eine soziale Unterstützung und eine Unterstützung für die Wohnung, die allen, die nicht über ausreichende Mittel verfügen, ein menschenwürdiges Dasein sicherstellen sollen.« Einige Seiten weiter skizziert das Buch die bundesdeutsche Realität, die mit diesen hehren Grundsätzen kollidiert. Es gibt jährlich tausende Strom und Gassperrungen, die allerdings nur dann Schlagzeilen machen, wenn sie zu schweren gesundheitlichen Schäden des Verbrauchers führen.

Auch in diesem Kapitel gibt es weitere nützliche Tipps, so auch dafür wie eine drohende Sperre noch abgewendet werden kann. Hilfreich für die Betroffenen sind die Dokumente im knapp 60-seitigen Anhang. Dort sind Musterbeschwerdebriefe ebenso abgedruckt wie Adressen von Initiativen, bei denen sich der Verbraucher Rat und Hilfe holen kann.

Dr. Aribert Peters, Leonora Holling: Energie für Verbraucher, Weniger zahlen für Strom und Gas, Bund der Energieverbraucher 2010, 283 Seiten, 18,50 Euro (14 Euro für Vereinsmitglieder), zu bestellen auf der Seite www.energienetz.de/de/site/Verein/Energie-fuer-Verbraucher__2672/

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